Vom Straßen-Kicker zum »Black Star«: Ghanas Mohammed Rabiu

Der schüchterne Stratege

Ghanas Nationalteam ist mit einigen Stars gespickt: Boateng, Essien, Muntari. Im zentralen Mittelfeld zieht aber Mohammed Rabiu die Fäden. 2009 führte er Ghanas U20 zum Weltmeistertitel. Über Umwege ist er auch im A-Team angekommen.

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Täglich gehen in Accra, der Hauptstadt Ghanas, hunderte Menschen an Mohammed Rabiu vorbei. Und kaum jemand erkennt ihn. Das ist eine echte Leistung in Ghana – jedenfalls für einen Spieler der Nationalmannschaft. Rabiu ist ein Spieler, der weder auf den riesigen Werbe-Plakaten in Accra noch auf dem Platz groß auffällt. Ein Spieler, der vielen Journalisten in Anbetracht der großen Stars wie Michael Essien oder Sulley Muntari kaum ein Wort Wert ist. Das Problem an der Sache: Mohammed Rabiu ist einer der Stars im Team. Wenn auch eher ein heimlicher.

Der Sohn eines örtlichen Uhrenmachers, nebenbei auch Torwart des Stadtteams Kononfo Golddiggers, musste schon als Kind Verantwortung übernehmen. Der Vater verließ die Mutter samt den fünf Kindern sehr früh. Von heute auf morgen stand die Großfamilie alleine da. Den kleinen Mohammed zog es trotzdem immer wieder auf den Bolzplatz. Die Aufforderung seiner Mutter, sich unbedingt auf die Schule und seine Ausbildung zu konzentrieren, ignorierte der Kleine.

Ein Lehrer leistet Starthilfe

Auf den Straßen Accras blieb sein Können nicht lange unentdeckt, auch wenn sich Rabiu zunächst selber im Weg stand: Weil er sich nicht traute am Training der offiziellen Schulmannschaft teilzunehmen, kickte er nur in seiner Freizeit. Das änderte der Lehrer Anthony Kofi Boakye. Der Trainer der Schulmannschaft hatte von einem talentierten Zwölfjährigen aus der sechsten Klasse gehört. »Ich habe ihn davon überzeugt, einmal mit den Jungs zu trainieren. Alle Spieler in der Mannschaft waren 15 Jahre alt, eigentlich wollten wir ihn langsam für die Zukunft aufbauen«, erzählt Boakye.

Aus diesen Plänen wurde nichts. »Schon im ersten Training erkannte ich, dass er besser war als jeder der Stammspieler, auch wenn er sich noch sehr zurückhaltend verhielt«, so Boakye. Schon im nächsten Spiel schickte er den Jüngsten im Team aufs Feld, der es ihm gleich mit dem entscheidenden Treffer dankte. Anschließend startete Rabiu fußballerisch durch. Auf der weiterführenden Schule spielte er erneut in der Schulmannschaft, 2007 nahm Liberty Professionals den damals 18-Jährigen unter Vertrag, derselbe Klub, der auch Essien, Muntari oder Asamoah Gyan groß rausbrachte.

Der Elfmeter-Held

Die Anfangszeit in dem mit einigen Stars gespickten Team war nicht einfach. Rabiu traute sich wenig zu, seine Schüchternheit stand ihm das eine oder andere Mal im Weg. Trotzdem erfuhr er Unterstützung. Er ließ sein Können immer wieder aufblitzen und rettete dem Team mit genialen Momenten wichtige Punkte. Einmal stellte er sich besonders spektakulär in den Dienst der Mannschaft. Bei ausgeschöpftem Wechselkontingent war der Torwart gegen den großen Rivalen Accra Hearts of Oak vom Platz geflogen. Mohammed Rabiu bot sich an, ihn zu ersetzen. Er hielt den fälligen Strafstoß, das Team gewann. Rabiu war der Held.

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