Vor dem Duell gegen Argentinien: Venezuela-Coach César Farías im Porträt

Der Tropen-Mourinho

Lange war Venezuela im Fußball keine große Nummer. Unter Trainer César Farías hat sich der einstige Punktelieferant allerdings zu einer ernstzunehmenden Elf gemausert. Ein Sieg gegen Argentinien heute wäre der nächste Schritt zum ganz großen Coup: die Teilnahme an der WM 2014 in Brasilien.

Bescheidenheit zählt nicht unbedingt zu den Grundeigenschaften von César Farías. Als er Anfang 2008 die Nachfolge von Richard Páez als Nationaltrainer Venezuelas antrat, kündigte er markig an: »Die Geschichte wird Páez und mir eines Tages dankbar sein.« Ein Satz, der auch von José Mourinho hätte stammen können.
Seinen großen Worten ließ Farías in den darauffolgenden Jahren allerdings auch Taten folgen. Die einstmals graue Maus des südamerikanischen Fußballs hat sich unter der Ägide seines selbstbewussten Coaches zu einer wettbewerbsfähigen Truppe gemausert.

Dabei ist es erst knapp ein Jahr her, als Farías noch beißenden Spott über seine Elf ertragen musste. Ob es seine Spieler nicht lieber mit Baseball versuchen sollten, wurde er im Vorfeld der Copa América in Anspielung auf Venezuelas Nationalsport gefragt. »Sie haben über uns gelacht, als wir Richtung Argentinien aufgebrochen sind«, erinnert sich Farías. Doch vielen Favoriten sollte der Spaß schnell vergehen.

Venezuela ist wieder wer

Während sich Argentinien, Brasilien und Chile bereits im Viertelfinale verabschiedeten, führte Farías den krassen Außenseiter Venezuela sensationell bis ins Halbfinale. Bei den 14 vorherigen Teilnahmen an der Südamerikameisterschaft war dem Karibikstaat nie ein derart erfolgreiches Abschneiden gelungen.

Um ein Haar wäre ihm gar der Sprung ins Finale gelungen. Doch im Elfmeterschießen hatte Paraguay das Glück auf seiner Seite. Auch die deutliche 1:4-Niederlage im Spiel um Platz drei gegen Peru konnte letztlich die Freude über den Coup auf großer Bühne nicht trüben. Erstmals in seiner Geschichte hatte Venezuela auf dem Fußballplatz ein Ausrufezeichen gesetzt. Und Farías posaunte: »Wir schreien nach ganz Südamerika hinaus, dass wir Respekt wollen.«

Erneut kommt einem Mourinho in den Sinn. Tatsächlich haben der Trainer von Real Madrid und Farías mehr gemein als ihr Hang zu vollmundigen Sprüchen und einer Vorliebe für elegante Kleidung an der Seitenlinie. Nicht umsonst wurde Farías von der Presse auch schon »Tropen-Mourinho« getauft. Ein Vergleich, der auch Tomás Rincon vom Hamburger SV schon zu Ohren gekommen ist. 

HSV-Mann Tomás Rincón: »Er ist Mourinho ähnlich«

Angesprochen auf die Parallelen zu »The Special One« muss der 47-fache Auswahlspieler Venezuelas schmunzeln. »Viele Leute sagen das. Farías hat einen besonderen Charakter, der dem von Mourinho ein bisschen ähnlich ist«, urteilt Rincón.

Ähnlich wie Mourinho wurde auch der heute 40 Jahre alte Venezolaner mit eher bescheidenem fußballerischen Talent gesegnet. Als kleiner Junge bolzte er mit großem Eifer auf dem Pausenhof seiner Schule in Venezuelas Hauptstadt Caracas, und brachte es hinterher immerhin mit viel Ehrgeiz zu einigen Einsätzen in der ersten Liga seines Heimatlandes. Zu einer erfolgreichen Karriere in kurzen Hosen reichte es aber nicht.

Hinzu kam, dass Farías sich schon in jungen Jahren mit Dingen beschäftigte, über die sich die Mehrzahl seiner Mannschaftskameraden kaum Gedanken machten. Die fehlenden Strukturen im venezolanischen Fußball sowie die mangelnden Mittel wie beispielsweise genügend Bälle oder Trikots ärgerten ihn maßlos. Eines Tages entschied er nach einer Trainingseinheit, seine Laufbahn als Spieler zu beenden und sich fortan dem Trainerjob zu widmen.

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