28.03.2013

Vom Basketballstar bis zum Dreierpack gegen Dortmund

SvAIRrisson

Bevor Eyjölfur Sverrisson 1990 zum VfB Stuttgart wechselte, galt er als einer der besten Basketballer Islands. Ein halbes Jahr später zerlegte er Borussia Dortmund beinahe im Alleingang. Eine Erinnerung.

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18. Spieltag, Saison 1990/91, VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund. Eyjölfur Sverrisson nimmt Maß. Aus 32 Metern, aus 30 Metern, aus 35 Metern. Dreimal schlägt der Ball im Tor ein, und nach nicht mal einer halben Stunde hat Sverrisson den BVB im Alleingang zerlegt. Am Ende steht es 7:0 für den VfB, und der BVB gewinnt nach dieser Pleite 13 Spiele in Folge kein einziges Bundesligaspiel mehr.

»Wahnsinn!«, sagte Eyjölfur Sverrisson einmal. »Das 7:0 war das beste Spiel meines Lebens.« Dabei wurde Sverrisson 1992 Meister mit dem VfB, er spielte Champions League und bestritt über 100 Pflichtspiele für Stuttgart. Doch das Spiel, ein gewöhnliches Spiel zweier Mannschaften aus dem Bundesliga-Mittelfeld, hatte sich eingerpägt. Auch beim Gegner. Bei Gerhard Poschner, damals bei Borussia Dortmund aktiv, hat das Spiel bis heute Wunden hinterlassen: »Da habe ich noch ganz böse Erinnerungen«, sagte er kürzlich in einem Interview mit 11freunde.de. Und dann erinnerte er sich doch. An die Pfiffe der Fans und die Wochen, in denen nichts mehr ging. Nur der Name des Stürmers, der diese drei Tore machte, fiel ihm nicht mehr ein. »Dieser Isländer«, sagte er, »wie hieß der nochmal?«

»Nennt mich Jolly. Jolly aus Island!«
 
Dieser Isländer hatte es anfangs nicht leicht in Stuttgart. Die Reporter, Fans und Vereinsfunktionäre wollten alles richtig machen, doch sie konnten seinen Namen nicht aussprechen. Wie bitte?, fragten sie, und Eyjólfur Sverrisson aus Sauðárkrókur antwortete: »Eyjólfur Sverrisson aus Sauðárkrókur.« Eyjólfur aus Sauðárkrókur? Ihre Zungen verknoten sich, sie verbogen sich, doch hervor kam nichts außer einem Konsonantensalat. Da lachte er und sagte: »Nennt mich Jolly. Jolly aus Island. So hieß ich immer schon.«
 
Jolly Sverrisson kam in der Winterpause 1989/1990 nach Stuttgart. Sein Wechsel war für den VfB keine große Sache, für den jungen Isländer bedeutete es den Schritt in ein neues Leben. Bis dahin hatte Sverrisson beim lokalen UMF Tindastóll gekickt, einem Zweitligaverein aus dem 2500-Seelen-Dort Sauðárkrókur. Manchmal hatten 500 Fans vorbeigeschaut, mal waren es auch nur 100. Doch irgendwie war das egal, denn Fußball war ein Spiel, ein Hobby. Das Beste daran: Er spielte damals mit seinen Brüdern Björn (Libero), Eirikur (Sturm) und Sverrir (Mittelfeld) in einer Mannschaft. Und an der Seitenlinie stand seine Schwester, die ihn lautstark bejubelte, als er einmal mit 20 Treffern Torschützenkönig wurde.
 
Der Vater dachte allerdings gar nicht daran, seinen Sohn an den Fußball zu verlieren. Er hoffte, dass Eyjölfur eines Tages seine kleine Baufirma übernehmen würde. Er sagte häufig: »Im Sommer muß du dein Geld für den Winter haben.« Als Eyjölfur das erste Mal Geld verdiente, nahm der Vater es an sich und brachte es zur Bank.

Vom Basketball- zum Fußballprofi

 
Auch Sverrisson schien nicht so recht daran zu glauben, mit dem Fußball richtig groß rauszukommen. Und weil man in Island wetterbedingt nur von Mai bis September Fußball spielen konnte, suchte er sich bald andere Hobbys. Er mochte Angeln und Gitarre spielen. Und Basketball. Also spielte er Basketball und wurde einer der besten Spieler seines Landes. Bis kurz vor seinem Wechsel zum VfB Stuttgart war er Mitglied der U21-Nationalmannschaft Islands. »Vielleicht kann ich deswegen so hoch springen«, sagte Sverrisson einmal.

Wie war so einer überhaupt zum VfB gekommen?

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