13.02.2013

Vor dem Spiel gegen Dortmund: Schachtar-Star Luiz Adriano im Porträt

Im Taxi nach Donezk

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Schachtar Donezks Brasilianer Luiz Adriano vor allem durch das unfairste Tor der vergangenen Jahre bekannt. Was man dabei vergisst: Er ist ein wirklich guter Stürmer. 

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Ein Taxi ist nicht unbedingt der typische Ort, an dem eine Spielerkarriere Fahrt aufnimmt, aber mitunter trifft einen das Schicksal genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Im Herbst 2006 saß der damals 19-jährige Luiz Adriano auf der Rückbank eines Taxis und war auf dem Weg zum Training, als er seinen Namen im Radio hörte. Adriano war bei seinem Klub Internacional Porto Alegre bis dato nur sporadisch zum Zug gekommen und galt hinter Teamkollege und Kumpel Alexandre Pato als das kleinere zweier großer Talente. Umso heftiger muss es den Jungen durchfahren haben, als er seinen Namen aus den Boxen hörte. Der Radiosender gab gerade die Kadernominierung von Internacional-Trainer Abel Braga für die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft bekannt.

Der Wettbewerb, der in Europa eher belächelt und von den Vereinen nicht selten als Unannehmlichkeit wahrgenommen wird, hat in Südamerika einen ungleich höheren Stellenwert. Erfolge bei der Klub-WM werden nicht von wenigen Mannschaften als die größten Erfolge der Vereinsgeschichte bezeichnet. Den jungen Luiz Adriano schien die Bedeutung des Turniers allerdings nicht zu hemmen. Als er im Halbfinale beim Stande von 1:1 gegen Al Ahly Kairo eingewechselt wurde, dauerte es nur sieben Minuten, ehe Adriano den Siegtreffer zum Finaleinzug köpfte. Und auch im Finale gegen den favorisierten FC Barcelona war er maßgeblich am Sieg beteiligt. Wieder von der Bank kommend, leitete er den Siegtreffer zum 1:0 ein und sorgte so für einen historischen Erfolg seines Heimatvereins. Ein Star war geboren, für den es im Anschluss sehr schnell ging. Ein halbes Jahr nach der Klub-WM klopfte Schachtar Donezk an und verpflichtete den Stürmer für überschaubare drei Millionen Euro. Eine Investition, die sich immer noch bezahlt macht. Auch gegen Dortmund?

Ein unfaires Tor, hochnotpeinliche Posts

Sucht man im Internet nach Luiz Adriano, findet man kaum brauchbare Informationen über ihn. Alles wird überlagert von seinem Skandaltor im Champions League-Spiel gegen den FC Nordsjaelland. Beim Stande von 0:1 verwertete der Stürmer einen für das gegnerische Team gedachten Schiedsrichterball, trabte mit Unschuldsgeste zum Anstoßpunkt zurück und verhinderte anschließend, dass die dänischen Spieler den Ausgleich geschenkt bekamen. Dass er damit eine zentrale, wenn auch inoffizielle Fair-Play-Regel mit Füßen getreten hatte, schien ihn zunächst nicht sonderlich zu kümmern. Er habe sich auch über das erste Tor gefreut, sagte er nach dem Spiel und postete hochnotpeinliche Fotos im Internet, auf denen er unter den Überschriften »Weinen bringt nichts« und »Der Chef ist zurück« mit Waffen posierte. Wenige Tage später gab sein Verein als Reaktion auf das enorme mediale Echo eine im glattesten Mediensprech gehaltene Pressemitteilung heraus, in der Luiz Adriano sein Verfehlen bedauerte. Angesichts des Shit-Storms, in den er sich mit dem Tor geschossen hatte, konnte man ihm die ernsthafte Reue durchaus abnehmen - wenngleich sie aus den falschen Motiven zu resultieren schien.

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