03.11.2013

Vor 30 Jahren: Götz und Schlegel kommen in den Westen

Die Flucht

Seite 2/3: 20 Westmark für die wichtigsten 200 Meter seines Lebens
Text:
Jutta Braun und René Wiese
Bild:
imago

Schon vor der Fahrt nach Jugoslawien hatten Götz und Schlegel die Flucht geplant. Die Idee: Nach dem ersten Training in Belgrad in die Stadt verschwinden und sich in die Deutsche Botschaft absetzen. Das klappte zunächst nicht, die Jungstars wurden nach dem ersten Training zum Balldienst eingeteilt, der Zeitplan war hinüber. Ein abendlicher Gang bei Dunkelheit in eine unbekannte Stadt schien ihnen jedoch zu unsicher und wenig Erfolg versprechend. Zu ihrem Glück unternahm die Mannschaft am nächsten Tag nach dem Frühstück einen gemeinsamen Einkaufsbummel. In einem Shopping-Center suchte das Duo unbemerkt den Ausweg aus dem Kaufhaus. Durch einen Seiteneingang gelangten sie zu einem Taxistand, doch der erste Fahrer weigerte sich, die Flüchtlinge mitzunehmen. Erst der Zweite konnte mit 20 Westmark überzeugt werden, sie zur Deutschen Botschaft zu fahren – eine Strecke von knapp 200 Metern, wie sich herausstellte. Dennoch das »am besten angelegte Geld meines Lebens«, wie Götz heute bestätigt.

Im Nachtzug Ljubljana-München saßen, Götz und Schlegel, ausgestattet mit bundesdeutschen Papieren und harrten angespannt der Dinge. Die Zeit auf der kurzen Strecke von Jugoslawien nach Österreich wollte einfach nicht verrinnen. Die Angst, dass die Flucht schneller entdeckt wurde, als erhofft und man von den jugoslawischen Sicherheitsbehörden aufgespürt werden würde, war groß. Im Falle einer Befragung durch den Schaffner hatte man den Ostdeutschen folgende Legende eingebläut: Als Münchner Jugoslawien-Besucher sei ihnen das Gepäck mit allen Papieren und Wertsachen gestohlen worden. Ein überzeugender Behelf der immer klappe, hatten die Leute des Generalkonsulats versichert. Am Grenzbahnhof warf der jugoslawische Polizist jedoch nur einen flüchtigen Blick auf die Papiere und verließ das Abteil wieder. Kurz darauf entbrannte ein Streit aus Ungewissheit. »Wir haben uns gestritten, ob Villach schon in Österreich ist oder noch in Jugoslawien. Und es war glücklicherweise Österreich und wir waren im Westen und unsere Flucht war geglückt«, so Götz.

 
 
 
 
 
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