Vor dem Risikospiel Osnabrück gegen Dresden

Das PLZ-Problem

Um mögliche Ausschreitungen beim Relegationshinspiel gegen Dynamo Dresden zu verhindern, hat sich der VfL Osnabrück in seiner Not einer verbreiteten, aber fragwürdigen Methode bei der Ticketvergabe verdient: Karten bekommt nur, wer nicht im Osten geboren wurde.

Die Szenen sind unvergessen. Wie Anhänger von Dynamo Dresden nach dem 3:1-Sieg ihrer Mannschaft das Stadion vom VfL Osnabrück auseinander nehmen, auf den Platz stürmen und einige von ihnen mit martialischen Auftreten sogar die eigenen Spieler in die Flucht schlagen. Wie die Verantwortlichen vom VfL später fassungslos vor dem Auswärtsblock stehen und die Schäden begutachten: aus der Betonverankerung herausgetretene Wellenbrecher. Die Exzesse einer gewalttätigen Minderheit hatte mal wieder einen sportlichen Erfolg von Dynamo überschattet.

So etwas soll dem Klub nicht noch einmal passieren. Denn schon wieder trifft Osnabrück in der Relegation auf Dynamo Dresden. Anders als noch 2011 kämpft diesmal Dynamo gegen den Abstieg aus der zweiten Liga, während der VfL die Chance hat, in der kommenden Saison eine Klasse höher zu spielen. Die Stimmung ist angespannt in Osnabrück. Man erwartet erneut Randale und eine Vielzahl gewaltbereiter Dynamo-Anhänger. Das Relegationsspiel ist als Risikospiel eingestuft worden.

Rein kommt nur, wer auch von hier kommt

Um der drohenden Gefahr zumindest teilweise Herr zu werden, hat sich der Verein auf Anweisung der Polizei im Vorfeld einer inzwischen weit verbreiteten, aber auch fragwürdigen und komplizierten Methode bei der Ticketvergabe bedient. Drei Verkaufswellen gibt es, Dauerkarteninhaber und Vereinsmitglieder kommen zuerst. Das ist üblich und auch völlig korrekt. Problematisch wird es nur bei der Vergabe des Restkontingents. Denn eine Karte für das Spiel erhält nur, wer auch in der richtigen Ecke Deutschlands geboren wurde. Um festzustellen, ob der Kartenanfrager auch wirklich zum VfL hält und sich nicht Tickets beschafft, um möglicherweise gewalttätige Dynamo-Anhänger in den Block zu schmuggeln, wird dabei die Postleitzahl (PLZ) des Geburtsortes zu Rate gezogen. Bedeutet in diesem Fall: Wer im Osten Deutschlands, dort, wo die PLZ mit einer 0 beginnt, geboren wurde und weder VfL-Mitglied noch Dauerkarteninhaber ist, bekommt auch keine Karte. Das solch eine Regelung zu Problemen führen muss, liegt auf der Hand. Wie im Falle des langjährigen Osnabrück-Fans Matthias J., der sich am Mittwoch um 6.15 Uhr in die Schlange vor dem VfL-Fanshop stellte, knapp vier Stunden wartete und dann erfuhr, dass man ihm aufgrund seiner Herkunft keine Karten verkaufen werde. J. ist in Lutherstadt Wittenberg geboren, zog allerdings schon im Alter von vier Jahren mit seiner Familie in den Großraum Osnabrück. »Ich fühlte mich aufgrund meiner Herkunft diskriminiert«, fasste es J. in einem offenen Brief an VfL-Präsident Christian Kröger zusammen.

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