Vor 20 Jahren: Das spektakulärste Tor in der Geschichte Lateinamerikas

Das Erdbeben

Manchmal prägt ein einziger Moment ein ganzes Leben. José Perdomo hat das erlebt. Vor zwanzig Jahren schoss der Uruguayer das wohl bis heute spektakulärste Tor in der Fußballgeschichte Lateinamerikas.

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Der 5. April 1992, ein warmer Sonntagnachmittag in der argentinischen Stadt La Plata, es tobt der 113. Clásico zwischen den Stadtrivalen Gimnasia y Esgrima und Estudiantes de la Plata. Siebter Spieltag, 0:0, die zweite Halbzeit läuft bereits. Ein langweiliges Derby – bis zur 54. Minute.

»Ich brauche dich heute«, hatte Gimnasia-Trainer Gregorio Peréz vor dem Auswärtsspiel zu seinem Mittelstürmer José Battle Perdomo Teixeira gesagt. Der Uruguayer fühlt sich nicht hundertprozentig fit, läuft aber trotzdem auf. Jetzt steht er 35 Meter vom gegnerischen Tor entfernt, direkter Freistoß, vor ihm eine dichte Mauer aus sechs Gegenspielern. Das Estadio Jorge Luis Hirschi erhebt sich, die Fangesänge schwellen an, besonders in Block 57, die Anhänger von Gimnasia riechen wohl, dass etwas in der Luft liegt.

Dann explodiert Block 57

José Perdomo ist ein Veteran, hat bereits in Italien mit dem FC Genua und in Spanien mit Betis Sevilla einige Derbys bestritten. »Ich wusste aber, dass in diesem Clásico noch viel mehr Leidenschaft steckt«, wird er später »El Gráfico« sagen.
Ortszeit 17.10 Uhr, Perdomo steht weit vor der Mauer, drei Schritte Anlauf, dann ein strammer Schuss mit rechts. Der Ball hebt sich über Perdomos Gegenspieler, senkt sich spät und schlägt keine zwei Sekunden später neben dem verdutzten Estudiantes-Keeper Arturo Marcelo Yorno im unteren rechten Eck ein.

In diesem Moment explodiert Block 57, explodiert das Stadion, der Jubel der Fans ist ohrenbetäubend, sie umarmen sich, brüllen gemeinsam ihre Freude heraus. Ein blau-weißes Fahnenmeer, Perdomo läuft bis zum Mittelkreis, umarmt erst seinen Trainer, danach wird er von seinen Mitspielern gefeiert. »Dann sah ich auf, und die Fans sprangen alle gleichzeitig auf und ab, so dass sich die Tribüne unter ihnen bog. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.«

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