Warum der Fußball den Nahostkonflikt beeinflussen soll

Existenzrecht neu verhandelt

Die FIFA diskutiert über den Ausschluss von sechs israelischen Klubs aus allen Wettbewerben, weil sie auf umstrittenem Gebiet spielen. Kann ein Fußballverband den Nahostkonflikt verhandeln? Eine Geschichte über Antisemitismus und heiße Kartoffeln.

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»Das ist eine heiße politische Kartoffel, zu heiß für uns einfache Fußball-Leute«, gab Tokyo Sexwale beim letztjährigen FIFA-Kongress in Mexiko zu Protokoll. Und meinte damit den Nahostkonflikt. Seit Jahrzehnten ist keine Lösung in Sicht, nach einer zwischenzeitlichen »Entspannung« im Zuge des Oslo-Friedensprozesses ist sie nach Ausbruch der zweiten Intifada, dem gewaltsamen Konflikt von Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften im Jahr 2000 in noch weitere Ferne gerückt.

Der ehemalige südafrikanische Freiheitskämpfer Sexwale ist Vorsitzender der FIFA-Kontrollkommission für Israel und Palästina und setzt sich deswegen intensiv mit der »heißen politischen Kartoffel« auseinander. Genauer gesagt mit der Problematik der sogenannten Siedlerklubs, also Fußballvereinen in israelischen Siedlungen im Westjordanland. 

Unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der seit 2009 im Amt ist, stellt die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland heute für die EU eine der größten Hürden für den Friedensprozess dar. Zuletzt hat die Regierung Netanjahu tausende Siedlerwohnungen legalisiert. Das Westjordanland steht seit dem Sechstagekrieg von 1967 unter israelischer Militärverwaltung, etwa 40 Prozent gehören seit 1993 zu den palästinensischen Autonomiegebieten.

Antrag auf Ausschluss Israels aus der FIFA

Die rechtliche Lage der Siedlungen ist umstritten. Während Israel in den Genfer Konventionen keine Grundlage für die Behauptung sieht, der Siedlungsbau wäre illegal, vertreten die Vereinten Nationen die gegenteilige Position. Die Organisation sieht sich allerdings dem Vorwurf des institutionalisierten Antisemitismus ausgesetzt. Doch auch fußballerisch steht der Siedlungsbau nun schon seit längerem unter Beschuss. 

Angefangen hat es mit einer Offensive des Palästinensische Fußballverbands (PFV) unter dem Vorsitzenden Dschibril Radschub, der 2015 den Ausschluss Israels aus der FIFA beantragte. Weil palästinensische Spieler aus Gaza und dem Westjordanland sich durch israelische Grenzkontrollen schikaniert fühlten. Unerwähnt ließ er dabei zum Beispiel den Fall von Omar Abu Rwayyis, damals Torwart der palästinensischen Olympiamannschaft, der 2012 gemeinsam mit einem weiteren Fußballer einen Anschlag auf israelische Soldaten verübte und daraufhin festgenommen wurde. Dass Terroristen wie er Probleme beim Grenzübergang bekommen, versteht sich von selbst. Radschub zog den Antrag nach der Intervention anderer Funktionäre zurück.

Ministerpräsident Netanjahu kommentierte damals: »Der Einwand [Antrag] stammt aus ihrer generellen Abneigung unserer Existenz.« Das entspräche auch der palästinensischen Sportdoktrin, die lautet: »Jede Aktivität, die der Normalisierung der sportlichen Beziehungen mit dem zionistischen Feind dient, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.« Deshalb wollte Radschub in der Sache nicht lockerlassen und forderte die FIFA auf, sechs israelische Siedlerklubs im Westjordanland von allen Wettbewerben auszuschließen.

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