Warum der BVB und Schalke 04 gar nicht so verschieden sind

Küsst euch!

Der BVB und Schalke 04 sind wie ein schüchternes Teenager-Paar, das sich nicht traut, endlich zu knutschen. Dabei würden sie so gut zueinander passen. Ein Kuppelversuch.

Warum küssen sie sich nicht endlich? Sie wären so ein schönes Paar. Aber nein, Dortmund- und Schalke-Fans müssen stets auf die historisch gewachsene Rivalität verweisen. Doch bei genauerem Hinsehen gibt es zwischen ihnen keine grundsätzliche Rivalität, da die weltanschaulichen Unterschiede zwischen Herne-West und Lüdenscheid-Nord doch gar nicht so groß sind. Auch wenn die Anhänger beider Vereine oftmals so tun: Dortmund und Schalke trennen keine Welten. Anders als bei anderen großen Derbys dieser Fußballwelt steht keine sinnstiftende Ideologie hinter den beiden Klubs, jedenfalls stehen sie sich nicht antagonistisch gegenüber.

»Old Firm« und »Superclásico« als weltanschauliche Konflikte

Beim großen »Old Firm« beispielsweise war ganz Glasgow bislang gespalten – trennen die beiden Glasgower Klubs doch nicht nur die Vereinsfarben, sondern auch die konfessionelle Frage: Celtic ist katholisch und die Rangers protestantisch. Im »Superclásico« Südamerikas prallen ebenfalls Ideologien innerhalb einer Stadt aufeinander: Nicht zu unrecht wird das Spiel als fußballerischer Klassenkampf innerhalb von Buenos Aires angesehen, denn die Fans der Boca Juniors rekrutieren sich mehrheitlich aus der Arbeiterklasse, wohingegen die Fans von River Plate überwiegend aus der Mittel- und Oberschicht stammen. Die Konsequenzen sind hüben wie drüben oft gewalttätige Ausschreitungen, in Südamerika wurden gar Fans aufgrund der ideologischen Grabenkämpfe ermordet. Im Kohlenpott ist etwas derartiges zum Glück undenkbar.

Friedliche Koexistenz

Anders als bei den heißblütigen Südamerikanern oder den konfessionell gespaltenen Schotten beschränkt sich das Hickhack um die Revierderbys auf folkloristische Gängeleien des Gegenüber. Und mal ehrlich: Sieht man von den farblichen Dissonanzen ab, entdeckt man ähnliche Wurzeln und verblüffende Schnittmengen. Natürlich ist die Rivalität inzwischen Teil der jeweiligen Stadtfolklore, aber streng genommen herrscht zwischen den Klubs doch eigentlich eine weitesgehend friedliche Koexistenz. Kein Wunder, liegen die Vereine doch letztlich nicht nur lokal nah beeinander. Beide haben eine riesige Anhängerschaft in Deutschlands bevölkerungsreichsten Bundesland, beide rekrutierten ihre Anhängerschaft zum Großteil aus Arbeitervierteln und besaßen gleichwohl eine integrative Funktion für viele polnische und ostpreußische Immigranten.

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