Vor dem Topspiel: Köln und die neue Stärke

Plötzlich ruhig

Noch vor wenigen Monaten stand der 1. FC Köln vor dem Absturz: Kein Aufstieg, kein Trainer, kein Geld. Doch der Zweitligist hat sich überraschend schnell erholt. Und die gute sportliche Position scheint mehr als nur eine Momentaufnahme zu sein.

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Im Sommer drohte dem 1. FC Köln der freie Fall. Es ist noch kein halbes Jahr her, da sah es schlimm aus um das Gründungsmitglied der Bundesliga. Kein Aufstieg, kein Trainer, keine Leistungsträger, stattdessen dramatische Schulden. Der Verein taumelte am Abgrund. Und jetzt, fünf Monate später? Tabellenführer. Ungeschlagen. Der Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Dazu: Ein erfolgversprechender Trainer. Eine sehr ordentliche Mannschaft. Und plötzlich ist es sogar ruhig geworden im traditionell aufgeregten Umfeld des Klubs.

Stille am Geißbockheim – das klingt grotesk, ist aber ein substanzieller Grund für die positive Entwicklung des Zweitligisten. Neulich erst hat der nach fünf Jahren zum FC zurückgekehrte Patrick Helmes die neuartige Harmonie betont. »Wir hatten früher auch gute Fußballer, aber natürlich auch schwierige Typen. Jetzt merkt man, dass die Mannschaft ruhig ist und charakterlich top«, sagte der Stürmer und wirkte dabei, als könne er sich das beinahe selbst nicht abkaufen. »Wichtig ist, dass es hier kein Chaos mehr gibt und auch im Hintergrund jeder in Ruhe seinen Job macht.«

Köln, die neue Ruhe-Oase

Jeder. Es sind verschiedene Faktoren, die die Ruhe-Oase Köln ausmachen. Zum einen die Spieler – früher hatten sie eine Standleitung zum Boulevard, wurden in Nachtklubs abgelichtet und waren betrunken im Straßenverkehr unterwegs. Zum Zweiten die Fans – sie haben ihre Erwartungshaltung angepasst und neuerdings Geduld mit der Mannschaft. Mittlerweile träumen sie nicht mehr vom Europapokal, sondern nehmen sich Vereine wie den FC Augsburg zum Vorbild. Und zum Dritten die Verantwortlichen – ihnen gelingt es, die Euphorie zu dämpfen. Die Menschen in Köln konzentrieren sich einfach mal auf das Wesentliche. Ohne Großmannsfantasien.

Es gibt keine internen Machtkämpfe mehr. Keinen Präsidenten wie Wolfgang Overath, der mit aller Kraft versuchte, den Verein ausschließlich nach seinen Vorstellungen zu führen. Keine Geschäftsführer und Manager wie Claus Horstmann, Volker Finke und Michael Meier, die vor allem Schulden und komplexe Vertragsgebilde der Spieler hinterließen. Und keinen Trainer, wie es viele von Peter Stögers Vorgängern waren, die dem wilden Umfeld mit aller Macht gerecht werden wollten und bei dem Versuch den Fokus auf das Tagesgeschäft verloren. Stöger zeigt, dass es sich auch als Trainer in Köln ganz normal arbeiten lässt. »Man kann sich nur dann wohlfühlen, wenn man ist, wer man ist«, sagte der Österreicher jüngst im 11FREUNDE-Interview. Und: »So ruhig, wie wir arbeiten, ist das für mich eher der Normalzustand und nicht außergewöhnlich – für den Klub schon.«

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