Vor der Aufsichtsratswahl beim HSV

Posse oder große Revolte?

Es wirkt als würde der Sonnenkönig samt Hofstaat auf die Ankunft des Pöbels vor den Schlosstoren warten und dabei von Sekunde zu Sekunde verzweifelter werden. Getan wird, als käme die Pest über die reiche Hansestadt und ihren Vorzeigeklub. Vor der Aufsichtsratswahl beim HSVImago Eigentlich sollte man meinen, eine Aufsichtsratswahl beim HSV geht reibungslos über die Bühne, hatte sich dieses Gremium in der Vergangenheit doch eher als Versammlung der »Ja-Sager« und »Abnicker«, denn als hitziges Diskussionsforum hervorgetan. Doch dieses Mal ist alles anders.

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Die sehr polemisch geführte Debatte um die Wahl entzündete sich zuvorderst an einem der vier Kandidaten. Johannes Liebnau, seines Zeichens »Supporters« Mitglied und Vorsänger im Fan-Block, kandidiert zusammen mit drei anderen Mitgliedern der Fanvereinigung »HSV Supporters« um die acht offenen Positionen im Aufsichtsrat. Die restlichen Kandidaten sind die üblichen Verdächtigen aus der Wirtschaft und Lokalprominenz. Von ihnen hat der Vorstand nicht viel Besorgniserregendes zu erwarten. Einen Platz im zwölfköpfigen Aufsichtsrat war dem »Supporters Club« bisher sicher, durch die bevorstehende Wahl könnten es fünf »Supporters« sein, die im Aufsichtsrat sitzen. Das wäre ein enormer Machtzuwachs.

Eine 1000-Euro-Uhr für den »Bild«-Sportchef

Mit 45.000 Mitgliedern stellen die »Supporters« den größten Mitgliederanteil im Verein. Das so etwas überhaupt möglich ist, kommt daher, dass der Hamburger Sport Verein eine, in der Bundesliga einzigartige Struktur besitzt. Die Profifußballabteilung ist Teil des Gesamtvereins, und nicht wie sonst als AG oder KG ausgelagert. Diesen direkten Einfluss aufs operative Geschäft – würden tatsächlich fünf »Supporters« in den Aufsichtsrat gewählt, könnten sie zum Beispiel die Wiederwahl des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann verhindern - fürchten die Vorstandsmitglieder. Unter eifriger Hilfe der »Bild«-Zeitung führten sie eine erbitterte Wahlkampfschlacht. Die Gegner wurden als Idioten bezeichnet, die den Verein schnurstracks in die Kreisliga führen würden. Die »Bild«-Zeitung schrieb die Anfeuerungsgesänge Liebnaus im Spiel gegen Werder Bremen mit (»Tod und Hass dem SVW«, »Hurensöhne«), um dann zu fragen: »Was sagt eigentlich sein Arbeitgeber dazu?« Pikanterweise, wurde auch bekannt, dass Hoffmann dem Sportchef der Hamburger »Bild«-Zeitung eine Uhr im Wert von 1.000 Euro zu Weihnachten schenkte. Liebnaus Arbeitgeber hingegen, ließ verlauten, dass das Engagement beim HSV seine reine Privatangelegenheit sei.

Sicher, beim HSV wird eine der letzten großen Schlachten im Kampf »Fans gegen die Kommerzialisierung des Fußballs« bestritten. Englische Verhältnisse sind Hamburg noch ferner, als den anderen Groß-Klubs der Bundesliga. Doch die erbitterte Art und Weise, mit der die »etablierten« Kandidaten für den Aufsichtsrat und der Vorstand selbst, sich gegen die zum »Putsch« hochstilisierte Kandidatur der »Supporters« wehrten, dient als Anschauungsbeispiel darüber, wie das Establishment reagiert, wenn es erheblichen Widerstand zu befürchten hat. Gerne wird so getan, als würde der Regent schnurstracks zur Guillotine geführt.

Wovor haben Hoffmann und Co Angst?

Johannes Liebnau ist außerhalb des Fußballstadions als smarter, eloquenter Typ bekannt, der BWL studiert hat und im Berufsleben Anzüge trägt. Einer der anderen Supporter Kandidaten ist Journalist und schreibt für den »Spiegel«. Dass der HSV, selbst wenn künftig fünf Supporters Mitglieder im Aufsichtsrat sitzen, sogleich die sportliche Talfahrt antritt, steht nicht zu befürchten. Und so taugt das Vorspiel zur Wahl am 25. Januar mehr zur Posse, als zum dramatischen Auftakt zur großen Revolte.

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