Verkommt die Champions League zum Zirkus?

Lack und Leder inklusive

Champions-League-Spieltage sind in dieser Saison vor allem Torfestivals mit Hang zum Absurden. Damit verkommt die Königsklasse mehr und mehr zum Zirkus, zudem bildet sich sportlich eine Drei-Klassen-Gesellschaft heraus. Das ist spektakulär, schadet aber dem Sport.

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Die Spieler von Viktoria Pilsen konnten einem einfach nur leidtun. Dabei mühten sie sich im Spiel gegen den FC Bayern redlich, um nicht schon nach dem 0:2-Rückstand in der 37. Minute die Kraft aus den Gliedern fahren zu lassen. Niemand hätte es ihnen angesichts der dramatischen Chancenlosigkeit übel genommen. Doch es blieb ein vergeblicher Versuch, denn das Spiel ähnelte im Laufe der Zeit zunehmend einem miesen US-College-Film, in dem eine Gruppe Sportstreber den pummeligen Klassen-Nerd so lange piesackt, bis der unter der Last des Lebens zusammenbricht. Am Ende standen die kalten Zahlen: 35 zu 1 Torschüsse, 76 Prozent zu 24 Prozent Ballbesitz, fünf zu null Tore. Wer bei diesem Spiel von einem Klassenunterschied sprach, bewarb sich auf den Titel »Untertreibung des Jahres«. Beide Mannschaften spielten in unterschiedlichen Sonnensystemen.

Wie auf einer Klassenfahrt

Parallel spielten sich auch auf den anderen Plätzen in Europas Königsklasse bizarre Szene ab. In Anderlecht etwa pulverisierte Zlatan Ibrahimovic mal wieder alle extra für ihn geschaffenen Superlative und traf vier Mal. Selbstverständlich war jedes Tor so unglaublich, als sei es direkt aus der Konsole entsprungen. Endstand 5:0. Derweil trat in Madrid Cristiano Ronaldo in einen Torwettstreit mit sich selbst. Beim vergleichsweise mühsamen 2:1-Erfolg von Real gegen Juventus Turin traf der schöne Schönling doppelt. Auf seinem Champions-League-Torkonto stehen jetzt sieben Treffer. Nach nur drei Spielen. München, Paris, Madrid – alle drei Klubs führen ihre Gruppen ungeschlagen und mit einer zweistelligen Tordifferenz an. Für so viel Dominanz zahlen manche Topmanager viel Geld. Lack und Leder inklusive.

Und doch ist das Szenario absurd. War die Champions League nicht ursprünglich als Wettbewerb der besten Mannschaften Europas gedacht? Davon ist die Königsklasse mittlerweile meilenweit entfernt, vielmehr verkommt sie zu einer Drei-Klassen-Gesellschaft. Oben stehen die immer gleichen acht bis zehn Topklubs, die Sommer für Sommer mit unfassbaren Summen ihre Kader hochjazzen. Mittendrin ist viel graue Masse: Olympiakos Piräus, Ajax Amsterdam, Schalke 04 und wie sie alle heißen. Unten stehen die Klubs, für die die Königsklasse ohnehin zu einer Klassenfahrt geworden ist, auf der man besser das hilflose Opfer mimt und versucht ohne psychische Spätfolgen nach Hause zu kommen.

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