18.04.2013

Vom Bad Boy zum Elder Statesman: Jermaine Jones

Das schlechte Gewissen

Seite 4/5: Der Wandel zum Leader
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Theodor Barth

Anfangs lebte er im Hotel am Schalker Stadion. Eines Abends traf er einige Fans an der Bar. Ein netter Plausch, ein paar Biere, es wurde spät. Am nächsten Tag teilte Magaths Nachfolger Ralf Rangnick mit, dass er nicht mehr mit ihm plane. Der nächste Rückschlag.

Erst als auch Rangnick sein Amt niederlegte, erkannte der streitbare Huub Stevens in Jones den idealen Sortierer für seinen Rückraum – und er war wieder im Rennen. Wie zwei angriffslustige Panther balgten sich die beiden immer wieder lautstark um die Taktik – und verstanden sich blendend. Als der Trainer erwog, ihn sogar zum Kapitän zu berufen, legte plötzlich Aufsichtsrats­chef Clemens Tönnies sein Veto ein. Offenbar traute der Schalker Boss dem kantigen Sechser mit Mangel an Diplomatie diese Verantwortung nicht zu.

Jones, einer, der in der Krise vorangeht

Magath, Rangnick, Stevens – Jones hat sie auf Schalke alle überlebt. Sogar den Willen des mächtigen Wurstfabrikanten Tönnies unterlief er schließlich. Nachdem sich der Profi wegen der Intervention in der Kapitänsfrage auch aus dem Mannschaftsrat zurückgezogen hatte, nahm ihn nach der Demission von Huub Stevens im Winter plötzlich Sportdirektor Horst Heldt beiseite. Das Team brauche jetzt einen Typen wie ihn. Einen, der marschiert. Einen, der in der Krise vorangeht.

Nach den entbehrungsreichen Monaten fühlte es sich irgendwie gut an, gebraucht zu werden. Jones reagierte wie ein Krisenmanager. Er sprach dem glücklosen Joel Matip Mut zu. Er solle aufhören, sich so viele Gedanken zu machen. Zur Not auch mal ein Bierchen trinken gehen, um lockerer zu werden. Er sagte: »Das Leben – besonders das eines Profis  – besteht nur aus Momentaufnahmen.« Am einen Tag ein Held, am nächsten ein Arschloch. So ist das Geschäft. Er wusste genau, wovon er sprach: Er hatte es alles selbst erfahren.

Jones avancierte in der Orientierungslosigkeit um den Jahreswechsel zum guten schlechten Gewissen der schlingernden Truppe. In bester Effenberg’scher Manier gibt er heute den opferwilligen Teamplayer: »Wenn ich das taktische Foul machen muss – und die Mannschaft am Ende der Saison oben steht – dann mache ich es halt.«

 
 
 
 
 
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