03.12.2012

Warum das Spitzenspiel kein spitzen Spiel war

Ohne Messer zwischen den Zähnen

Im Fernsehen wurde das Spiel zum deutschen Clasico erkoren, doch auf dem Platz sah man vor allem Ballgeschiebe und ungenutzte Räume. Roland Wiedemann war für uns im Stadion.

Text:
Roland Wiedemann
Bild:
Imago

Als Mitte der ersten Halbzeit das vermeintliche »Spiel der Giganten«, das in 203 Länder übertragen wurde, zu einem gewöhnlichen Bundesligaspiel auf mäßigem Niveau zusammengeschrumpft war, musste man sich doch ein wenig über sich selbst wundern. Warum man nämlich an diesem frostigen Wintertag in fester Erwartung eines wahren Spektakels seinen Platz im Stadion eingenommen hatte.

Die Bayern würden mit einem Unentschieden den wohl einzigen echten Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft auf Distanz halten, und die Schwarz-Gelben ihrerseits könnten mit einem Remis beim dominierenden Bundesliga-Tabellenführer gesichtswahrend die Heimreise antreten – was also sprach für einen offenen Schlagabtausch, ein grandioses Fußballfest? Dass ein Thomas Müller angesichts der fünf zurückliegenden Niederlagen gegen diesen aufmüpfigen BVB vor der Partie behauptete, er und seine Mitspieler seien »bis zur Weißglut gereizt«? Oder war es die feste Überzeugung, die Dortmunder würden auch mal in der Bundesliga auf ihren Champions League-Modus umschalten, wenn der FC Bayern München der Gegner heißt?

Tatsächlich erweckten Müller und seine Teamkollegen nach Anpfiff nur kurz den Eindruck, als hätten sie Messer zwischen den Zähnen und würden wirklich auf eine Revanche brennen. Es dauerte zehn Minuten, dann hielten Klopps Männer den Gegner fortan vom BVB-Strafraum fern.

Zu viel Respekt?

Manuel Neuer wurde zur häufig gesuchten Anspielstation, was eigentlich alles über den hilflosen Spielaufbau des Rekordmeisters sagte und beinahe auch noch zum Führungstreffer der Dortmunder geführt hätte, als nämlich dem Münchner Keeper bei einem dieser Rückpässe der Ball über den Schlappen rutschte. Nicht einmal wirklich intensiv war das, was den fröstelnden Zuschauern auf dem beheizten Rasen in den ersten 45 Minuten gezeigt wurde, attraktiv schon gar nicht, bestenfalls taktisch interessant. Jupp Heynckes sprach später von einem Kontrollverlust nach zehn, 15 Minuten. Jürgen Klopp fand, dass »seine Jungs das richtig gut gemacht haben«.

Und während die Bayern-Spieler nach dem Halbzeitpfiff beim Gang zur Kabine am Physioraum vorbei mussten, in dem der schwer am Knie Verletzte Holger Badstuber lag, zeigte Klopp an der Taktiktafel seinen Leuten die freien Räume, die sie bislang übersehen hatten. »Vielleicht«, meinte Klopp nach dem Schlusspfiff, »hatten wir anfangs ein bisschen zu viel Respekt.« Roman Weidenfeller nutzte derweil die Gelegenheit, um die kurze, gegen eine lange Hose auszutauschen. Offensichtlich hatte auch er bei der Vorbereitung auf das Spitzenspiel mit mehr Arbeit gerechnet.

 
 
 
 
 
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