Lektion Fünf: Der Kommentator ist dein stetiges Feindbild. Jedes Räuspern oder kurzes Verhaspeln wird als persönliche Beleidigung aufgefasst, jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Reifsches Hüsteln oder von-Turn-und-Taxsche Wortwahl werden zu einem Sermon aus persönlicher Beleidigung und Hasstirade destilliert. Gleichzeitig bietet es sich an, wahlweise spanische (apropos Logorrhoe) oder englische Kommentatoren zu idealisieren. Fremdsprachenkenntnisse sind hierfür nicht erforderlich.
Lektion Sechs: Über Lothar Matthäus lachen. In Sachen Lothar-Matthäus-Bashing sollte man immer auf dem neuesten Stand bleiben. Ein täglicher Besuch des »Lothar-Matthäus-News-Feed« von »Bild.de« muss zur festen Gewohnheit werden. Bietet Matthäus' Privatleben gerade keine Klatsch-Nachrichten, kann man sich auch über aktuelle Profis und ihre Allüren lustig machen (Marko Arnautovics Vorliebe für Silikonbrüste, Tim Wieses Bräunungscreme, Kevin Großkreutz' Frisur).
Lektion Sieben: Die deutsche Nationalmannschaft kritisieren. Auch wenn gerade Bundesliga läuft: Mario Balotelli hat dich zutiefst in deinem Nationalstolz gekränkt. Die Schuld daran trägt Joachim Löw. Lass deine Umgebung wissen, welche Verfehlungen »Popelfresser« Löw sonst noch hat oder mach dich über Hansi Flicks Dresscode lustig.
Lektion Acht: Sollte man allein in der Kneipe sitzen, keine Sorge: Der eigenen Redesucht muss das keinen Abbruch tun. Wozu gibt es schließlich Twitter? Am besten legt man sich einen originellen Account unter einem »Fußball-Nick« an (@stadionwurstistmeingemüse oder @ichhabeRalfRangnickdieViererketteerklärt) und streichelt den Akkusaft aus dem Smartphone. Aber auch wenn man nicht alleine ist, lohnt es sich, mit einem Auge ständig aufs Telefon zu starren und dabei beharrlich die Zwischenstände der anderen Partien durchgeben (Bundesliga, Premier League, La Liga, guatemaltekische Liga).
Lektion Neun: Erkläre, warum dein Lieblingsverein mit einer hängenden Neun und einer Doppelsechs agieren sollte. Verfolge Taktikblogs und lies Regelwerke von Buchdeckel zu Buchdeckel. Danach bei Regeldiskussionen lautstark darauf pochen, das man gerade dass komplette Regelwerk verschlungen hat. Bei Frauen in der Umgebung empfiehlt es sich, unaufgefordert die Abseitsregel zu erklären (am Besten mithilfe von Salz- und Pfefferstreuer oder Biergläsern und Zigarettenschachteln).
Lektion Zehn: Lobe die 50+1-Regel. Konstatiere, dass die Bundesliga in zehn Jahren die stärkste Liga Europas ist. Erkläre, warum der englische Fußball tot ist. Lege dar, warum nicht die Stehplätze an der Hillsborough-Katastrophe schuld waren. Kurzum: Lies viele Fußballbücher und tue kund, was du darin gelesen hat! Schweife zwischendrin weit vom Thema ab und stelle immer wieder kurze Zwischenfragen ohne die Antworten abzuwarten. Nur um sicher zu gehen, dass dein Gegenüber dir noch folgt.
Hast du dich an sämtliche Regeln gehalten, ist dein Gesprächspartner jetzt entweder verstummt oder verschwunden. So oder so ist eines gewiss: Du kannst endlich in Ruhe Fußball gucken.