Unterwegs mit Jürgen Klopp

Kloppo beats Eierbrötchen

Unterwegs mit Jürgen Klopp »Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön« – ein immer noch gerne gesungener Evergreen zahlloser Jugendfahrten. Sorgte früher das im Omnibus ausgepackte Eierbrötchen bei 40 Grad Innentemperatur in der spanischen Sonne für leichte Reibungen innerhalb der Reisegruppe, ist es an  diesem Morgen höchstens der graue Himmel über Dortmund, der die Stimmung trübt. Trotzdem strahlen fünf glückliche Dortmunder Fans um die Wette: Sie dürfen ihrem Liebling Jürgen Klopp ihre Lieblingsplätze der Stadt zeigen.  

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Der Trainer tritt dabei entspannt auf, er sorgt mit seinem charmanten Auftreten und den markigen Sprüchen für gute Stimmung an Bord des amerikanischen Schulbusses, den der Sponsor für diesen Termin angemietet hat. Der diplomierte Sportwissenschaftler mimt nicht den Lehrer, sondern vielmehr den coolen Betreuer, der für alle ein offenes Ohr hat. Dass zwei Tage zuvor endlich wieder gewonnen wurde, war sicherlich förderlich für seine Gemütsverfassung. Denn häufig genug hatte man zu Beginn der neuen Spielzeit einen wütenden, einen enttäuschten Jürgen Klopp gesehen – trotz oder gerade weil das Jahr des 100-jährigen Vereinsbestehens sportlich doch so gut begonnen hatte.  

Eierbrötchen bei 40 Grad sorgen für leichte Reibungen

Nach schleppendem Beginn kam der BVB richtig ins Rollen, eine eingespielte Mannschaft sackte sieben Siege am Stück ein und verpasste den kaum noch für möglich gehaltenen Einzug in die neu eingeführte Europa League nur denkbar knapp am letzten Spieltag.  Dennoch überwog die Euphorie und die Vorfreude auf kommende Zeiten, Klopp schien der erste Dortmunder Trainer seit Ottmar Hitzfeld, der seinen Abgang wenn überhaupt selbst bestimmen könnte. Für die Fans hat sich zumindest das bis heute kaum geändert. Die Darbietungen der Mannschaft allerdings schon.  

Verletzungspech und Formschwächen führten zu stetig wechselnden Formationen, junge Spieler wie Sahin oder Santana zeigten schwankende Leistungen. Dazu kamen Schwächeperioden zentraler Spieler wie Weidenfeller, Subotic oder Hajnal. Nun war der Start in die letzte Spielzeit auch alles andere als reibungslos, und zur neuen Runde kamen auch noch unglückliche Spielverläufe hinzu. Dennoch musste sich Jürgen Klopp ersten kritischen Fragen stellen. So wirkte der Wechsel von Publikumsliebling und Torjäger Alexander Frei zu Lucas Barrios und Dimitar Rangelov bislang ähnlich glücklich wie ein blau-weißes Auswärtstrikot der Borussia. Kapitän Sebastian Kehl, im Siegesrausch des Vorjahres noch einer der überragenden Spieler, fehlt die gesamte Saison bislang verletzt.  Gerade sein Fehlen bezeichnete Geschäftsführer Watzke als zentralen Grund für die dürftigen Ergebnisse, sprach seinem Trainer aber gleichzeitig eine Jobgarantie aus: »Das Vertrauen zu Klopp war und ist grenzenlos. Es gibt nicht ein Promille Unsicherheit.«  

»Nicht ein Promille Unsicherheit«

Klopp hat sich innerhalb eines Jahres eminent wichtig für die Borussia gemacht. Er ist einer der wenigen Trainer der Liga, der sympathische Ausstrahlung mit fachlicher Kompetenz zu verbinden vermag. Nicht umsonst ist er einer von nur zwei Übungsleitern, dem vom Ausstatter eine eigene Kollektion zugedacht wurde. Das klingt nicht wirklich unglaublich sensationell. Aber der andere Trainer heißt Thomas Schaaf, seines Zeichens bereits im zehnten Jahr Trainer in Bremen. Planungssicherheit auf der Trainerposition und ein ausdrucksstarkes Gesicht für die Vermarktung sind positiv für den Verein und nicht zuletzt den Trainer selbst..  

Von einem vorzeitigen Abschied aus Dortmund scheint Klopp momentan aber weit entfernt. Er gibt sich entspannt und offen, als ihm ein Elektriker die eine Pommesbude zeigt, in der die Borussia vor einem knappen Jahrhundert gegründet wurde. Er wirkt ehrlich interessiert, während er mehr über die Stadt erfährt, in der man bei Erwähnung des verhassten Dauerrivalen aus Schalke schon mal »was auf die Krawatte kriegen« kann. Doch wirklich in Fahrt kommt »Kloppo« erst, als der Bus im Signal Iduna Park einfährt. Wenn er anfängt, über die letzten 30 Minuten bis zum Anstoß zu reden. Wenn er die Reisegruppe, deren Führung er nun doch übernommen zu haben scheint, durch die Dortmunder Katakomben führt und erklärt, wie die Abläufe einer Profimannschaft so funktionieren. 

Klopp gibt den Fans, was sie brauchen

Konnten die Fans ihrem Trainer an diesem Tag einmal etwas von »ihrer« Welt zeigen – in diesem Moment gibt er ihnen genau das zurück, was sie in Dortmund möchten und brauchen: Leidenschaft für den Fußball. Und das hätte ihnen heute weder der einsetzende Regen noch irgendein Eierbrötchen dieser Welt nehmen können.      

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