Während Italiens WM-Aus in der Pizzeria »Danilo's«

Frust und Pasta

Viele Südafrikaner erinnern sich während der WM ihrer europäischen Wurzeln und drücken dem Team ihrer Vorfahren die Daumen. Das bereitet allerdings nicht immer Freude. Beobachtungen aus einer Pizzeria in Johannesburg. Während Italiens WM-Aus in der Pizzeria »Danilo's«Imago Stringiàmoci a coòrte, siam pronti alla morte, l’Italia chiamò. Sì! (»Lasst uns die Reihen schließen, wir sind bereit zum Tod, Italien hat gerufen. Ja!«)

Nicht alle Gäste, die sich an diesem Nachmittag im Danilo’s versammelt haben, kennen den Text der italienischen Nationalhymne, aber alle summen mit. Die kleine Pizzeria in Johannesburgs Vorort Edenvale ist eine der vielen Anlaufstellen für die große italienische Gemeinde, die rund um die südafrikanische Metropole beheimatet ist. Es gibt Wein und Pasta, viele tragen das blaue Nationaltrikot der amtierenden Weltmeister. Die Stimmung allerdings ist alles andere als weltmeisterlich.

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»Ich bin sehr enttäuscht«, klagt Wirt Danilo und wedelt mit den zusammengefalteten Händen durch die Luft, wie wohl nur echte Italiener es können. Auf dem großen Fernseher gurkt sich die Squadra Azzurra gegen die Slowakei gerade aus dem Turnier, 3:1 steht es zu diesem Zeitpunkt für die osteuropäischen Außenseiter. Zwei Punkte aus drei Spielen – nicht genug um weiterzukommen, genug um sich darüber aufzuregen. »Es macht einfach keinen Spaß«, grummelt ein älterer Mann mit weißen Haaren und wischt sich den mit Tomatensoße beschmierten Mund mit einer Serviette ab. »Es tut mir so leid«, sagt Danilo – als ob er irgendetwas für die unterirdische Leistung seiner Helden könnte.

Auf die europäischen Wurzeln besinnen

Danilo heißt mit vollem Namen Danilo Grippa und ist der Gastgeber einer völlig frustrierten Tafelrunde. Zum dritten Mal treffen sie sich nun hier, um Italien zuzujubeln. Zum dritten Mal werden sie bitter enttäuscht. Grippa ist wie die meisten Fans im Raum in Südafrika geboren, aber als Sohn italienischer Einwanderer schlagen natürlich zwei Fußballherzen in seiner Brust – ein Schicksal, dass er mit vielen seiner Landsleute teilt. An vielen Autos in Johannesburg weht neben den südafrikanischen Regenbogenfarben noch eine zweite Flagge, nämlich die der Vorfahren.

Mit Beginn der Weltmeisterschaft bekannten sich nahezu alle Südafrikaner zu Bafana Bafana, der Nationalmannschaft Südafrikas. Angesichts der sehr geringen Chancen der Gastgeber, das Turnier auch zu gewinnen, besannen sich viele aber auch sicherheitshalber ihrer europäischen Wurzeln. Manche scheinen das inzwischen zu bereuen – allen voran die Italiener.

Taurige Erkenntnisse eines Exil-Patrioten

92. Minute im Ellis Park. Das Stadion ist etwa zehn Kilometer von der Pizzeria entfernt, doch in diesem Moment ist es, als stürmten die Spieler mitten im Raum. Italien kämpft sich heran, nur noch 3:2. Wenige Minuten sind noch zu spielen, es brodelt noch einmal im Danilo’s. Noch ein Einwurf, noch einmal eine Chance für Italien, doch der Ball fliegt neben das Tor. Alles vorbei, das Spiel ist aus. Tränen bei den italienischen Spielern, feuchte Augen auch bei Danilo.

»Ich dachte, wir könnten Weltmeister werden, und jetzt fliegen die einfach raus«, sinniert der traurige Wirt, nippt an seinem Espresso und streicht sich über die gegelten Haare. Es ist die traurige Erkenntnis eines Exil-Patrioten. Aus der Ferne erscheint das Heimatland immer so viel besser, die Fußballer unbesiegbar. Wird man dann mit der traurigen Realität konfrontiert, ist es, als erwache man aus einem schönen Traum. Willkommen in der Wirklichkeit, Tifoso Danilo! Ein letztes Mal erklingt die italienische Hymne im Restaurant. Stringiàmoci a coòrte, siam pronti alla morte, l’Italia chiamò. Sì!

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