Von Mäusen und Wüterichen

Die zehn kuriosesten Spielabbrüche

Von Mäusen und Wüterichen
Heft#109 12/2010
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Spätestens seit Sepp Herberger weiß der Fußballfan: Ein Spiel dauert 90 Minuten.
Nicht erst seit verganenen Freitag wissen wir: Das stimmt nicht immer.
Denn an diesem Tag schickte Schiedsrichter Deniz Aytekin die Mannschaften vom FC St. Pauli und von Schalke 04 schon nach 89 Minuten in die Kabinen, weil ein Zuschauer Linienrichter Thorsten Schiffner mit einem Bierbecher beworfen hatte.

Von Mäusen, Schwertern und Pfostenbrüchen – 11FREUNDE hat die zehn kuriosesten Spielabbrüche des Fußballs zusammengestellt.

1.    Nebel


Bundestrainer Helmut Schön hat sich seinen Abschied sicher würdevoller vorgestellt, doch gegen Naturgewalten findet auch der Mann mit der Mütze keine Abwehrtaktik. 60 Minuten sind am 15. November 1978 gespielt, als plötzlich dicke Nebelschwaden durchs Frankfurter Waldstadion ziehen. Sichtweiten unter 50 Metern beenden die Partie zwischen Deutschland und Ungarn beim Stand von 0:0. Es ist Schöns letztes Spiel als Bundestrainer, sein Nachfolger wird Jupp Derwall.

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2.    Rojas’ Skalpell

Als in der WM-Qualifikation zwischen Brasilien und Chile eine Leuchtrakete neben Chiles Torwart Roberto Rojas auf den Rasen des Maracana-Stadions platzt, robbt der Keeper schwerverwundet durch den Strafraum und hält sich das blutende Gesicht. Entsetzt weigern sich die geschockten Mitspieler weiterzuspielen. Der Schiedsrichter bricht ab, die FIFA wertet das Spiel für Chile. TV-Aufnahmen beweisen später: Rojas hat sich im Raketennebel mit einem Skalpell selbst im Gesicht herumgeschnibbelt. Die FIFA verweigert daraufhin Chile die Teilnahme an der WM 1990, Rojas wird lebenslang gesperrt.

3.    Überlegenheit

Es hätte der höchste Sieg in der Geschichte des FC Eintracht Köthen werden können.
Am 27. April 2010 hat der Gastgeber nach nur 34 Minuten dem mit lediglich neun Mann angetretenen HSV Gröbern bereits elf Hütten eingeschenkt. Da reagiert der Referee auf das Gejammer des Gästetrainers, dessen Mannschaft sich während des Aufwärmens und der ersten Spielminuten um zwei weitere Spieler dezimiert hat. Das Spiel wird vom Unparteiischen wegen zu großer Überlegenheit abgebrochen.

4.    Zerrung

In den deutschen Kreisligen kommt es immer wieder zu vorzeitigen Spielabbrüchen: Mal verpasst der Schiedsrichter einem Spieler eine Backpfeife (FSSV Karlsruhe I - ATSV Kleinsteinbach II), mal wird der Gastmannschaft von Dieben die Kabine ausgeräumt (Hansa 07 II - Türkspor II). Bei der Partie der VSG Altglienicke II gegen Ligaschlusslicht FC Hellas II gibt der Schiedsrichter dem Spiel kurz vor Schluss beim Stand von 4:1 die entscheidende Wende. Er sackt zusammen, die Diagnose: Zerrung im Oberschenkel. Ersatz ist nicht in Sicht, die Partie wird abgebrochen. »Wir haben angeboten, dass einer von uns zu Ende pfeift«, mault VSG-Trainer Gregor Michling später, »aber der Vorschlag wurde abgelehnt.«

5.    Strom weg

Der FC Memmingen steht mit einer 3:2-Führung gegen die Kickers Offenbach kurz vor dem Aufstieg in die Regionalliga. Plötzlich fällt der Strom im Mannheimer Rhein-Neckar-Stadion aus. Das Flutlicht erlischt, Spieler und Anhänger stehen im Dunkeln. »Wir hofften, dass das Spiel nicht mehr angepfiffen würde«, erinnert sich OFC-Keeper Rene Keffel. 40 Minuten nachdem die Lichter ausgegangen sind, verkündet der Stadionsprecher den Spielabbruch. Das fällige Wiederholungsspiel gewinnt der OFC. Der Grund für den Stromausfall: Überlastung durch die Übertragungswagen des Hessischen Rundfunks, keine Sabotage.

6.    Tribünenkletterer

Man kennt das: Ein paar schnelle Bierchen in der Pause geschluckt, schon glauben Fans an die eigenen Superkräfte. Auch Stephen Anglesey hat im April 2003 gut getankt, als er während des Spiels der Tranmere Rovers gegen Mansfield Town erst einen Flutlichtmasten erklettert, um dann aufs Tribünendach zu springen. Folge: Die Partie der englischen Second Division wird abgebrochen, Anglesey verhaftet. Wegen schlechten Benehmens und Trunkenheit bei einer Sportveranstaltung.

7.    Schwertkampf

Recht hitzig reagiert ein Spieler des britischen Amateurklubs Royston Villa während der Partie gegen Sheffield´s Mosborough. Nach einer Roten Karte verschwindet der Kicker zunächst wutentbrannt in der Kabine, kommt dann zurück und geht, plötzlich bewaffnet mit einem langen Schwert, auf den Unparteiischen los. Der gibt panisch Fersengeld. Spielabbruch nach 80 Minuten.

8.    Windhose

Als die Tornadosirene auf dem Gelände der Athens Highschool im US-Bundesstaat Ohio ertönt, hält man dies für einen müden Scherz. Seit 1937 hat keine Windhose mehr die Kleinstadt heimgesucht. Doch kurz vor Beginn der zweiten Hälfte des Mädchenligaspiels zwischen Athens und Alexander platzt der Tornado mit aller Kraft herein. Zuschauer und Spieler flüchten in einen nahegelegenen Keller, die Pressetribüne und zwei Stromaggregate werden zerstört. Weitergespielt wird nicht mehr.

9.    Mäusezahn

Dass plumpe Bauarbeiter mit wuchtigem Arbeitsgerät irrtümlich die Hauptstromleitung kappen, kommt schon mal vor. Im portugiesischen Portimao allerdings ist es eine Maus, die am Kabel knabbert und das Flutlicht des angrenzenden Stadions zur Strecke bringt. Dumm, dass dort gerade ein Pokalspiel stattfindet. Der Schiri muss abbrechen.

10.    Pfostenbruch

Die Mutter aller Spielabbrüche. 3. April 1971: Mönchengladbachs Günter Netzer schlenzt beim Stand von 1:1 in der 88. Minute einen Freistoß in den Werder-Strafraum, Stürmer Herbert Laumen verpasst den Ball und landet wie ein Fisch im Netz. Der morsche Holzpfosten bricht, das Tor fällt und ist trotz vielfacher Bemühungen um Stabilisierung nicht wieder aufzurichten. Die Gladbacher hoffen auf ein Wiederholungsspiel, das DFB-Gericht jedoch wertet das Spiel 2:0 für den Gast aus Bremen.

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