25.03.2014

Unterwegs mit Roter Stern Leipzig

Post-Punk

Der linke Fußballklub Roter Stern Leipzig wurde durch Übergriffe von Nazis in der sächsischen Provinz unfreiwillig bekannt. Vor zwei Jahren stieg der Verein in die Stadtliga ab. Seitdem ist es ruhiger geworden, dabei hat sich der Verein in Leipzig etabliert.

Text:
John Hennig
Bild:
John Hennig

Die Zeit scheint stehen geblieben am südlichen Ende Leipzigs. Der Sportpark Dölitz ist gut versteckt. Die enge Auffahrt, eine Lücke zwischen zwei schmucklosen Häusern an der Durchfahrtstraße, an den Wänden ein Lotto-Schild und Hinweise auf einen Reifen-Service, auf dem Hinterhof dann ein unscheinbarer Zweckbau gegenüber einer Werkstatt, Reifenstapel, Kleingärten.

Erst hinter der verschlossenen Durchfahrt am Ende eines Schotterweges ist der Fußballplatz zu erahnen. Und auf dem ist der Rote Stern Leipzig auch nur zu Gast, wenn es gegen die Leipziger Stadtteilvereine Ost, Nordwest oder Südwest geht. Dabei hat sich das betont anti-diskriminierende und anti-rassistische kultur-politische Sportprojekt in Leipzig zu einem der wichtigsten Fußballvereine entwickelt.

Prügel im wörtlicheren Sinne

Bis vor zwei Jahren spielte der Rote Stern noch in der Bezirksklasse und sogar ein Jahr Bezirksliga. Doch das war für den Verein aus dem alternativen Stadtteil Connewitz die härteste Zeit: »Wir hatten im Nachhinein betrachtet leider nicht die beste Mannschaft unserer Vereinsgeschichte beisammen«, schaut Trainer Thomas Knopf auf das Sportliche. Dabei gab es die Prügel durchaus im wörtlicheren Sinne.

Die Auswärtsfahrten durch die sächsische Provinz wurden zu Spießrutenläufen, für Mannschaft und Fans. In Mügeln und Brandis mussten Spiele abgebrochen werden, ein Sympathisant des Roten Sterns verlor sein Augenlicht. Die Sicherheitsmaßnahmen gerieten vollkommen aus dem Ufer, erinnert sich Knopf: »Wir spielten oft unter Polizeischutz, bei einem Auswärtsspiel mussten wir vor der Anreise unsere Kfz-Kennzeichen und Namen angeben, um auf den Parkplatz zu kommen.«

Beim Roten Stern haben sie sich mit der Stadtliga arrangiert. »Hier können wir uns aufs Wesentliche konzentrieren«, findet Knopf, »auch wenn wir sportlich natürlich Ziele haben.«

Alltägliche Sorgen eines Amateur-Vereins

Am vergangenen Sonntag ging es im Viertelfinale des Stadtpokals mal wieder raus aus dem Stadtgebiet, bis nach Zwenkau, 20 Kilometer südlich von Leipzig. Auch hier musste ein Hubschrauber anrücken, allerdings aus anderen Gründen: Mittelfeldspieler Janis Lutz, in der Jugend immerhin beim SV Darmstadt 98 ausgebildet, hatte sich unglücklich schwer am Knie verletzt. »Das ist wirklich Mist. In zwei Jahren hat er bei uns keine fünf Spiele gemacht«, erzählt Knopf nach dem letztlich souveränen 3:0-Erfolg. Der Rote Stern kämpft zurzeit nur noch mit den ganz alltäglichen Sorgen eines Amateurvereins. Polizei ist in Zwenkau nicht präsent und auch nicht nötig.

 
 
 
 
 
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