18.04.2013

Vom Bad Boy zum Elder Statesman: Jermaine Jones

Das schlechte Gewissen

Seite 3/5: »Only God Can Jugde Me«
Text:
Bild:
Theodor Barth

Der Fußball hat kein Langzeitgedächtnis, wenn der Erfolg zurückkehrt. Der FC Schalke 04 machte ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Aber Jones verpasste den richtigen Moment, um den Frankfurter Fans seinen Abschied zu verkünden. Am Ende wurde er mit »Judas«-Rufen verjagt. Die Medien hatten einen weiteren Stein für das Image-Mosaik vom begabten, aber ehrlosen Outlaw. Dass Friedhelm Funkel sich bei Jones dafür bedankte, dass er sein Versprechen gehalten hatte, bekam in dem Chaos keiner mehr mit.

»Im Leben kriegt man alles zurück – im Positiven wie im Negativen.«

Auf dem linken Arm von Jermaine Jones steht in schwarzen Lettern: »Only God Can Judge Me.« Ein Rapper-Stereotyp, der Stolz des Gebrandmarkten. Symbol für seine Überzeugung, auf der Suche nach dem Glück stets auf sich allein gestellt zu sein. Sein Schwiegervater hat einen christlichen Verlag geleitet. Mit ihm diskutiert er oft über Gott. Er hat ihm gesagt, dass man nicht jeden Tag beten oder in die Kirche gehen muss, um auf die Hilfe von oben zählen zu können. Jones glaubt an eine überirdische Gerechtigkeit: »Im Leben kriegt man alles zurück – im Positiven wie im Negativen.«

Seit sechs Jahren ist er nun auf Schalke, dieser als Fußballklub getarnten Titanic, die sich auf lyrische Art als unsinkbar stilisiert, so dass selbst beim Untergang noch auf allen Decks im Rhythmus der Kapelle geschwoft würde. Die Liaison ist wie all seine vorherigen im Profigeschäft keine einfache.

2011 hatte er S04 bereits aus seinem Herzen verbannt. Felix Magath hatte Jones zu den Amateuren geschickt, angeblich weil der sich weigerte, nach einer Verletzung frühzeitig ins strapaziöse Training einzusteigen. Um weiter auf Top-Niveau zu spielen, ließ Jones sich zu deutlich schlechteren Konditionen zu den Blackburn Rovers ausleihen. Als die Knappen im Mai 2011 in Berlin den Pokal holten, fühlte er sich im fernen England wie Napoleon auf Elba. Abgeschoben und vergessen. Kein Anruf kam aus Deutschland. Für Jones war klar: Dahin wollte er nie mehr zurück. Doch kein anderer Verein war bereit, ihn zu den luxuriösen Konditionen, die er im Pott genießt, zu verpflichten. Als das Leihgeschäft in Blackburn auslief, kam er also widerwillig zurück nach Gelsenkirchen. Immerhin: Magath war weg.

 
 
 
 
 
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