Vorbild für die Bundesliga? Tahiti revolutioniert die Punkteregel

»Niemand soll mehr traurig sein«

Tahiti setzte sich nicht zuletzt durch sein sympathisches Auftreten beim Confed-Cup in Brasilien ein Denkmal in der Fußballwelt. Jetzt startet man auf dem Inselstaat eine kleine Revolution – und will so die Freude zurück in den Fußball bringen.

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Tahiti ist für uns in vielerlei Dingen ein Sehnsuchtsort. Nehmen wir zum Beispiel das Wetter: Selten fällt das Thermometer auf der Insel im Südpazifik unter 25 Grad. Hierzulande selbst im Sommer unvorstellbar. In Hedonistenkreisen schwört man zudem seit lange auf die Wunderwirkung des Monoi-Öls, das aus dem Saft der Noni-Frucht gewonnen wird. Die wiederum wächst auf Tahiti wie bei uns Äpfel, Birnen oder Pflaumen. Und mal im Ernst: Schon allein aus phonetischer Sicht verhält sich das Wort Pflaume zu dem Wort Noni-Frucht wie ein Auffahrunfall zu einer sanften Ganzkörpermassage. Kurzum: Tahiti wirkt aus der Ferne betrachtet wie ein Paradies auf Erden.

Dass das kleine Eiland Tahiti eines Tages mal in fußballerischer Hinsicht zum Sehnsuchtsort werden könnte, ist dann aber doch irgendwie überraschend. Gut, beim Confederations-Cup in Brasilien sammelte die Nationalelf Tahitis massenhaft Sympathiepunkte. Dort traten die Mannschaft auf wie eine Gruppe Schüler auf der Klassenreise, und benahm sich dermaßen niedlich, dass man die 22 gestandenen Mannsbilder am liebsten kräftig geknuddelt hätte. Brav ließ sich die Mannschaft von den übermächtigen Gegner vorführen, verteilte hübsche Blumenketten und trug sich dann sogar mit dem ersten eigenen Tor bei einem offiziellen Turnier endgültig in die Geschichtsbücher des Weltfußballs ein.

Adrenalin, das aus Traineraugen spritzt

Doch nun geht ausgerechnet von diesem, mit Verlaub, Fußballentwicklungsland eine echte Revolution aus. Denn einer der kleinsten Ligen der Welt passte der Verband die Punkteregelung den vorhandenen Gegebenheiten an. Seit 2006 gibt es für einen Sieg vier Punkte, für ein Unentschieden zwei und für einen Niederlage einen Zähler. »Wir wollten einfach, dass niemand traurig ist«, sagte Verbandssprecher Charles Ariiotima gegenüber ESPN Brazil und ergänzte: »Mit diesem System hat selbst ein Team, das alle Spiele verliert, am Ende der Saison nicht null Punkte. Fußball ist zuallererst Freude.«

Und wenn man an diesem Wochenende wieder das Adrenalin aus den Traineraugen spritzen sieht, wenn man um das leibliche Wohl hilfloser Schiedsrichtergespanne fürchten muss und lieber über Stützstrümpfe eine Nachwuchsfußballers, als über die Schieflage in unserer Gesellschaft spricht, dann wünscht man sich schon ein bisschen mehr Tahiti in der Bundesliga. Ein bisschen weniger Großkotzigkeit. Mehr Demut. Ein bisschen weniger Wut. Mehr Freude. Ein bisschen weniger Ernsthaftigkeit. Mehr Augenzwinkern. Denn am Ende ist Fußball weder das Wichtigste, noch der Sinn des Lebens. Es ist nur ein verdammtes Spiel. Und genau deswegen lieben wir es doch so sehr.

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