23.11.2012

Warum das Verhältnis von Fans und Verbänden zerrüttet ist

Der tiefe Graben

Seite 2/5: Chancen der Annäherung: DFB sendet positive Signale
Text:
Andreas Bock, Philipp Köster und Ron Ulrich
Bild:
Imago

Am 19. Mai 2011 kommt es in Frankfurt zum ersten Treffen zwischen der Initiative und dem DFB. »Es ging bei unseren Gesprächen nie um eine Legalisierung von Pyrotechnik, sondern um mögliche Pilotprojekte«, sagt Spahn. »Der kontrollierte Einsatz von Pyrotechnik muss in Einzelfällen geprüft werden, am Ende sind die Vereine in der Verantwortung.«

Über Sinn und Unsinn von Pyrotechnik, ihre Gefahren und ihren Beitrag zur Fankultur ist viel geredet worden, die Gegner haben berechtigte Zweifel. Um die heutige Situation verstehen zu können, muss man den Blick auf die Beteiligten der Gespräche werfen. Mit den Vertretern des DFB diskutieren keine vermummten Gewalttäter, sondern engagierte Fans aus verschiedenen Regionen und von verschiedenen Vereinen, vom Studenten oder Handwerker bis zum Bürokaufmann. Sie alle blenden die Animositäten zwischen rivalisierenden Szenen aus. Die moderaten Kräfte verbünden sich, begleitet vom Argwohn der Hardliner daheim, die das Fäusteheben dem Händereichen vorziehen.

»Ich hätte nie für möglich gehalten, dass sich Stuttgarter und Karlsruher zusammen an einen Tisch setzen«, erzählt Ronny Licht, ein Sprecher der Initiative. Doch nicht nur die Feindseligkeiten der Fanvertreter untereinander ruhen, sondern auch die Vorbehalte gegenüber dem DFB. »Die Gespräche wurden in einer solch angenehmen und sachlichen Atmosphäre geführt, wie ich es in meinen positivsten Vorstellungen nicht erwartet hätte«, sagt Helmut Spahn. »Vor allem hat mich überrascht, dass die Fans auch Grenzen und Zwänge des Verbandes ohne Vorbehalte anerkannt haben.«

Die Gesprächsbereitschaft des DFB wird in der Fanszene als positives Signal gewertet. Dabei geht es nicht nur um das Thema Pyrotechnik selbst, sondern um das Gefühl, endlich ernstgenommen zu werden. Es ist eine einzigartige Chance der Annäherung.

Am 7. Juli 2011 treffen sich Vertreter der Initiative und des Verbandes erneut in der DFB-Zentrale in Frankfurt. Es wird bei diesem Treffen erstaunlich konkret.

Um den Einfluss der Fans abschätzen zu können, regt Spahn einen Verzicht von Pyrotechnik an den ersten drei Spieltagen in erster und zweiter Bundesliga, Dritter Liga und Regionalliga sowie dem Pokalwochenende an. Die Fans stimmen zu. In einem internen Schreiben des Fußballbundes heißt es: »Im Erfolgsfall geht der DFB einen Schritt auf die Gruppierungen zu und ermöglicht im Rahmen von Einzelfallprüfungen unter bestimmten Voraussetzungen den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik.« Im Gesprächsprotokoll ist gar die Rede von einer Änderung der Sicherheitsrichtlinien und Straffreiheit bei genehmigtem Einsatz. »Das hieße, dass die Vereine selbst entscheiden können und nicht mehr den DFB fragen müssen«, sagt Ronny Licht. Es wird ein weiteres Treffen für September vereinbart. Der DFB beschließt auf einer Präsidiumssitzung am 19. August 2011 zudem, ein Rechtsgutachten einzuholen, um »die alles entscheidende rechtliche Frage zu klären«.

DFB räumt ein: »Vielleicht haben wir Fehler gemacht«

Über die Zahl der Vorfälle in der vereinbarten Testphase mit über einer Million Stadionbesuchern gehen die Meinungen auseinander. Licht sagt: »Es gab vielleicht acht Bengalos in sechs Wochen in ganz Deutschland, keine Böller, keine Leuchtspurgeschosse. Bei den Einzelfällen handelte es sich um Leute, die mit unserer Kampagne nichts zu tun hatten und die gar nicht wussten, worum es geht.« Der DFB zählt 21 Fälle und stellt fest: »Das von der Faninitiative angestrebte Ziel, in diesem Zeitraum vollständig auf das verbotene Abbrennen von Feuerwerk zu verzichten, wurde damit nachweislich verfehlt.« Dabei hatte Helmut Spahn eine gewisse Zahl an Vorfällen einkalkuliert: »Mir war klar, dass die Initiative nicht jeden Zuschauer der ersten Ligen kontrollieren kann. Deswegen waren die einzelnen Vorfälle für mich keine Überraschung. Wichtiger war mir, dass die Zahl der Vorfälle im genannten Zeitraum sehr stark zurückgegangen war.«

 
 
 
 
 
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