Warum der FC Bayern 2012 die Champions League nicht gewinnen wird

Ein Ziel zu viel

München hat einen ganz großen Traum: Der FC Bayern holt den Champions-League-Titel 2012 im eigenen Stadion! Doch bereits vor dem ersten Gruppenspiel gegen Villareal müssen wir den Rekordmeister enttäuschen. Daraus wird leider nichts. Warum der FC Bayern 2012 die Champions League nicht gewinnen wird

Verehrter FC Bayern,

bevor es in Europas Königsklasse los geht, müsst ihr besonders stark sein. Ja, München ist Austragungsort des Champions-League-Finales 2012. Und ja, ihr werdet euer Stadionraumschiff auf Hochglanz polieren und ganz bestimmt herausragende Gastgeber sein. Aber wir kennen euren Traum: Am 19. Mai 2012 sollen Lahm, Ribery, Schweinsteiger und (für den Fall, dass eure treuen Fans es zulassen) auch Neuer mit stolzgeschwellter Brust als Finalmannschaft in den roten Stadioballon einlaufen. Aber das könnt ihr euch abschminken, denn bevor der FC Bayern im Mai 2012 den beliebtesten Henkeltopf der Fußballwelt in die Luft reckt, stellen Frankreich und der Iran eher freiwillig ihre Atomkraftwerke ab.

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Jetzt fragt ihr euch, warum ihr mal wieder in die Röhre schauen werdet, während sich Europas Topklubs in eurem Vorgarten um die europäische Fußballkrone rangeln? Okay, wir sagen es euch.

Statistik, Mailand-Fluch und Super-Mario

Vielleicht eine ernüchternde Statistik zu Beginn, denn Statistiken, die mögt ihr als Rekordmeister, –pokalsieger, –festgeldkontoinhaber doch ganz bestimmt. Also, überhaupt erst drei Mal erreichte ein gastgebender Klub das Landesmeister-Finale im eigenen Stadion. Drei Mal in nunmehr 57 Jahren! Das ist nicht viel, doch es kommt noch schlimmer, denn nur zwei Mal konnte der jeweilige Klub das Spiel auf eigenem Grün auch gewinnen. Und jetzt kommt es richtig dick: Der letzte Klub, der sein finales Heimspiel siegreich gestaltete, war Inter Mailand.

Oh Gott, Inter Mailand, jener Klub also, der in den vergangenen zwei Jahren zum bajuwarischen Champions-League-Schreck verkam. Ausgerechnet Mailand, möchte man da ausrufen. Oder noch besser: der Mailand-Fluch – das klingt schön schaurig. Ach ja, jener Mailänder-Finalsieg gegen Benfica Lissabon ereignete sich übrigens am 27. Mai 1965. Nur, dass wir uns richtig verstehen: 1965, das ist mittlerweile 46 Jahre her. Übrigens 1965 stieg der FC Bayern mit den Talenten Beckenbauer, Maier und Müller in die neu gegründete Bundesliga auf. Die Zeichen der Zeit stehen also denkbar schlecht.

»Passt scho'«, möchte man da als Ur-Bayer denken, denn schließlich habt ihr einen legitimen Gerd-Müller-Nachfolger gefunden. Der heißt Super-Mario. Euphorische Hochrechnungen trauen dem Frisurenwunder nach seiner momentanen Traumquote ohnehin mindestens 54 Saisontore zu. Da werden schon ein paar in der Champions League dabei sein, was? Könnte also für das Finale reichen.

Doch Obacht, schon bald hat Mario Gomez sein Pulver verschossen, denn in den Jahren vor internationalen Großereignissen geht dem Torero regelmäßig die Luft aus. 2010 etwa traf er das letzte Mal am 22. Spieltag. Dann war Flaute. Richtig tote Hose. Nun gut, 2008 traf er zwar am letzten Spieltag, aber was bei der folgenden EM passierte, ist ja bekannt. Stichwort: Österreich. Stichwort: Jahrhundert-Krise. Die Angst des Poppers vor dem Tor. Wollt ihr das wirklich?

Letzte Hoffnung Olic: »Isse imma värlätzt«

Bei all diesen Argumenten, geht das große Zittern los, denn wie wollt ihr den nahenden Totalausfall eures Megastürmers ausgleichen? Arjen Robben ist ja, wenn er nicht gerade verletzt ist, neuerdings zu egoistisch für den neuen FC Bayern. Abgang möglich. Ivica Olic »isse imma värlätzt« (Zitat Giovanni Trapattoni) und Miroslav Klose wird lieber in Italien zum Volkshelden. Bleibt Nils Petersen, der sich bisher vor allem gegen Zweitliga-Verteidiger beweisen musste. Mal sehen, was passiert, wenn auf einmal Rio Ferdinand oder Carlos Puyol vor ihm auftauchen. Na, dämmert es langsam?


»Bleibt's ruhig, Burschis, wir haben ja noch Müller, Kroos, Ribery, Schweinsteiger«, wollt ihr jetzt entgegnen. Aber auch da muss man euch die Hoffnung nehmen. Denn welcher von diesen (sogenannten) Führungsspielern hat denn den FC Bayern vor zwei Jahren, als es im Viertel- und Halbfinale ganz heiß wurde, ins Champions-League-Finale gegen Inter Mailand (Mailand-Fluch!) geschossen? Na? Na? Richtig, es waren Olic und Robben. Hart, aber wahr.

Der Chef und die Ziele

Und sowieso, Bastian Schweinsteiger. Der/Das Chef/Cheffchen scheint die Saison offenbar bereits abgeschrieben haben. Gestern sagte er sogar in einem Interview bei der »Bild«-Zeitung: »Ich habe in dieser Saison nur ein Ziel: Ich will 2012 in München die Champions League gewinnen und in Polen und der Ukraine Europameister werden!«

Wer sich dieses Bonmot genauer anschaut, muss erkennen, dass Schweinsteiger hier bereits zwischen den Zeilen aufgegeben hat. Champions-League-Titel und die Europameisterschaft, das ist irgendwie genau ein Ziel zu viel, wenn man nur ein Ziel ausruft. Was da unter diesen Voraussetzungen gestrichen werden muss, ist klar, oder?

Lieber FC Bayern,
wenn ihr jetzt nicht aufwacht, dann ist der Traum schon vor dem Schlafengehen vorbei. Wir erwarten keinen Dank, auch keine Freikarten für das Finale am 17. Mai 2012 in München. Wir erwarten nichts. Wir wollen nur nicht, dass es am Ende heißt, i
ihr hättet von nichts gewusst.

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