Vor dem Wolfsburg-Spiel: Ein heimlicher Blick in die Kölner Scouting-Akte

Stale, wir haben ein Problem!

Vor dem Rückrundenstart rauchen vor allem in Köln die Köpfe. Denn beim 415-Mann-Kader des Gegners VfL Wolfsburg weiß wohl nur Felix Magath, wer spielen wird. Ein heimlicher Blick in die Kölner Scouting-Akte offenbart das ganze Dilemma. Vor dem Wolfsburg-Spiel: Ein heimlicher Blick in die Kölner Scouting-Akte

Im SportsLab, dem hochtechnisierten Scouting-Zentrum des 1. FC Köln, werden derzeit Überstunden gemacht, denn der nächste Gegner heißt VfL Wolfsburg. Kein Verein holte in der Winterpause so viele neue Spieler wie die Autostädter, kein Trainer hat einen dermaßen riesigen Kader wie Wölfe-Coach Felix Magath. Einkaufswahnsinn!

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Und so steht man in Köln derzeit mächtig auf dem Schlauch: Wer spielt überhaupt am Samstag auf Seiten des Gegners? Wer sind all die Neuen? Und holt Magath vielleicht am Freitag Abend noch zwölf bis dato unbekannte Chinesen nach Niedersachsen? Längst gilt auch bei der Kölner Spielvorbereitung die alte Swingerregel: Alles kann, nichts muss!

Doch SportsLab-Leiter Boris Notzon und seine Mitarbeiter sind nicht umsonst die eifrigsten Datenkraken der Liga und nehmen die Wundertüte Wolfsburg als sportliche Herausforderung. 11FREUNDE wurde ein exklusiver Blick in die Scouting-Unterlagen des 1. FC Köln gewährt. Die Ergebnisse zeigen, was man in Köln längst weiß: Stale, wir haben ein Problem.


Lieber Stale,
anbei nun die gesammelten Daten über die Spieler unseres kommenden Gegners VfL Wolfsburg. (Umfang: 291 Seiten plus Literaturverzeichnis). Angehängt habe ich dir ebenfalls diverse voraussichtliche Aufstellungen (Stichwort: 6 aus 49, *lol*). Sehr schwieriger Job diesmal, aber wir ja wachsen mit unseren Aufgaben.

Und nie vergessen: Flach spielen, hoch gewinnen!

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Vereinsname: VfL Wolfsburg
Trainer: Felix Magath
Spitzname: Quälix, Teufel von Gelsenkirchen
Kaderstärke: 39 Spieler
Durchschnittsalter: 25,7 Jahre,
Anzahl der ausländischen Spieler: 23
Nationalitäten: Schweiz, Brasilien, Kroatien, Serbien, Japan, Tschechien, Südkorea, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Polen, Venezuela, Frankreich, Mazedonien, Elfenbeinküste, Portugal, Iran, Schweden

Erkenntnisse: Magaths Kader ist randvoll, vielsprachig und alt – diese Mischung findet man sonst nur auf Hartgeldstrich am Hauptbahnhof (*zwinkerzwinker*). Aber er ist auch gefährlich. Da sich die Spieler teilweise erst seit Stunden kennen, kann jederzeit der Zufall ins Spiel kommen. Keine Sorge, Zufall ist kein kurzfristiger Neuzugang, sondern der größte Feind unserer Arbeit – er lässt sich nicht analysieren. Wir haben dennoch alle Testspiele des VfL minutiös analysiert – Ehrensache. Hier also zehn Aufstellungsvarianten, wie der VfL uns am Samstag Probleme machen möchte:

Variante 1: Der Zentralfriedhof


Vergessen wir alle Unkenrufe: Mandzukic kann spielen, früher haben die Spieler auch am laufenden Band Blut gespuckt. Habe unsere Verteidigern zwecks Abschreckung bereits mit falschen Vampirzähnen, einigen B-Movies (Genre: Splatter) und einem Referat über Tuberkulose versorgt (Stichwort: Trash-Talk). Das wird Madzukic beeindrucken, er wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 94,254 Prozent jedes Ding an unserem Tor vorbei schießen. Außerdem bringt Magath die Wundertüten Jiracek, Rodriguez, Vierinha, Klich und Sio, weil deren Namen am besten klingen. Das war's dann aber auch. Man wird sie nicht sehen, denn in dieser Formation ist das Spiel voll und ganz auf Christian Träsch zugeschnitten. Aber keine Angst, Träsch ist noch nicht in Topform. Er läuft zwar wie gewohnt 22 Kilometer, verirrt sich aber desöfteren in der eigenen Hälfte. Schwachstellen: Verteidiger Madlung und Chris haben sich per Twitter nach dem Abendessen gestritten (Streitpunkt: Wie macht man eine gute
Bratensauce?). Ein schnelles Tor und die Mannschaft bricht auseinander. 

Variante 2: Brazzo-Style

Magath hat ja genügend Auswahl in seinem Kader, deswegen habe ich alle Veränderungen zur vorherigen Aufstellungsvariante rot markiert. Wichtigste Neuerung: Hasan Salihamidzic! Der Heißsporn will beweisen, dass die Kritik aus der Vorrunde an ihm abperlt als wäre er aus Teflon. Er explodiert mit einer Wahrscheinlichkeit von 82,652 Prozent und wird dank Pferdelunge überall zu finden sein. Tipp: Doppeln, Trippeln oder zu einer Runde Schafskopf überreden – Ansonsten droht Gefahr. Angreifer Lakic wird wohl bereits nach zwei Minuten ausgewechselt werden (Laufweg rot eingezeichent), vom Schweden Jönsson ist nicht viel Gefahr zu erwarten. Außer für die Zuschauer in der ersten Reihe Also: All eyes on Brazzo, dann klappt es auch mit einem Punkt. Oder mehr?



Variante 3: Bubi-Riegel

Magath hat oft genug bewiesen, dass er gerne junge Spieler ins kalte Wasser schmeißt, deswegen ist es im Bereich des Möglichen (um genau zu sein, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 28,457 Prozent), dass er komplett auf die eigene Jungspunde setzt. In diesem Fall liegt unser Vorteil auf psychologischer Seite, denn einige der Nachwuchsmänner werden vor ihrem Bundesliga-Debüt mächtig die Hosen voll haben. Die aussichtsreichsten Kackidaten (*rofl*) haben wir entsprechend gekennzeichnet. Veränderungen zur vorherigen Aufstellung wie immer rot markiert.



Variante 4: Oldie-Party

Es ist ebenso möglich, dass Magath zum Saisonstart erst einmal auf Erfahrung setzt. Deswegen hier nun die Aufstellung mit einem Durchschnittsalter einer greisen Schnappschildkröte (Änderungen rot markiert).
Ansatzpunkte für uns: In punkto Spritzigkeit und Spielwitz ist von dieser Mannschaft wenig zu erwarten. Sie arbeitet vor allem mit Stellungsspiel, Außenristpässen und schlauen Sprüchen. Die vermeintlich langsamsten Spieler sind entsprechend gekennzeichnet. Schnelles Passspiel, geradlinige Angriffe wären sinnvoll, auch wenn wir sie bisher nicht Repertoire hatten.
Besonderheit: Sollten Lakic und Madzukic ausfallen, ist Magath gezwungen Helmes zu bringen. Diese Schmach wird er aber nicht zu lassen. Wolfsburg tritt lieber zu zehnt an.



Variante 5: Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten

Der Wolfsburger Defensivriegel schlechthin. Aus gut informierter Quelle haben wir erfahren, dass diese Variante innerhalb des Kaders nur »Snickers« genannt wird. Alles, was zwei Beine hat und verteidigen kann, wird aufgeboten und verklebt die  die eigene Hälfte wie eine Lkw-Ladung voll geschmolzener Schokoriegel. (Änderungen rot). Sogar Hasebe und darf mitspielen! Vorne verlässt man sich auf Abpraller, Eigentore und Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Mit Abstand die gefährlichsten Aufstellung.



Variante 6: Die kleine Freiheit

Aber Magath kann auch anders. Soll heißen: Er vertraut auf die Genialität seiner herausragenden Einzelspieler. Deswegen schenkt er seinen Spielern die totale Freiheit. Allen voran Neuzugang Vierinha, Typ Portugisiesche Fummelkutte, nutzt das kollektive Ablegen von taktischen Zwängen und suchte ein Dribbling nach dem anderen. Die Außenbahnen schieben abwechseln nach außen, um Vierinha ab und an mal den Ball abzunehmen. Vergeblich.
Unser Ansatz: Abwarten und Tee trinken. Vierinhas Spiel ist zwar so schön wie sein Name, aber eben auch vollkommen ineffizient. Wir sollten auf Konter lauern und vor allem die beiden Innenverteidiger Lopes und Chris in Bedrängnis bringen. Die beiden sehen sich am Samstag zum ersten Mal und brauchen erst einmal 45 Minuten, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen.
Tipp: Vielleicht bringt Nova etwas Kaffee und Kuchen mit. Wäre sicher eine nette Geste. 



Variante 7: Ater Hut

Wolfsburgs Spielstil aus der Hinrunde, lediglich mit neuen Spielern (Änderungen rot). Magath verzichtet auf komplett auf ein Mittelfeld und setzt auf punktgenaue Abschläge vom Torwart in die Spitze. Dessen Streuung ist jedoch immens, weswegen wir vor allem auch bei den Balljungen auf schnelle Jungs setzen sollten. Stichwort: Konterfußball. Ansonsten können wir etwas für die Ballbesitzstatistik tun, lies sich am Ende der Saison immer so toll in den Statistiken (*lechz*).



Variante 8: Pärchenbildung

Aufgrund zahlreicher, relativ kurzfristiger Einkäufe (Änd. rot) ist Magath gezwungen die ersten Spiele als bessere Trainingseinheiten zu nutzen. Das Spiel am Samstag soll laut gut informierten Kreisen vor allem dazu genutzt werden, dass die neuen Spieler Magath Laufwege kennen lernen. Das Prinzip: Der Trainerfuchs stellt jedem Neuling einen alten Hasen an die Seite, fortan laufen beide gemeinsam über das Feld. Wäre frech, aber remember: Felix Magath hat auch einmal beim Stand von 5:1 gegen Bayern München seinen Torwart ausgewechselt. Also: Nichts ist unmöglich.



Variante 9: Chefsache

Das letzte Mittel. Magath soll bereits Spielerpässe für den halben Trainerstab und die komplette Führungsriege beantragt haben. Fraglich, ob das bis Samstag klappt. Wenn ja, droht Ungemach. Das Innenverteidiger-Duo Hollerbach und Ballwanz macht keine Gefangenen, ein Spieler namens Littbarski (mir persönlich unbekannt, *sorry*) soll auch nicht ganz talentfrei sein. Magath sieht sich selbst natürlich als Schaltzentrale und Stürmführer Sanz hat bisher noch jede Vorlage seines Trainer/Manager/Aufsichtsratskollegem/Spielers galant verarbeitet. Besonderes Augenmerk gilt aber Außenstürmer Martin Winterkorn. Er gilt als einer der schnellsten – nicht nur am Geldbeutel.
Ich bin ehrlich, sollte Wolfsburg so spielen, haben wir keine Chance. Ansonsten mache ich mir wenig Sorgen.




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