20.06.2014

Uruguays Luis Suarez schießt England an den Abgrund

Vaterland vor Wahlheimat

Was für ein Krimi in Sao Paulo! Uruguays Starstürmer Luis Suarez schickt England mit seinen zwei Toren wohl nach Hause. Da hilft nicht einmal der erste WM-Treffer von Wayne Rooney.

Text:
Sven Goldmann
Bild:
imago

In England mögen sie ihn nicht, weil er kratzt und beißt und tritt, also den Fußball nicht gerade als Spiel der Gentlemen interpretiert. Am Donnerstag hat Luis Suárez noch ein bisschen mehr für seine Unbeliebtheit getan, aber das war ihm herzlich egal, denn es ging um etwas Höheres, nämlich die Ehre des Vaterlandes. Kurz vor der Pause des zweiten Spieltags der Vorrundengruppe B erzielte der Mann, den sie »El Pistolero« nennen, beide Tore zu Uruguays 2:1-Sieg über England. Eines sanft mit dem Kopf, eines knallhart mit dem Fuß.

Diese beiden Tore verschaffen dem ersten aller Weltmeister nach einem völlig missratenen Start jetzt wieder beste Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale der WM von Brasilien. Für England aber dürfte das Turnier nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel wohl schon ein frühes Ende finden.

»Ich habe das geträumt und das genieße ich im Moment sehr. Der Druck war so groß. Wir wurden in der Heimat sehr kritisiert, das ist unsere Antwort«, sagte Suarez. »Da ist erstmal nur Freude und Erleichterung. Aber noch haben wir nichts erreicht, wir haben noch ein Finale gegen Italien vor uns«, meinte Edinson Cavani. Englands Teammanager Roy Hodgson sagte: »Das ist ein ganz schlechtes Resultat. Jetzt müssen wir darauf hoffen, dass Italien seine beiden Spiele gewinnt. Wir haben alles versucht, aber es hat nicht gereicht. Das ist sehr traurig.«

Ein medizinisches Wagnis

Es war vor 62.575 Zuschauern im Itaquerao von Sao Paulo ein ganz besonderes Tor für den vielleicht besten Stürmer der Welt. Schließlich spielt er im Alltag für den FC Liverpool, dessen Kapitän Steven Gerrard auch Englands Kapitän ist. Außerdem war sein Einsatz ein medizinisches Wagnis. Es war nämlich sein erstes Spiel seit mehreren Wochen, seit einer Knieverletzung, erlitten im Trainingslager vor der Weltmeisterschaft. Suárez hatte dann auch gleich zwei gute Szenen, als er sich erst an der Grundlinie durchmogelte und mit seiner Eingabe die erste Verwirrung in der englischen Verteidigung provozierte. Den daraus folgenden Eckstoß schoss er selbst, mit viel Effet und Raffinesse auf den kurzen Pfosten, wo Torhüter Joe Hart einige Mühe hatte, die Szene zu klären.

Suarez hatte allein in der ersten Viertelstunde mehr gute Szenen als sein Kollege Cavani im gesamten Spiel gegen Costa Rica, aber die erste richtige, ja große Chance hatte England. Sie resultierte aus einem Handspiel von Diego Godín. Den fälligen Freistoß trat Wayne Rooney, und er trat ihn so gut, dass Torhüter Fernando Muslera traurig hinterherschaute. Ein paar Zentimeter nur flog der Ball am linken Tordreieck vorbei. Noch näher dran war Rooney, als er nach Steven Gerrards Freistoßflanke höher sprang als Martin Caceres und den Ball einen Meter vor dem Tor an die Latte köpfte. Auf der anderen Seite sauste ein Direktschuss von Cristian Rodriguez über das Tor.

 
 
 
 
 
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