Die Bayern hatten vor der Saison 2002/03 kräftig investiert und so insbesondere auf den Abgang Stefan Effenbergs, der eine kurze und überaus erfolgreiche Münchener Ära geprägt hatte, reagiert. Nicht nur Michael Ballack war nach seiner starken WM in Japan und Südkorea an die Isar gewechselt, auch Sebastian Deisler, der designierte Retter des deutschen Fußballs, stand seit Juli an der Säbener Straße unter Vertrag, fehlte aber noch verletzt. Zudem verstärkte Zé Roberto den Kader des Rekordmeisters. Der neue Starauflauf im ohnehin mit Stars aufgeblähten Bayern-Kosmos gefiel Franz Beckenbauer allerdings nur bedingt. Er wies wenige Wochen vor Schweinsteigers und Lahms Debüt darauf hin, dass es dem FC Bayern bei aller Liebe zu Startransfers seit Jahren nicht mehr gelungen war, eigene Nachwuchskräfte im Profikader zu etablieren. Er lag mit dieser Einschätzung nicht vollkommen daneben. Außer Owen Hargreaves, Samuel Kuffour und Markus Feulner standen zu Beginn der Saison 2002/03 keine Eigengewächse im Kader von Ottmar Hitzfeld. Und über Feulner sagte Hitzfeld nach dem Lens-Spiel kühl unterlegt: »Er hat sich international durchsetzen können, muss jetzt aber im Amateurbereich Zeichen setzen.«
Was aus lokalpatriotischer Sicht in diesen Tagen schwer wog: Ein bayerischer Bub hatte den dauerhaften Sprung nach oben seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr geschafft. Als der FC Bayern am vierten Spieltag auf 1860 München getroffen war, hatte nur ein gebürtiger Bayer auf dem Platz gestanden – Benjamin Lauth im Trikot der Blauen. Es war auch diese Aufstellung gewesen, die Beckenbauer dazu bewogen hatte, den mahnenden Zeigefinger zu heben.
Die ersten Einsätze Schweinsteigers (geboren in Kolbermoor, Oberbayern) und Lahms (geboren in München) stehen in der Retrospektive beim FC Bayern für einen Wendepunkt. Mit Hermann Gerland hatten die Münchener bereits 2001 jenen Mann zurück ins Funktionsteam geholt, der schon in den Neunzigern viele Talente für größere Aufgaben in der Bundesliga aufgebaut hatte. Markus Feulner war der Erste, der davon profitierte. Er kam bereits 2001 zu seinem ersten Einsatz in der Champions League, konnte sich auf Dauer jedoch nicht durchsetzen. Bastian Schweinsteiger hingegen schon. Er debütierte nur wenige Wochen nach seinem Champions-League-Debüt auch in der Bundesliga, eine Saison später war er Stammspieler und fuhr im Sommer 2004 mit zur EM. Philipp Lahm nahm ebenfalls eine rasante Entwicklung, auch wenn er dafür einen Umweg über den VfB Stuttgart ging. Nach zwei Jahren als Stammspieler im Schwabenland und einer EM als konkurrenzloser Außenverteidiger kehrte Lahm 2005 als Hoffnungsträger nach München zurück. Mittlerweile hatten Piotr Trochowski, Michael Rensing, Christian Lell, Zvjezdan Misimovic, Paolo Guerrero und Andreas Ottl im Trikot des FC Bayern debütitert.
Ihnen folgten Holger Badstuber, Thomas Müller, David Alaba, Toni Kroos, Diego Contento und Emre Can.