23.05.2014

Warum Ancelotti, Simeone und Co. immer wichtiger werden

Die Wunderwelt der Supertrainer

Sie arbeiten mit Superspielern bei Superklubs. Sie müssen Millionen Fans zufriedenstellen und milliardenschwere Klubbesitzer. Die Supertrainer sind die neuen Helden des globalisierten Fußballs.

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Der Überbietungswettbewerb beim FC Bayern, wer denn Pep Guardiola am besten lobt, ist noch nicht entschieden. Matthias Sammer hat sich mit seiner Behauptung, der Trainer des FC Bayern sei »eine große Persönlichkeit« nicht schlecht platziert. Zumal der Sportdirektor noch nachschob, Guardiola sei »ein aufrichtiger und wunderbarer Mensch«. Etwas weiter ging Uli Hoeneß, als er noch Vereinspräsident war: »Bei den Treffen mit ihm hast du immer das Gefühl, dass du weiterkommst im Leben.« Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge schließlich vergab den endgültigen bajuwarischen Ritterschlag: »Ich denke, Pep ist dafür geboren, den FC Bayern zu trainieren.« Damit wäre Rummenigge eigentlich Sieger im Rennen um die beste Pep-Huldigung, gäbe es da nicht die Mitarbeiter des Klubs, die das Ganze noch kürzer und knapper auf den Punkt bringen: »Pep ist ein Genie.«

Keine Kopfgeburten

Eigentlich ist der FC Bayern nie ein Klub der Trainer gewesen, sie waren immer nur als Dienstleister der Stars vorgesehen, die man bei Bedarf austauschte. Aber diesen Pep, den finden alle unglaublich. Klar, manchmal wirkt er schon etwas abwesend, weil er wieder stundenlang in seinem Trainerzimmer gesessen und Spielvideos angeschaut hat. Natürlich nicht den Fernsehmitschnitt, sondern Bilder im Wide Angle, auf denen das ganze Spielfeld zu sehen ist und wo bei den Gegnern die Räume aufgehen. Spielsysteme interessieren Pep Guardiola so wenig wie Laktatwerte oder ob im Bus zum Stadion ein Telefon klingelt. Aber das gegnerische Spiel schraubt er bis in alle Einzelteile auseinander, kommt dann ins Auditorium, das Jürgen Klinsmann einst hat bauen lassen, und zeigt seinen Profis in sieben oder acht knappen Sequenzen, wo sie den Gegner kriegen können. Wie sie ihn dazu provozieren, den Bayern in die Falle zu gehen. Der Mann ist kein Theoretiker und folgt keinen Kopfgeburten. Dafür versucht er nicht weniger, als den Zufall auszuschalten. »Die Qualität, die er dem Team gibt, beeindruckt uns alle«, sagt Rummenigge.

Es gehört schon eine Menge dazu, die ausgebufften »Mia san mia«-Bayern so aus der Fassung zu bringen. Aber vielleicht ist dieser 43 Jahre alte Sohn eines Maurers wirklich der beste aller Supertrainer, der Rarste dieser raren Spezies, dieser Geschöpfe eines Fußballzeitalters mit unstillbarem Appetit nach globalen Superstars. Oder sind die Bayern doch nur ein weiteres Opfer des größten Hypes im Fußball der letzten Jahre, einem bizarren Kult um die Übermenschen auf der Trainerbank? Es ist das fußballerische Gegenstück zum Kult um die Supermanager der Weltwirtschaft, um Mark Zuckerberg von Facebook, Jeff Bezos von Amazon oder Martin Winterkorn von VW. Nur, dass jene nicht so lyrisch gefeiert werden. Der spanische Journalist Guillem Balague, eine Art halboffizieller Guardiola-Biograf, schreibt: »Der Meistertrainer in einem knallharten Business hat die Augen eines Künstlers, irrlichternd und ständig suchend. Manchmal finden sie einen kurzen Halt, dann scheint es, als fokussierten sie ein fernes Ziel. Den nächsten Triumph.« Man würde das gerne mit Streichern unterlegen.

Legendäre Grantler, unterhaltsame Großmäuler

Auch früher hat es schon Trainer gegeben, die als Visionäre und Innovatoren galten, wie Rinus Michels bei Ajax Amsterdam oder Arrigo Sacchi beim AC Mailand. Sie waren sagenhaft erfolgreiche Titelsammler wie Ottmar Hitzfeld oder Giovanni Trapattoni. Es gab legendäre Grantler wie Ernst Happel und unterhaltsame Großmäuler wie Brian Clough, über den in England 20 Biografien, Autobiografien und Sammelalben erschienen sind und ein Roman. Es gab jene, die überall auf der Welt erfolgreich waren: Bela Guttman zwischen Südamerika und Europa oder Helenio Herrera, der als Argentinier dem italienischen Defensivfußball zu Weltruhm verhalf.

 
 
 
 
 
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