Verstärkung oder Panikkauf? Bayerns Neuer Mehdi Benatia

Grandioses Theater

Für knapp 26 Millionen Euro hat der FC Bayern den Marokkaner Mehdi Benatia verpflichtet. Doch ist der Abwehrmann nun eine echte Verstärkung oder doch nur ein überteuerter Panikkauf?

imago

Beim AS Rom dürften sich die Verantwortlichen dieser Tage feixend in den Armen liegen. Nicht etwa, weil sie mit ihrem Innenverteidiger Mehdi Benatia einen Rohrkrepierer an den FC Bayern losgeworden sind. Mag man den Signalen des deutschen Rekordmeisters glauben, ist eher das Gegenteil der Fall. Warum sonst sollte man dem in Frankreich geborenen und ausgebildeten Marokkaner bereits vor seiner ersten Trainingseinheit in Aussicht gestell haben, in Zukunft als Defensivstabilisator bei einer der besten Mannschaften Europas zu agieren? Pep Guardiola erkennt im 1,90-Abwerrammbock offenbar ein Juwel, das nur Wundertrainer wie er erkennen können. Wohlgemerkt, Benatia soll als zentraler Abwehrchef von Weltmeister Jerome Boateng und Fast-Schon-Wieder-Nationalspieler Holger Badstuber agieren.

Ein Zweitligist als Stabilisator?

Das ist ein mächtiges Pfund für einen Spieler, der vor vier Jahren noch relativ unverdächtig bei Clermont Foot in der zweiten französischen Liga kickte, der noch nie in der Champions League gespielt hat und dessen Briefkopf mit nunmehr 27 Jahren nicht ein Titel schmückt. Den, ehe ihn der italienische Mittelklasseklub Udinese Calcio – seit Jahren inoffizieller Träger des Transferspürnase-Prädikats – für eine Ablösesumme von 1,2 Millionen Euro aus dem französischen Fußballunterhaus holte, wohl nur echte Nerds kannten.

Nein, in Rom schlägt man sich derzeit grinsend auf die Schulter, weil man mit Mehdi Benatia die wunderbare Episode eines Transfertheaters abgeschlossen hat, das im Land des Machismo und der Schlitzohrigkeit selbst bei ausgemachten Erzfeinden für anerkennendes Augenbrauenhochziehen gesorgt haben dürfte. Vor der Saison hatte die Roma Benatia für wahnwitzige 13 Millionen Euro aus Udinese gekauft. In der ewigen Stadt wurde Benatia wegen seiner stabilisierenden Wirkung auf die zuvor brüchige Roma-Defensive zu einer Art Publikumsliebling.

Qua seiner Statur ist er ohnehin geschaffen, beim Gegenspieler in Luft und am Boden Angstszenarien auszulösen. Daneben gilt Benatia aber auch als begnadeter Aufbauspieler, der in Rom nach der Balleroberung per Kurzpass blitzschnell in die Offensive umschaltete und so reihenweise Konter einleitete – ganz nebenbei eine Schlüsselkompetenz, die sein neuer Trainer Guardiola bei seinen jetzigen Abwehrrecken Dante und Boateng oftmals schmerzlich vermisst. »Ich hoffe, dass Mehdi Benatia uns in Rom noch lange erhalten bleibt«, mit diesem dezenten Lob erhob Romas Vereinsikone Francesco Totti seinen Abwehrchef schließlich in den Adelsstand des Klubs, die Fans lagen ihm anschließend vollends zu Füßen.




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