Volkszählung: Wie Erich Rüttel einen Boykottaufruf verhinderte

»Rasenmähen half nichts«

Heute beginnt in Deutschland die Volkszählung. Schon 1987 gab es einen Zensus, doch vor dem Spiel BVB-HSV pinseln Eindringlinge einen Boykottaufruf auf den Rasen des Westfalenstadions. Aber Hausherr Erich Rüttel ersinnt eine List. Volkszählung: Wie Erich Rüttel einen Boykottaufruf verhinderte

Die Volkszählung des Jahres 1987 war staatlich angeordnet. Der Gesetzgeber wollte wissen, wie viele Menschen genau in Deutschland leben und welche Bedürfnisse sie haben. Weite Teile der Bevölkerung unterstützten dieses Vorhaben. Doch es gab auch Vorbehalte. Eine Minderheit glaubte, es handele dabei um eine Schnüffelei im Privatleben. Repräsentiert wurde diese Minderheit von der ersten Generation der Grünen, die noch recht wild war. 

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Als Leiter der Dortmunder Meldebehörde war ich zuständig für die Durchführung der Maßnahmen in unserer Stadt und deshalb eine Reizfigur für die Gegner, wie ich in vielen hitzigen Debatten zu spüren bekam. Doch ich hatte keinen Spielraum, ich war ja von Amts wegen verpflichtet, die Volkszählung zu organisieren. Nun war ich in Personalunion auch Sportdezernent der Stadt und somit Hausherr des Westfalenstadions – eine Konstellation mit skurrilen Folgen. Am Morgen des Tages vor dem Spiel des BVB gegen den Hamburger SV rief mich der Stadionwart an und rief ganz außer sich: »Herr Rüttel, kommen Sie mal hier her. Ich muss Ihnen was zeigen.«

Negativpropaganda auf dem Rasen

Ich traute meinen Augen kaum: Eindringlinge hatten direkt vor der Westtribüne auf den Rasen gepinselt: »BOYKOTTIERT UND SABOTIERT DIE VOLKSZÄHLUNG«. Das war ein Hammer! Auf gar keinen Fall durfte ich es dazu kommen lassen, dass diese Negativpropaganda bundesweit ausgestrahlt würde. Doch die Farbe war nicht zu entfernen, auch Rasenmähen half nichts – ich hätte das Spiel, das schon ausverkauft war, absagen müssen. Ich setzte mich also mit meinen Mitarbeitern zusammen, um nach einem Ausweg zu suchen. Einem kam die rettende Idee: »Wir könnten einfach ein NICHT hinten dran hängen!« Und ich setzte noch einen drauf: »Wir schreiben DER BUNDESPRÄSIDENT davor!« Ich rief schnell beim Referenten des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker an, um mir grünes Licht zu holen. Schon eine Stunde später bekam ich es: Herr von Weizsäcker habe sich köstlich amüsiert und sei einverstanden mit unserem Plan. Am nächsten Morgen fingen wir also fleißig an zu pinseln. Die Zuschauer kamen, sahen den Spruch, und ich ließ bekannt geben, dass es sich um eine ins Positive umgedeutete Negativparole handele. Auch der damalige Einpeitscher der Grünen war zugegen, der sonst nie bei einem Fußballspiel war.

Die Grünen schlagen zurück

Stellen Sie sich mal sein Gesicht vor! Sagen wir: Es war eine Überraschung für ihn. Die Geschichte ging durch ganz Europa, überall wurde geschmunzelt. Ich ahnte jedoch, dass man sich an mir rächen würde. Mein Antrag auf Polizeischutz wurde dennoch abgelehnt. Zu Unrecht: Eines Nachts, ich lag schon im Bett, hörte ich einen furchtbaren Knall. Ich eilte ins Erdgeschoss und sah, dass jemand die Terrassentür mit einem Vorschlaghammer zertrümmert und in meinem Wohnzimmer einen Eimer Buttersäure ausgekippt hatte. Der Schrank, das Ledersofa und der gute Perserteppich waren ruiniert. Es dauerte Monate, bis wir den entsetzlichen Gestank aus dem Haus bekamen. Der Teppich, obwohl mühevoll restauriert, erlangte nie wieder seinen alten Glanz zurück. Im Garten, unter der Vogeltränke, fanden wir ein Bekennerschreiben: »Das haben Sie jetzt von Ihrer Volkszählung, Rüttel!« Die Täter wurden nie gefasst. Ich hatte zwar einen Verdacht, doch beweisen konnte ich nichts. Immerhin, es war das zweite Eigentor der Vandalen: Aufgebracht durch das Buttersäure-Attentat und die Aktion im Stadion zuvor, beteiligte sich die überwältigende Mehrheit der Dortmunder an der Volkszählung.

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