18.04.2013

Vom Bad Boy zum Elder Statesman: Jermaine Jones

Das schlechte Gewissen

Seite 2/5: Jones vs. Alles und jeden
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Theodor Barth

Widerstände ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Was waren das damals für Zeiten! Mit Anfang zwanzig schlug er eine Schneise durchs Frankfurter Nachtleben. Der Halbstarke aus der Vorstadt war zum Jungstar bei der Eintracht aufgestiegen. Die Türsteher der Nobeldiskos, die ihn lange abgewiesen hatten, geleiteten ihn nun devot in den VIP-Bereich. Ein rasantes Leben. Schnelles Geld, schneller Sex, schnelle Biere, schnelle Autos. Schnell wie Jones selbst, der mitunter so flink war, dass er mit dem Nachdenken gar nicht hinterherkam.

Bayer Leverkusen holte ihn 2004 in den damaligen Top-Kader. Coach Klaus Augenthaler war begeistert von seiner Dynamik. »So was«, sagt der Trainer heute, »kannte ich bis dahin nur von Lothar Matthäus.« Mit 22 Jahren lief der Hallodri aus dem Frankfurter Norden schon in der Champions League auf. Sollte er noch Zweifel gehabt haben, war er nun endgültig überzeugt, der Größte zu sein. Fünf seiner Freunde hatte er gleich mit ins Rheinland gebracht, damit es ihm nicht fad wurde. Sie lebten zusammen in seiner Wohnung und frönten dem Hedonismus des neureichen Jungprofis.

Klaus Augenthaler half ihm auf die Sprünge

Die Party sollte nie enden. Doch das Licht ging schneller an als gedacht. Jones’ Lebenswandel machte sich vermehrt in kleinen und größeren Verletzungen bemerkbar. Doch ihm selbst fiel es schwer, diesen Zusammenhang zu erkennen. Erst als Augenthaler ihn nach nur einem Jahr aussortierte, weil er seine Einstellung für untherapierbar hielt, fiel der Groschen.

Beratungsresistent und verletzungsanfällig – kein ideales Führungszeugnis für die Jobsuche. Der Ruf des aufsässigen Partykickers hatte Kreise gezogen. Angebote von Top-Klubs blieben aus. Jones fürchtete, in den Abgründen der zweiten Liga neu anfangen zu müssen, als ihn Friedhelm Funkel nach Köln in ein Café lud. Der damalige Trainer von Eintracht Frankfurt hatte den Rat seines Bosses Heribert Bruchhagen ignoriert, der Jones auf keinen Fall zurückhaben wollte. In einem dreistündigen Gespräch rang Funkel dem Geschassten das Versprechen ab, künftig ein profigerechtes Leben zu führen. Nur dann bestehe noch Hoffnung für ihn und seine Karriere. Der reuige Jungstar willigte ein. »Vielleicht war es das wichtigste Gespräch meines Lebens«, sagt er heute. Ein halbes Jahr später kehrte Eintracht in die Bundesliga zurück. Jones haute sich derart rein, dass der Trainer ihn bald zum Kapitän ernannte.

 
 
 
 
 
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