Vor zehn Jahren starb der Kameruner Marc-Vivien Foé

Tod im Mittelkreis

Morgen beginnt der Confed-Cup 2013. Die größte Tragödie dieses Wettbewerbs ereignete sich vor zehn Jahren in Frankreich. Im Halbfinale zwischen Kamerun und Kolumbien brach Marc-Vivien Foé zusammen und starb. Erinnerungen an den Tod im Mittelkreis.

Als Winfried Schäfer das Stade Gerland zu Lyon endlich verlässt, empfängt ihn eine kuriose Szenerie: Ein französischer Polizist und ein kleiner Junge spielen Fußball. Der Kleine lacht. Er weiß noch nicht, was geschehen ist. Es ist der Sohn von Marc-Vivien Foé. Vor wenigen Minuten haben ihn die Ärzte für tot erklärt. Ein Fußballer, gestorben auf dem Fußballplatz.

Stunden vorher. Am 26. Juni 2003, um Punkt 18 Uhr, pfeift der deutsche Schiedsrichter Dr. Markus Merk das Halbfinale im Confed-Cup zwischen Kamerun und Kolumbien an. Die »Löwen« aus Kamerun, trainiert von Winfried Schäfer, sind längst Geheimfavorit auf den Titel. Seit fast 400 Minuten ist die Nationalmannschaft ohne Gegentor, die knallharte Defensive ist das Prunkstück dieser Auswahl. Auch wegen ihm: Marc-Vivien Foé, einem 1,90 Meter großen und 80 Kilogramm schweren Modellathleten, der die wichtige Schnittstelle zwischen Abwehr und Mittelfeld in der Zentrale besetzt. Foé stand schon bei der WM 1994 für sein Land auf dem Platz, 1998 führte er den RC Lens zur französischen Meisterschaft. Der Wechsel zu Manchester United klappte nur deshalb nicht, weil sich Foé kurz vor der Vertragsunterzeichnung das Bein brach. Beim Ball hochhalten. Es folgten Engagements für West Ham United und Olympique Lyon, 2002 liehen ihn die Franzosen an Manchester City aus.

»Marco, geht es noch?« »No problem, coach!«

Die erste Halbzeit ist vorbei. Markus Merk pfeift ab. Marc-Vivien Foé ist nicht in Topform. Zwar führt seine Mannschaft mit 1:0, aber Foé hat sich längst nicht mit der Energie und Kraft über den Platz bewegt, die ihn zu einem der besten Spieler seines Landes machten. Wenige Tage vor dem Halbfinale hatte Foé eine Interviewrunde kurzfristig abgesagt, um sich vom Mannschaftsarzt untersuchen zu lassen. Er fühlte sich unwohl. Und im Stade Gerland sind es 37 Grad, es ist extrem schwül. Keine optimalen Bedingungen für einen angeschlagenen Spieler. »Marco, geht es noch?«, fragt Winfried Schäfer seinen Schützling in der Kabine. »No problem, coach.« Schäfer vertraut dem 28-Jährigen. Er hat ihn ins Herz geschlossen, als er 2001 den Job als Nationaltrainer Kameruns antrat. Der Chef und sein Führungsspieler merkten schnell, was sie aneinander hatten. Marc-Vivien Foé spürte, dass nach vier Trainerwechseln in kurzer Zeit endlich mal ein Mann vom Fach verpflichtet worden war, Schäfer freute sich über einen Fußballer, der afrikanische Eleganz und Energie mit deutscher Disziplin vereinte. Stundenlang diskutierten Trainer und Spieler über taktische Kniffe und gegnerische Angriffsreihen. »Marc«, wird Schäfer in den Tagen nach dem tragischen Confed-Cup-Halbfinale sagen, »war eine Persönlichkeit und eine Seele von Mensch. Solch einen Typen wünscht sich jeder Trainer.«

Gut eine Stunde ist vorbei. Foé wird immer langsamer. Schäfer signalisiert seinem Führungsspieler, dass er ihn bei nächster Gelegenheit auswechseln will. »No problem, coach«, ruft Foé wütend. Er will sich nicht auswechseln lassen. Noch nicht. Schäfer setzt sich wieder auf die Bank.

71 Minuten sind gespielt. Es ist 19.36 Uhr. Im Mittelkreis bricht Marc-Vivien Foé zusammen. Foés kolumbianischer Gegenspieler erkennt als erstes die bedrohliche Lage und winkt die Sanitäter herbei. Dann stützt er den Kopf seines Kontrahenten. Foé atmet schwer. Der erste Mannschaftsarzt sprintet auf den Platz. Erst jetzt unterbricht Markus Merk das Spiel. An der Seitenlinie nutzt Winfried Schäfer die Unterbrechung und gibt letzte taktische Anweisungen.

Mein Gott, ist der tot?

Zwei Minuten dauert die Behandlung auf dem Rasen. Foé hat seine Zunge verschluckt, einem der Helfer gelingt es, ihm diese aus dem Hals zu ziehen. Dann wird er vom Platz getragen. Einer der Sanitäter rutscht aus, kann sich aber gerade noch fangen. Winfried Schäfer eilt an die Trage. Ein Arm seines Spielers baumelt leblos umher, Foé hat die Augen geschlossen, auch den Mund. Atmet er noch? Mein Gott, denkt Schäfer, ist der tot?

Markus Merk pfeift das Spiel wieder an. Sekunden später vergibt Kolumbien die größte Chance auf den Ausgleich. Gleich zweimal klatscht der Ball gegen den Pfosten. Es bleibt beim 1:0.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!