20.08.2012

Vergessene Ausreden nach peinlichen Niederlagen

Der Ball, die Fans und sowieso

Favoritensterben im DFB-Pokal: Seit einer gefühlten Ewigkeit sind nicht mehr so viele Erstligisten in der ersten Hauptrunde aus dem Pokal geflogen. Jetzt beginnt die Suche nach den Gründen. Wie plädieren in diesem Fall für die gute, alte Ausrede.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Eigentlich muss man Armin Veh gratulieren. Ja okay, seine Mannschaft ist zwar in der ersten DFB-Pokalrunde gegen einen – mit Verlaub – mittelklassigen Zweitligisten aus Aue ausgeschieden (Endstand 3:0), aber wenigstens hat er sich nicht in langweiligen Fehleranalysen verstrickt oder Schockstarre simuliert. Nein, er hat das getan, was jeder von uns in so einer peinlichen Situation getan hätte: Er hat hastig nach einer Ausrede gesucht. Nun gut, allzu glaubwürdig war das Ganze nicht, aber immerhin: »Es war ziemlich heiß, das war ein Problem für uns«, hat er gesagt und damit damit dem halben Land aus der Seele gesprochen. War ja auch heiß, puh. Sahara-Hitze. Mindestens. Also wirklich, wer sich das ausgedacht hat, bei so einem Wetter überhaupt Fußball zu spielen, der muss ein Menschenfeind sein. Und während andere schön am See lagen, mussten die armen Profikicker wirklich arbeiten. Eine Ungerechtigkeit. Nur gut, dass es da einen Trainer gibt, der seine Jungs in Schutz nimmt. Und wer jetzt noch frei von Schweiß ist, der werfe den ersten Stein. Na? Deswegen plädieren wir für mehr Ausreden, um die Fans zu beruhigen und präsentieren hier schon Mal ein paar echt glaubwürdige Alibis für die nächste Niederlage:

»Diese Kulisse hat uns heute zu sehr beeindruckt«
Kommt besonders gut bei unerwartet hohen Niederlagen auf dem Dorfsportplatz eines Sechstligisten. Wer versteht nicht, dass sich Profis, die sich ansonsten regelmäßig vor 50.000 enthemmten Fans präsentieren dürfen, erst einmal an eine Minikulisse von maximal 3000 Zuschauern gewöhnen müssen? Das dauert bei diesen hochsensiblen Sportmaschinen eben seine Zeit, manchmal sogar länger als 120 Minuten. Und was können die armen Spieler dafür, dass sich irgendein Verbandsboss vor Jahrhunderten überlegt hat, dass ein Fußballspiel dann nun mal vorbei ist. Genau: nichts.

»Der Druck auf die Jungs war unmenschlich«
Jahresgehalt, Ablösesumme, Privatwagen, Urlaubsort – heute kennt jeder Fan die intimsten Details seiner Lieblingskicker. Und wer erst einmal weiß, dass der neue Superstürmer tatsächlich drei Millionen Euro im Jahr nach Hause bringt, der hat eben auch einen gewissen Anspruch an diese hochgelobte Sturmhoffnung. Zumindest kann man aber erwarten, dass er in einem Pokalspiel gegen eine No-Name-Truppe wenigstens einen Ball stoppen kann oder nicht über die eigenen Beine stolpert. Klappt nicht mal das, tut der Trainer gut daran, eine Grundsatzdiskussion über Druck im Fußball zu entfachen. So etwas nennt sich Nebenkriegsschauplatz, quasi der Rauchtopf unter den Ausreden. Wir wetten, irgendwer springt schon auf dieses dankbare Thema an und vergisst, dass die eigene Mannschaft einfach nur grottenschlecht und überheblich gespielt hat.

 
 
 
 
 
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