Vuvuzela, die Fantrompete

90 Minuten lang TRÖÖÖÖT

Trööööööööööööötööööööööööööt. Beim Confed-Cup in Südafrika muss sich die Fußballwelt an einen infernalischen Lärm gewöhnen: das Vuvuzela-Getröte. 105 Dezibel erreicht das Horrorinstrument, schon 85 sind gehörschädigend. Vuvuzela, die FantrompeteImago Es heißt jetzt überall, die Fußballwelt müsse sich an dieses Lärmgerät gewöhnen. An den tausendfachen Ton der Büffelhorn-langen Plastiktrompete mit dem sehr afrikanischen Namen Vuvuzela, der aus den Stadien Südafrikas um den Globus hallt. Also bitte schön, dann gewöhnen wir uns eben daran: Trööööt, 90 Minuten lang, trööööt.

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Es wird der Fußballwelt auch nichts anderes übrigbleiben, als sich mit diesem infernalischen Getöse anzufreunden. Beim Confederations Cup in diesen Tagen, dem Warmlaufen für die WM im kommenden Jahr, untermauern die Gastgeber, dass sie es verdammt ernst meinen mit ihrer Trompete. Die Dinger werden an jeder Ecke verkauft, kaum einer kommt ins Stadion ohne eines dieser Blasinstrumente. Und dann wird getrötet, was das Zeug hält, egal, was da unten auf dem Rasen gerade vor sich geht. So eine Vuvuzela soll bei ordentlichem Hineinblasen bis zu 105 Dezibel erreichen, die gehörschädigende Grenze liegt bei 85 Dezibel.

Sogar die Fifa, die sonst akribisch darauf achtet, dass keine Wurfgeschosse das Stadioninnere erreichen, hat sich der Vuvuzela gebeugt. Der Weltverband billigt das Getröte, sieht es als kulturelle Eigenart und "integraler Bestandteil südafrikanischer Fußballfreude" an. Schließlich sollen schon vor langer Zeit die Stämme auf den Hörnern erlegter Kudu-Antilopen geblasen haben, um ihre Angehörigen für die Jagd zu versammeln. Der Vuvuzela-Ton soll nach einhelliger Expertenmeinung wie angriffslustige Elefanten dröhnen, in den Wohnzimmern der Welt hört es sich eher wie ein Schwarm wild gewordener Wespen an.
   
»Der Affe wird durch viel Krach erlegt«

Als es in der Schweiz darum ging, wer die Weltmeisterschaft 2010 austragen darf, flog der damalige Staatspräsident Nelson Mandela mit einer Hundertschaft Vuvuzela-Bläsern ein und veranstaltete ein derartiges Spektakel, dass die Fifa-Entscheider vielleicht auch angesichts der ruheliebenden Schweizer nachgaben. Da habt ihr die WM, aber hört bitte mit diesem Radau auf! Mandela und seine Bläser durften sich bestätigt fühlen, schließlich heißt ein altes afrikanisches Sprichwort: »Der Affe wird durch viel Krach erlegt.«

Um seine besonders wichtigen (und zahlungskräftigen) Gäste zufriedenzustellen, stellt die Fifa in den VIP-Räumen der Stadien eine handliche Mini-Version mit aufgesetztem Mundstück zur Verfügung. Für Stehtribünen-Hardcorefans gibt es eine XXL-Vuvuzela. Dass die lärmende Masse aber nun geholfen hätte, den Irak auf dem Fußballfeld im ersten Confed-Spiel zu erlegen, kann indes nicht behauptet werden. Am Ende verhinderte Stürmer Bernard Parker selbst das sichere 1:0 auf der gegnerischen Torlinie und sah dabei aus, als wäre er auf der Flucht vor einem Schwarm wild gewordener Wespen.

In der Düsseldorfer Pinienstraße 2 klingt der Vuvuzela-Lärm indes wie das Rattern einer Geldzählmaschine. Die Geschäftsleute Frank Urbas und Gerd Kehrberg haben sich die Marken-, Produktions- und Vertriebsrechte der Vuvuzela für alle Länder der Europäischen Union gesichert. Spätestens 2010 während der WM rechnen sie mit einem schönen Geschäft auf den Public-Viewing-Events. Wo sich die Europäer sicher so afrikanisch wie möglich geben wollen.

Und so wird sich auch die Nichtfußballwelt mit dem Elefanten-Wespen-Getöse anfreunden müssen. Dabei wird bereits von ersten Protesten berichtet, etwa aus Großraumbüros. Ob man denn diesen Krach nicht ein wenig leiser drehen könne, fragen da den Confed-Cup ignorierende Mitarbeiter. Nein, kann man nicht! Das ist afrikanisch!

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