22.06.2014

Von deutscher Überheblichkeit

Algerian Style

In den achtziger Jahren wurde der Algerier Rabah Madjer zum Angstgegner der Deutschen. Seinen ersten Stich setzte er am 16. Juni 1982 in Gijon

Text:
Andreas Bock
Bild:
imago

Was hatten die Deutschen vor dem Spiel herumgetönt. Sieben Tore wollten sie ihren Frauen widmen und das achte ihren Haustieren. Ins Mittelmeer wollte sich Jupp Derwall stürzen, wenn dieses Spiel verloren ginge. Ein Videoband habe er natürlich vom Gegner besessen, doch warum hätte er das seinen Spielern zeigen sollen? Sie hätten ihn ausgelacht.

Denn wer sollte ihnen Angst einjagen? Dieses Team aus Algerien etwa? Spieler mit Namen wie Lakhdar Belloumi oder Rabah Madjer? Also, bitte! Sie waren als amtierender Europameister zur WM nach Spanien gereist. Sie hießen Paul Breitner oder Karl-Heinz Rummenigge. Sie hatten 33 Tore in der Quali­fikation geschossen und nur drei Gegentreffer kassiert. Und daher pumpten sie nun ihre Körper auf Superhelden-Format auf, und es grenze an ein Wunder, dass sie noch durch handelsübliche Türen passten. 

Oh, du unbekanntes Afrika

Dabei hätten die deutschen Spieler gewarnt sein können, denn das DFB-Team hatte sich bei Weltmeisterschaften gegen die Kleinen schon einige Male blamiert. 1978 mühte sich die Elf in Argentinien zu einem 0:0 gegen Tunesien, 1974 verlor sie gegen die DDR gar mit 0:1. Nun also Algerien.

Auf der Fußballweltkarte ein kleiner weißer Fleck auf dem großen weißen Fleck. Oh, du unbekanntes Afrika. Einige Fußballfunktionäre hatten sich vor der WM 1982 darüber empört, dass Mannschaften aus Drittweltländern überhaupt teilnehmen durften. DFB-Präsident Hermann Neuberger sprach von einer »Verwässerung des Niveaus« und »künstlicher Aufblähung« der WM.

»Es war unser Teamgeist!«

Wenige Tage später war er schlauer: Kamerun blieb in einer Gruppe mit Italien ungeschlagen, Honduras trotzte im Eröffnungsspiel Gastgeber Spanien ein 1:1 ab – und Algerien besiegte Deutschland mit 2:1. Die Tore schossen: Lakhdar Belloumi und Rabah Madjer.

»Sie hatten keinen Respekt vor uns«, sagte Algeriens damaliger Trainer Rachid Mekhloufi seinerzeit. »Sie haben uns unterschätzt«, sagt Rabah Madjer heute. Zwei Erklärungen, die man immer dann anbringen kann, wenn ein Underdog einen haushohen Favoriten stürzt. Doch was genau unterschätzten die Deutschen denn überhaupt? War es der Spielstil? Das Tempo? »Es war unser Teamgeist!«, sagt Madjer.

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden