11.10.2013

Vor dem Duell Lok Leipzig gegen RB

In unterschiedlichen Welten

Im Schatten des Emporkömmlings RB Leipzig, bei dem Geld keine Rolle spielt, versucht der Traditionsverein Lok Leipzig sportlich und finanziell zu überleben. Am Wochenende prallen die verschiedenen Fußballwelten mal wieder aufeinander – das Duell gibt es längst nur noch im Pokal.

Text:
John Hennig
Bild:
imago

Leipzigs Fußball wird familiär. Während sich die ganze Verwandtschaft um das strahlende Baby RB kümmert, schreit der ältere Bruder Lok nach Aufmerksamkeit. Und droht, bald nur noch als schwieriges Problemkind wahrgenommen zu werden.

Doch seit ein paar Tagen lässt Lok Leipzig wieder positiv aufhorchen. Zunächst kam Weltmeister Paul Breitner für einen Tag als Gasttrainer zu Besuch, nun wurde Heiko Scholz für die Restsaison als Cheftrainer vorgestellt. Endlich mal wieder große Namen im ebenso altehrwürdigen wie baufälligen Bruno-Plache-Stadion. Lok ist  Tabellenletzter der Regionalliga Nordost. Scholz gehört zur goldenen Generation bei Lok Leipzig der späten 1980er Jahre, spielte im Europapokal, wurde Nationalspieler, zog nach der Wende weiter in die Bundesliga. Doch zuletzt hießen seine Stationen auch nur noch MSV Duisburg, Germania Windeck und Viktoria Köln. Aber Scholz will helfen: »Ich möchte hier für Aufbruchstimmung sorgen, wenn ich mir das marode Stadion anschaue, das ist eines Lok Leipzig unwürdig.«

Heiko Scholz ist der zehnte Trainer in nicht einmal fünf Jahren. Eigentlich kann sich Lok Leipzig das Vereinsidol gar nicht leisten. Im Vorjahr entging der Traditionsverein nur knapp einer Insolvenz. Aber Scholz brachte einen eigenen Sponsor aus seinen Kölner Zeiten mit, der den prominenten Cheftrainer bis zum Saisonende finanziert. Um den Absturz in die Oberliga zu verhindern.

Lok macht sich selbst das Leben schwer

Dort kreuzten sich vor vier Jahren erstmals die Wege mit RB. Der damals gerade erst gegründete Verein mit dem potenten Geldgeber aus Österreich gewann beide Spiele und stieg direkt auf. Das Projekt Lok Leipzig, das seit seiner Neugründung 2004 im Gegensatz zum hoch eingestiegenen Stadtrivalen einen imposanten Ritt durch die unteren Ligen hingelegt hatte, stockt just seitdem.

Sportlich hat RB Leipzig längst die Vormachtstellung übernommen. Ob das direkt miteinander zusammenhängt, weil RB Leipzig die Aufmerksamkeit von Sponsoren und Stadt auf sich konzentriert und im großen Schatten kaum Licht auf die Konkurrenten fällt, wird in der Messestadt immer wieder erregt diskutiert. Viele Probleme bei Lok Leipzig sind aber hausgemacht. Eine falsche Kalkulation und schlechte Geschäftsführung sorgte im Frühjahr fast zur erneuten Insolvenz. Und bei der Suche nach Geldgebern stieß man schnell an Sympathiegrenzen. Also mussten die hartgesottenen Fans und Mitglieder – im Kern noch etwa 2000 – den Verein retten. Sie trugen mit Spenden und einer am Ende unüberschaubaren Menge an kleinen Geld-Generier-Aktionen fast 200.000 Euro zusammen. Doch zugleich fallen Teile dieses Kerns auch regelmäßig dadurch auf, dass sie zu viel für ihren Verein geben. In Babelsberg eskalierte beim ersten Saisonspiel die Situation. Doch im Gegensatz zur Vergangenheit folgte eine bemerkenswerte Reaktion der neuen Vereinsführung. Sie griff durch, distanzierte sich von den Randaliern und schloss die Fangruppierung »Scenario«, der Nähe zur rechten Szene nachgesagt wird, aus. Seit Anfang September wehrt sich der Verein zudem vehement gegen Vorwürfe, Verantwortliche des Berliner Athletik Klub bei einem Gastspiel in Probstheida rassistisch beleidigt zu haben. Hier steht nach wie vor Aussage gegen Aussage.

 
 
 
 
 
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