Vom Profi zum Packesel: Das Tourtagebuch von Marius Ebbers

Sprinter, Ebbe, Hallo HSV

Da Marius Ebbers das Leben als Profi a.D. zu langweilg ist, geht er nun als Aushilfsroadie mit der Band Montreal auf Tour. An seinem ersten Tag spielte sich der Ex-Stürmer auch gleich in die Herzen der Musiker – auch wenn er am Ende ein wenig den Durchblick verlor.

imago

Vor Jahren haben die Sportfreunde Stiller mal groß verkündet, dass Mehmet Scholl sie als Roadie auf der kommenden Tour begleiten würde – ein Aufschrei der Begeisterung ob dieser gewagten und ungewöhnlichen Zusammenarbeit ging seinerzeit durch die Republik. Ein Profifußballer und eine Band zusammen im selben Bus, na das kann ja was werden! Es war uns nicht vergönnt, herauszufinden, warum aus dieser genialen Symbiose letztlich doch nichts wurde – hinter vorgehaltener Hand munkelt man aber, Scholl hätte irgendwann erfahren, dass er tatsächlich Kisten schleppen sollte und dann wieder Abstand von der geplanten Zusammenarbeit genommen. 
Jetzt also ein erneuter Anlauf: die Band Montreal ist auf ihre 10-Jahre-Geburtstagstour und Marius »Ebbe« Ebbers, der erst im Sommer seine Profilaufbahn beim FC St. Pauli beendet hat fährt mit als Roadie – hier das Tagebuch von Ebbe und Bassist Hirsch:

Donnerstag, 12.12. Berlin-Dresden-Berlin
Gespanntes Warten am Bandsprinter in Berlin – mit dem ADAC Postbus reist Ebbe aus Hamburg an und textet, dass dieser jede Menge Beinfreiheit, kostenloses Internet aber eben auch eine sportliche Verspätung hat. Schon jetzt schließt Schlagzeuger Max – seines Zeichens HSV-Fan – den eigentlichen Erzfeind tief in sein Herz, ist er doch heute das erste Mal seit Bandgründung nicht letzter Mann am Bus. Die zweistündige Fahrt nach Dresden wird dominiert von großer Freude über diverse gemeinsame Lieblingsbands und der Feststellung: Bei dieser Schnittmenge kann ja gar nichts mehr schiefgehen! Auch beim ersten Ausladen des Busses zeigt Ebbe, dass er nicht nur zum Spritkosten sparen dabei ist. Beherzt packt er auch die Teile der Backline an, die wegen Gewicht und/oder unhandlicher Form vom Rest der Reisegruppe stets elegant umschlichen werden, in der Hoffnung jemand anders nimmt sich ihrer an. Sowas kommt immer gut an.

Noch besser ist da nur Ebbes nächster Streich: Nach dem Soundcheck erwarten die Band in der Garderobe tatsächlich drei Flaschen Havanna (der gute 7 Jahre alte) nebst liebevoll geschnibbelter Limetten. Und Eiswürfel! Wie hat man denn bitteschön 10 Jahre ohne diesen Knaben hinbekommen?! Nicht zuletzt dank umsichtiger Flüssigkeitsversorgung des Aushilfsroadies wird es ein sehr launiges Konzert. Anders als viele Male zuvor kann endlich mal keiner über Getränkenachschubprobleme klagen.

»Pimmel bis zum Knie«

Da unsere Reisegruppe noch in der Nacht zurück nach Berlin muss, fällt die Aftershowparty heute aus. Denkste! Denn auch hier beweist Ebbe, dass er trotz biblischen Alters weiter in Höchstform ist: An der Tanke deckt er den Bus mit Bifi-Produkten verschiedenster Art (Ballaststoffe) und Getränken ein, Merchrakete Lisa lotet die Belastbarkeit des Bus »Soundsystems« aus und dann und wann gibt es Fußballgesangsnachhilfe von Max oder Ebbe. Auf den »Ebbe Sand«-Chor folgt zwangsläufig ein Lied über Victor Agali, in dem irgendwas von »Pimmel bis zum Knie« und »im Sommer fährt er Ski« kundgetan wird. Momente in denen sowohl die Öl- als auch die Niveauwarnleuchte nahezu zeitgleich aufblinken.


In Berlin angekommen wird noch ein kleiner Absacker genommen und dann das Nachtquartier bezogen. Hier kommt es zum Tagesabschluss noch zu einer kleinen Verwechslung: ein dunkler Flur, unbeschriftete Türen und mangelhafte Manndeckung von Hirsch lassen Neuling Ebbers auf einmal im Zimmer der schon früher ins Bett gegangenen Lisa stehen. Deutlich, aber bestimmt fordert sie: »Tür zu!« Der wohlerzogene Ex-Profi gehorcht und kommt ihrem Wunsch umgehend nach. Leise schließt er die Tür. Doch Lisa hatte sich das scheinbar anders vorgestellt und wird konkreter: »Von draußen!!!«

In diesem Sinne,
Bis morgen

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