War Kaiserslautern 2008 insolvent?

Viel Wallung, wenig Substanz

Jüngsten Medienberichten zufolge war der 1. FC Kaiserslautern 2008 zahlungsunfähig. Doch was ist dran an den Anschuldigungen?

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Nein, für überregionale Schlagzeilen hat der 1. FC Kaiserslautern schon lange nicht mehr gesorgt. Schon gar nicht bei RTL. Es muss in der Champions-League-Saison 1998/99 gewesen sein, als der damalige Marktführer zum letzten Mal ausführlich vom Betzenberg berichtete. Bis vergangenen Donnerstag. Da machte der Dschungelcamp-Sender per Pressemitteilung auf eine Sonderausgabe seines RTL-Nachtjournals aufmerksam: »Gerüchte um damalige Pleite werden laut: Hätte der 1. FC Kaiserslautern 2008 absteigen müssen?«

Investigative Journalisten hätten monatelang recherchiert, ihnen lägen interne Dokumente vor, hieß es. Und: »Der deutsche Profifußball hat einen neuen Skandal.« Tatsächlich wurden verpixelte Mahnschreiben gezeigt, laut denen der FCK von Februar bis Juni 2008 seine Stadionpacht nicht gezahlt haben soll. Mit einem Wirtschaftsprüfer und einem ehemaligen FCK-Funktionär spielten sich die RTL-Reporter gegenseitig die Bälle zu und kamen – unterlegt mit ganz vielen Konjunktiven – zu dem Abschluss: Weil der Verein mehrere Rechnungen nicht sofort beglichen habe, sei er zahlungsunfähig gewesen. Zahlungsunfähigkeit bedeutet Insolvenz, Insolvenz bedeutet Punktabzug, Punktabzug bedeutet Abstieg. Anstelle des FCK hätten am 18. Mai 2008 die Offenbacher Kickers in der zweiten Liga bleiben müssen.

Ist man gleich insolvent, weil man eine Mahnungen erhält?

Die Aufregung um den RTL-Bericht hielt nicht einmal 24 Stunden. Zunächst wiesen am Freitag die heutigen FCK-Verantwortlichen die Vorwürfe als »haltlos« zurück. Wenig später sprang auch die DFL als entscheidende Instanz dem pfälzischen Traditionsverein zur Seite: »Im genannten Zeitraum hat der 1. FC Kaiserslautern sämtliche von der DFL vorgegebenen Kriterien und somit (...) alle Anforderungen für eine Lizenzerteilung erfüllt.« Der Ligaverband sah sich zu keinen weiteren Prüfungen veranlasst und schloss mit dem vielsagenden Satz: »Über die effektheischende Berichterstattung von RTL ist die DFL grundsätzlich irritiert.«

Nichtsdestotrotz waren die Negativschlagzeilen nun in der Welt. Rechtsexperten wurden befragt und gaben dem FCK weitere Rückendeckung. Selbst wenn es eine Insolvenzverschleppung gegeben haben sollte, dann wäre diese längst verjährt. Und die vorliegenden Dokumente ließen sowieso keine Rückschlüsse auf eine Zahlungsunfähigkeit zu. Denn mal ehrlich: Ist man gleich insolvent, nur weil man mal eine oder mehrere Mahnungen erhält?

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