Vor dem Europa-League-Finale Sevilla-Benfica

Verkehrspolizist vs. Handwerker

Der FC Sevilla hat seine zwei letzten Europapokalendspiele souverän gewonnen, Benfica Lissabon ist hingegen seit 1962 verflucht. Wer gewinnt also in Turin? Wir wissen es auch nicht, statten euch aber mit solidem Grundwissen für euren Europa-League-Stammtisch aus.

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1.
Das Drama
 
Von wegen Europa League ist nicht spannend. Das Halbfinal-Rückspiel zwischen dem FC Sevilla und dem FC Valencia war eine der aufregendsten Partien der Saison. Sevilla hatte sich im Hinspiel einen veritablen 2:0-Vorsprung herausgespielt, doch im heimischen Estadio Mestalla lief Valencia zu großer Form auf, und als Jérémy Mathieu in der 69. Minute zum 3:0 traf, feierten die Fans auf den Tribünen die größte Party des Jahres. Blöd nur, dass sie nur 25 Minuten dauerte, denn Stephane Mbia traf für Sevilla in der 94. Minute zum 3:1 und machte alle Träume des FC Valencia zunichte.
 
Benfica Lissabon, das in der Champions-Leaguze-Vorrunde knapp an Olympiakos Piräus und Paris St. Germain gescheitert war, spielte sich hingegen relativ entspannt ins Finale. Lediglich im Halbfinal-Rückspiel gegen Juventus Turin wurde es brenzlig, nachdem Lissabons Enzo Perez (67.) mit Rot vom Platz musste. Zu hektischen Szenen kam es in der 89. Minute, als sich neben der Seitenlinie Mirko Vucinic (Juventus) und Lazar Markovic (Benfica) an die Wäsche wollten und ebenfalls mit einem Platzverweis belegt wurden. Bizarre Randnotiz: Ersterer spielte gar nicht mit, letzterer war bereits ausgewechselt worden. Trotz dieser turbulenten Schlussphase konnte Benfica das 0:0 über die Zeit retten.
 
2.
Die Erfolge
 
Der Trophäenschrank des FC Sevilla hatte beinahe 60 Jahre Zeit, eine ordentliche Staubschicht anzulegen. Denn nach dem Pokalsieg von 1948 gewann der Klub bis 2006 keinen einzigen Titel mehr. Doch dann, fast klammheimlich, legte der Klub eine beachtliche Serie hin. 2006 (gegen den FC Middlesbrough) und 2007 (gegen Espanyol Barcelona) gewannen die Andalusier den Uefa-Cup (bei letzterem Triumph unter anderem mit Andreas Hinkel, der zwischen 2006 und 2008 für Sevilla spielte). 2006 triumphierte die Mannschaft außerdem im Uefa-Super-Cup gegen den Champions-League-Sieger FC Barcelona, und 2007 und 2010 gewann sie die Copa del Rey.
 
Benficas nationaler Trophäenschrank ist noch ein wenig voller. Vor wenigen Wochen feierte der mitgliederstärkste Sportverein der Welt die 33. Portugiesische Meisterschaft. Dabei verwandelten mehr als 500.000 Fans die Innenstadt in ein Pyro-Meer (siehe Bild). International tut sich Benfica aber schwer, seit 52 Jahren warten die Portugiesen in Europa auf einen Titel. Der letzte Europapokalsieg datiert auf das Jahr 1962, als Eusébio und Co. Real Madrid mit 5:3 besiegten. Warum der Klub seitdem international nichts mehr reißen kann? Auf Benfica Lissabon lastet ein jahrzehntelanger Fluch, glauben die Fans. Den Anfang nahm er 1962, als sich Meistertrainer Béla Guttmann wegen einer Gehaltsforderung mit dem Präsidenten überworfen und danach im Zorn den Verein verlassen hatte. Zum Abschied soll er gesagt haben: »Nicht in hundert Jahren wird Benfica noch einmal den Europacup gewinnen!«


3.
Die Torjäger
 
Kevin Gameiro und Carlos Bacca heißen die treffsichersten Schützen beim FC Sevilla. Gameiro traf in der laufenden Primera-Division-Saison 15 Mal, Bacca brachte es auf 14 Treffer. In der Europa League waren beide jeweils sechs Mal erfolgreich. Besonders auf Bacca werden Benficas Spieler aufpassen müssen, seine Karriere-Quote liest sich jedenfalls imposant: in 306 Einsätzen gelangen ihm 166 Tore. Allerdings kickte er mit 22 Jahren noch in der zweiten Liga Kolumbiens. Heute weiß er aber, wie man große Spiele gewinnt. In dieser Saison zerlegte er Real Madrid beim 2:1-Heimsieg mit zwei Toren im Alleingang.
 
Toptorjäger bei Benfica sind die Brasilianer Lima (14 Tore in der Liga, 5 in der Europa League und der Champions League) und Rodrigo (11/4). Rodrigo, der bereits für Spaniens U21 und U23 aufgelaufen ist, kommt aus Real Madrids Jugendakademie und wurde im Winter mit dem FC Arsenal in Verbindung gebracht. Angeblich wollte Arsene Wenger den Stürmer für 25 Millionen Pfund verpflichten. Die Gerüchte halten bis heute an, allerdings wirbt mittlerweile auch Inter Mailand um den 23-Jährigen. Lima indes ist der Stürmer, der Benfica am 32. Spieltag gegen SC Olhaense mit zwei Treffern den 33. Saisontitel bescherte. Der Mittelstürmer wechselte erst mit 26 Jahren aus Brasilien nach Portugal, wo er zunächst bei Belenenses Lissabon unterkam. Über den SC Braga landete er 2012 bei Benfica. Quote: 55 Spiele, 34 Tore.

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