Verehrt und verlacht: Frankreichs Karim Benzema

Beruf: BBC-Torjäger

In Lyon galt er einst als »Wunderkind«, nach dem Wechsel zu Real Madrid als Transfer-Flop. Inzwischen ist Karim Benzema bei den Königlichen zum Star avanciert. In »Équipe Tricolore« hat er trotzdem einen schweren Stand.

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Will man Karim Benzemas zurückliegende Saison bewerten, könnte man zu dem unumstrittenen Fazit kommen: Seine zehnte Profi-Saison war die bisher beste. Wer nach den Gründen für den Höhenflug des Franzosen sucht, könnte etwa auf den Wechsel seines ehemaligen Sturm-Konkurrenten Gonzalo Higuaín im Sommer 2013 von Real Madrid zum SSC Neapel kommen. Seit der Argentinier weg ist, blüht Benzema auf.

»Er konnte sein Potenzial endlich ausschöpfen«, sagt Grégory Coupet. Der frühere Nationaltorhüter Frankreichs stand im Dezember 2004 im Tor, als der damals 17-Jährige Benzema sein Debüt bei den Profis von Olympique Lyon feierte. »Für mich ist er ein kompletter Angreifer. Er besitzt die Technik und die mentale Stärke, um Frankreichs bester Stürmer der jüngeren Geschichte zu werden.«

Gérard Houllier vertraute dem 17-Jährigen

Bei Real Madrid hat Benzema das zuletzt untermauert. In den vergangenen zwei Spielzeiten hat er in 103 Spielen 56 Tore erzielt. »Sein Einfluss ist stärker geworden. Er wirkt gelassener und selbstbewusster«, so Coupet. Und dass, obwohl die Anforderungen an den klassischen Mittelstürmer gestiegen sind. Benzema ist eigentlich ein Vertreter dieser aussterbenden Spezies. Bei Real muss er nun vor allem Räume schaffen und seine kongenialen Sturmpartner Cristiano Ronaldo und Gareth Bale in Szene setzen, ihre Zuspiele aber gleichzeitig auch im Strafraum verwerten.

Dass sein Weg einmal in die Weltspitze führen würde, daran zweifelte in Frankreich zunächst niemand. Mit neun Jahren ging Benzema zu Olympique Lyon. Spieler wie Coupet hatten längst von ihm gehört, als er später in den Reservekader aufrückte. Ein 15-Jähriger, der fast 40 Tore in nur einer Saison im U16-Team schießt, bleibt nicht unbemerkt. Als es schließlich um eine Ergänzung zum Sturm-Duo Fred und John Carew ging, sprach sich Lyon-Trainer Gérard Houllier für das Talent aus dem eigenen Stall aus.

Bereits kurz nach seinem 17. Geburtstag startete Benzema voll durch. Für Lyons Reserve erzielte er zwölf Treffer in 14 Spielen und steuerte Anfang 2005 beim 2:0-Sieg der Profis über den FC Metz seinen ersten Assist bei. Coupet schildert die ersten Eindrücke: »Er war ein Widerspruch in sich. Außerhalb des Feldes war er sehr zurückhaltend, aber auf dem Platz war alles anders. Normalerweise haben die Jungs noch viel zu lernen, wenn sie in den Profikader aufrücken, vor allem taktisch und konditionell. Sein Selbstbewusstsein und seine Explosivität waren aber beeindruckend.«

Feuertaufe im »Choc des Olympiques«

Auf sein erstes Tor als Profi musste Benzema bis zum Ende des Jahres 2005 warten. Am 6. Dezember traf er beim 2:1-Sieg über Rosenborg Trondheim in der Champions League. Wie so oft damals, war er von der Bank ins Spiel gekommen. Am 4. März 2006, im Spiel gegen Ajaccio, erzielte er seinen ersten Ligatreffer von insgesamt 43 Toren in 112 Ligue- 1-Spielen. In der Champions League kam Benzema auf eine beeindruckende Quote von zwölf Treffern in 19 Spielen für Lyon. Houlliers Vertrauen hatte sich ausgezahlt. Der Jungstürmer selbst schien hingegen unbeeindruckt ob seines eigenen Aufstiegs zu sein.

Als Lyon im Oktober 2006 zum »Choc des Olympiques« in Marseille antrat, wurde Benzema früh für den verletzten Fred eingewechselt. Die Feuerprobe. Unbeeindruckt von der hitzigen Atmosphäre im Stade Vélodrome sorgte er mit seinem Volleytreffer für die Vorentscheidung. Folgerichtig geriet Benzema schnell ins Blickfeld der »Équipe Tricolore«. Am 28. März 2007 ersetzte er im Spiel gegen Österreich Djibril Cissé – und erzielte den einzigen Treffer des Spiels. Im Nationalteam war er dennoch nie unumstritten. In Spielen der »Les Bleus« konnte er eher selten auf sich aufmerksam machen, viele Fans störten sich an den zuweilen lässigen Auftritten.

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