Vor dem Pokalderby Fürth gegen Nürnberg

Frankenkrieg

Wenn Nürnberg und Fürth heute aufeinander treffen, dann ist das für die Fans Weihnachten und Krieg an einem Tag. Die Verantwortlichen versuchen vergeblich die Schärfe rauszunehmen. Ron Ulrich, der Peter Scholl-Latour der 11FREUNDE-Redaktion, ist vor Ort. Vor dem Pokalderby Fürth gegen Nürnberg

Ein Smiley genügte. Als Fürth-Fan Jörg seinen Kumpel nach der Auslosung per SMS fragte, auf wen denn die Spielvereinigung Fürth in der nächsten Pokalrunde treffen werde, bekam er nur diese Antwort. Einen Smiley. Jörg war sofort klar: Franken-Derby, Nürnberg gegen Fürth. Seit diesem Tag ist im Frankenland nichts mehr normal. Das Spiel bestimmte die Gesprächsthemen, lange Schlangen bildeten sich vor den Geschäftsstellen, innerhalb weniger Stunden war die Partie ausverkauft. »Alle werden aufgeregter, je näher das Spiel rückt«, sagt Jörg. Und das Spiel war verdammt nah, als er diesen Schwank in einem Fürther Gasthof erzählte. Es war Sonntagabend, vorgestern, 48 Stunden vor dem Anstoß.

Derby auf dem Markt

Sowohl die Fürther als auch die Nürnberger Verantwortlichen mussten in den vergangenen Wochen gebetsmühlenartig betonen, dass der Fokus noch nicht auf diesem Spiel liegt. Denn ob man es glaubte oder nicht, so stand zwischen Pokalauslosung und Pokalspiel noch der normale Ligabetrieb auf dem Programm.

Alle Mühe war vergebens. Nürnbergs Trainer Dieter Hecking konnte nicht einmal über den Christkindlesmarkt laufen, ohne mitgeteilt zu bekommen: »Ihr dürft euch alles erlauben, doch bloß keine Niederlage im Derby.«

In Nürnberg ist die Angst vor einem Ausscheiden immanent, der Erstligist hat in diesem Spiel mehr zu verlieren. Club-Fan Heiko sagt: »Wir müssen irgendwie weiterkommen. Aber ich habe ein schlechtes Gefühl, die Fürther sind zu gut im Moment.« Denn schließlich spielten jene Fürther ihre beste Hinrunde, während die Nürnberger Niederlagenserie fast so lang wurde wie die Verletztenliste.

Am vergangenen Freitagabend dann machten die Fürther aus der Derby-Generalprobe noch eine echte Kampfansage: Mit einem satten 5:0 schickten sie Union Berlin nach Hause. Da stand selbst Günter Koch, als ehemaliger Radioreporter die Inkarnation des Wortes »Clubberer«, mit hoch gezogenen Augenbrauen im Fürther Presseraum und meinte anerkennend: »Wenn sie so spielen, sind sie am Dienstag der Favorit.«

Die lieben Nachbarn

Kleeblatt-Trainer Mike Büskens sah sich darauf hin genötigt, mehrmals auf die unterschiedliche Ligenzugehörigkeit hinzuweisen: »Wir sind der Zweitligist, die der Erstligist. Also ist Nürnberg Favorit und wir Außenseiter. Die müssten in jedem Bereich besser sein als wir.«

Ihre Leistungsstärke verdeutlichten die Nürnberger umgehend mit dem verdienten 3:0-Auswärtssieg in Leverkusen und lieferten ihrerseits eine nicht minder aufsehenerregende Generalprobe. Fernab der gegenseitigen Respektsbekundungen blieb das übliche Vorgeplänkel eines Derbys nicht aus.

Bitter aufgestoßen waren Büskens und den Fürthern Aussagen von »bestimmten Funktionären aus der Nachbarschaft«. Konkret wurde er nicht, doch Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader hat sich Büskens nicht unbedingt zum neuen Freund gemacht. Gegenüber der »Nürnberger Nachrichten« hatte er den zugelosten Gegner so kommentiert: »Wir kennen das mit Fürth, was passiert am Ende? Sie steigen auf – oder eben nicht.«

Derby wie Krieg

Deftiger ist die Wortwahl in der Fanszene. »Derby is war«, heißt es auf diversen Aufklebern. Derby ist Krieg. Aha. Am vergangenen Wochenende soll es zu versuchten Raubzügen auf Utensilien rivalisierender Fangruppierungen gekommen sein. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft. Fürths Fans werden ohne Zwischenstopp vom Hauptbahnhof zur Haltestelle Nürnberg-Messe gefahren. Es ist auch eine Besonderheit eines der ältesten Derbys in Deutschland: Die Gäste reisen mit der U-Bahn an. Knapp 5000 Fürther werden erwartet.

Stellvertretend für die Bedeutung des Aufeinandertreffens steht ein Dialog, der sich heute in einer Bäckerei in Fürth zugetragen hat. Der erste richtige Schneefall zog über Franken, da meinte ein Kunde beim Betreten der Bäckerei: »Das ist ja wie am Weihnachtsmorgen.« Ein anderer entgegnete: »Nein, das ist noch besser. Das ist der Derbymorgen.«

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