Vor dem Clasico: Wie gut, dass es Pepe gibt!

Ein Herz für Arschlöcher

Nach seinem üblen Tritt gegen Lionel Messi während des Hinspiels im spanischen Pokal-Viertelfinale, ist Real-Madrid-Mann Pepe das Oberarschloch des Weltfußballs. Vor dem Rückspiel heute Abend hat sich Alex Raack ein Herz gefasst. Und ergreift Partei für Pepe. Vor dem Clasico: Wie gut, dass es Pepe gibt!

Pepe, hat der ehemalige Weltfußballer Zinedine Zidane gesagt, sei ja außerhalb des Platzes ein ganz lieber Mensch. Ein ganz ruhiger Vertreter. Höflich, harmlos, hilfsbereit. Typ: Schwiegermamas Liebling. Nur auf dem Platz, das musste selbst der ehemalige Real-Madrid-Star Zinedine Zidane zugeben, da sei er, Pepe, eben »davon besessen zu gewinnen. Und diese Besessenheit lässt ihn manchmal Fehler machen.« Am vergangenen Mittwoch stieg Pepe seinem Gegenspieler Lionel Messi auf die Hand – während der auf dem Boden saß. Auch so ein Fehler. Nur, dass Pepe nach Meinung der gesamten Fußball-Welt diesmal zu weit gegangen war. Ein hässliches Foul im »El Clasico«, dem prominentesten Fußballspiel des Planeten, und dann auch noch gegen den derzeit besten Fußballer, die von allen geliebte Zaubermaus Lio Messi! Der Brasilianer Pepe, von Beruf Innenverteidiger, hat in seiner Karriere schon weitaus schlimmere Fouls begangen. Aber noch nie hat ein Tritt seinem Image so sehr geschadet, wie der aus dem Viertelfinal-Hinspiel im spanischen Pokal. Seit Mittwoch ist Pepe das Oberarschloch des Fußballs.

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Dass es ausgerechnet Zidane war, der Pepe in Schutz nahm, hat natürlich einen Grund. Bei all seiner Eleganz, seinem unglaublichen Talent, war Zidane Zeit seiner Karriere ein Hitzkopf, ein Besessener, dem in steter Regelmäßigkeit die Sicherungen durchbrannten. Als alle Welt im WM-Finale von 2006 Zidane mit dem Siegerpokal in der Hand abtreten sehen wollte, rastete der aus und rammte seinen Schädel in die Brust von Marco Materazzi. Doch das war Zinedine Zidane, der vielleicht beste Fußballer aller Zeiten. Ein geliebtes und verehrtes Genie. Pepe ist nur ein Innenverteidiger.

Wenn Pepe Lionel Messi tritt, dann hasst ihn die ganze Welt

Dass jetzt Gott und Welt auf den Madrilenen einschlägt, war zwar abzusehen, ist in seiner Heftigkeit allerdings doch sehr erstaunlich und erinnert ein wenig – jedenfalls aus deutscher Sicht – an die wochenlangen Drohgebärden gegen Schalkes Jermaine Jones nach dem Pokalduell gegen Borussia Mönchengladbach. Jones war und ist für viele der größte Idiot, der jemals auf einem Fußballplatz stehen durfte. Bei Pepe ist der allgemeine Hass noch viel globaler. Wenn Real Madrid gegen den FC Barcelona spielt, schaut die ganze Welt zu. Wenn Pepe Lionel Messi absichtlich auf den Knöchel tritt, dann hasst ihn ein Großteil der Fußballbegeisterten Erd-Bevölkerung.

Dabei vergessen die meisten Mahner und Ankläger, dass Fußball durch Typen wie Pepe doch erst interessant wird. Ein Spielfeld voller Messis, Xavis und Cristiano Ronaldos? Dann könnte man ja auch in den Zirkus gehen. Die besten Innenverteidiger der Welt waren Arschlöcher, und es ist gut, dass es sie gibt.

Ein Krieg ohne Bösewichter? Kaum auszudenken...

Fußball ist und bleibt ein Kampfsport, die Spieler rennen und grätschen und treten sich doch aus deshalb so gut bezahlt auf die Knöchel, damit wir nicht alle paar Jahre in den Krieg ziehen müssen, um ungeliebten Ländern und Städten eins auszuwischen. Was wäre wohl in Spanien los, wenn sich Madrid und Barcelona nicht regelmäßig auf einem Fußballplatz die Schienbeine kaputt treten dürften? Die Gefahr eines Bürgerkrieges wäre ständig präsent! Dortmunder würden vor Gelsenkirchen Stellung beziehen, Hamburger Bremen belagern. Gar nicht auszudenken, was in Glasgow oder Buenos Aires los sein würde.

»Spitzenfußball ist wie Krieg. Wenn du zu lieb bist, hast du verloren«, hat Rinus Michels, der vielleicht wichtigste Fußball-Trainer aller Zeiten, mal gesagt. Und ein anständiger Krieg braucht Gut und Böse, Verlierer und Gewinner. Arschlöcher und strahlende Helden. Pepe wird nie ein strahlender Held werden, das ist der Nachteil seines Daseins als baumlanger Innenverteidiger mit etwas zu viel Testosteron im Körper. Er wird auch in Zukunft die Rolle des Bösewichts übernehmen müssen. Und ohne Bösewichte? Gäbe es auch keine strahlenden Helden. Keinen Lionel Messi, keinen Xavi und auch keinen Cristiano Ronaldo. Keinen Fußballkrieg. Und wir müssten wohl oder übel Opas Flinte vom Dachboden holen.

Lieber Pepe: Merci, dass es Dich gibt!

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