Vom Profi zum Packesel: Das Tourtagebuch von Marius Ebbers Teil 2

Zwischen Gewehren und Senfflecken

Da Marius Ebbers das Leben als Profi a.D. zu langweilig ist, geht er nun als Aushilfsroadie mit der Band Montreal auf Tour. An seinem zweiten Tag wird Ebbers von einem Maschinengewehr geweckt – und am Ende des Tages zum stillen Helden.

Marius Ebbers

13.12.2013 Berlin

Als ich im Casa Hirsch erwache, wandert mein erster Blick direkt auf die Uhr. Da steht 07:00. Es ist also noch mitten in der Nacht, als plötzlich Maschinenpistolensalven durch das Zimmer rattern. Was ist das? Ich drehe mich um und erkenne schemenhaft Hirsch, der am Rechner sitzt und schreibt. Er nennt das Arbeit am Rechner, ich ordne das bestenfalls unter Aggressionsabbau gegen widerborstige Tasten ein und erkenne: An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Ein Blick durchs Zimmer könnte bei der lückenlosen Rekonstruktion der vorabendlichen Ereignisse vielleicht helfen. Ich sehe grob verteilte Dönerreste, ich erkenne Senfflecken auf Hirschs Kleidung, mein Kopf tut weh: Es scheint gut gewesen zu sein. Mein erster Tag auf Tour endet also mit einem Kater. Hätte mich auch ein bisschen enttäuscht, wenn das anders gewesen wäre.   


Heute steht Berlin auf dem Tourplan, ein halbes Heimspiel für die Jungs. Wird sicher locker, gemütlich, ein bisschen familiär. Und als ich so gerade darüber nachdenke, was ich heute wieder alles aus dem Bus zerren muss, geht alles ganz schnell. Schlagzeuger Max lädt zum Frühstück ein. Sofort. Ich antworte: »Sind gleich da!« Diese Musiker. Immer Vollgas. 

90 Minuten später liege ich immer noch im Bett und versuche mir per Gedankenkraft vorzustellen, wo zu diesem Zeitpunkt meine Tasche liegen könnte. Darin ist auch mein Portemonnaie. Und mein Schlüssel. Ein Gang zum Bandbus sorgt für Auflösung. Zwischen zerbrochenem Glas im Fußraum, ausgelaufenen Flüssigkeiten an den Scheiben, ranzigen Wurstresten und diversen Senfflecken findet sich mein eingepacktes Leben wieder. Ich entspanne mich und überlege, wie ich den Jungs einen Wechsel zur Trockennahrung nahelegen kann. Als ich gerade über die Vorteile von Dörrobst und Chips referieren will, macht sich in Hirschs Augen Panik breit. »Wenn das der Buswart sieht«, murmelt er sichtlich verängstigt.

Ich erkenne sofort, dass in dieser Situation ein ruhige Hand und die Erfahrung eines Profis gefragt ist. Und während Hirsch unaufhörlich murmelt »Was ist auf der Rückfahrt gestern bloß geschehen?«, beseitigen wir die Spuren und rufen schnell Yonas an. Der ist gestern gefahren, und ist somit der Einzige, der Licht ins Dunkle bringen kann. Schnell wird klar: Dieser Abend war für ihn sicher kein Spaß.

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