Unterwegs mit Galatasaray-Fans

Willkommen in der Hölle

Die Fanszene von Galatasaray ist eine der größten und lautesten weltweit. Wir haben die Anhänger begleitet. Eine Erkundungstour von Berlin nach Istanbul.

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Die Suche endet in Istanbul unter der Fantribüne der Türk Telekom Arena. In wenigen Minuten beginnt hier das Derby zwischen Galatasaray und Besiktas, Erster gegen Zweiter. Die Ränge wackeln, junge Männer rennen die Gänge entlang, vorbei an den Köfte- und Börek-Buden, sie stopfen ihre Freunde in den »Pegasus«-Stand, den Fanblock, drücken sich selbst hinterher. Nur Oguz Altay steht einfach da, als ob nichts wäre, trinkt Tee, grüßt Männer in Anzügen, Jungs mit Schals, Küsschen links, Küsschen rechts. Er sieht aus wie eine Figur aus einem Film mit Al Pacino: Glatze, Dreitagebart, klare, strenge Gesichtszüge. Er ist der Mann mit dem Plan, der Pate, 45 Jahre alt, der Chef der größten Ultragruppe der Welt. Sie nennen sich »UltrAslan«, die Löwen-Ultras, sie unterstützen Galatasaray SK.

Altay ist in Begleitung von fünf Männern mittleren Alters in schwarzen Mänteln, Männern mit prüfenden Blicken. Als Altay nickt, sagt einer: »Er hat nun Zeit.« Der Händedruck ist fest. Er fragt: »Chai?«, und dann sagt er: »Bitte schreiben Sie mit!« Oguz Altay wünscht keine faktischen Fehler, denn die Struktur seiner Gruppe ist so komplex wie die eines internationalen Großkonzerns. In Kurzform liest sich das so: »UltrAslan« wurde wenige Monate nach Galatasarays UEFA-Cup-Gewinn im Jahr 2000 gegründet. Damals diskutierten 25 Leute über eine Bündelung der Kräfte und eine internationale Ausrichtung der Fanszene.

Chefs, Co-Chefs, Lenker, Koordinatoren, Vertreter

Heute ist »UltrAslan« alleine in der Türkei in 82 Städten vertreten, gegliedert in unterschiedliche Gruppen. Subchapter gibt es in Sportvereinen und Schulen, es gibt die harten Jungs der »Boys of Hell 34«, die gemäßigten Fraktionen an den Universitäten oder die Choreoleute und Allesfahrer. »UltrAslan« hat Vertreter in 60 Ländern auf fünf Kontinenten, in London, in Oslo, in Buenos Aires, New York oder Abu Dhabi. In Deutschland gibt es sie in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Baden-Württemberg und Bayern. Überall sitzen Manager, Chefs, Co-Chefs, Lenker, Koordinatoren, Vertreter, überall gibt es Gremien und Ausschüsse, alles ist strikt hierarchisch strukturiert.

Die jüngeren Fans hören gebannt zu, während Oguz Altay dieses Imperium erklärt und Sätze sagt wie: »Wenn jemand einen Fehler macht, wird er alles tun, um ihn zu beheben, denn er weiß, dass ich eines Tages vorbeikommen werde.« Im Halbkreis stehen sie um ihn herum, manche kennen ihn persönlich, andere nur aus dem Fernsehen. Altay ist das Gesicht der Bewegung, er kennt Trainer Fatih Terim und die Mitglieder des Vereinspräsidiums. Wer mit Altay in Kontakt treten will, braucht allerdings einen Bürgen, er muss von unten nach oben empfohlen werden. Und am Ende hebt Altay den Daumen – oder auch nicht.

»Brauchst du ein Auto?«

Eine Woche vor dem Derby sitzen elf Männer im »Café Sunshine« in Berlin-Kreuzberg vor einem Flachbildfernseher. Galatasaray verliert an diesem Abend 1:2 gegen den kleinen Istanbuler Stadtteilverein Kasimpasa. Die jungen Männer schimpfen ein wenig, die alten Männer füttern die Spielautomaten. Heute ist nicht viel los.

Das »Sunshine« ist eines dieser typisch türkischen Kulturcafés in Kreuzberg, bei denen man nie so recht weiß, ob man willkommen ist, wenn man die Tür öffnet. Der untere Teil der Fenster ist mit Folie zugeklebt, von der Decke strahlt kaltes Licht auf spärliches Holzinterieur. Es mag wie eine Geheimloge wirken, doch eigentlich ist es hier heimelig. Die Männer an der Theke fragen: »Tee?« oder »Kaffee?« oder »Brauchst du ein Auto?«

Das Café ist das Klubheim des Berliner Chapters der »UltrAslan«. Ihr Chef Ozan Eser ist heute allerdings nicht da, er muss arbeiten. Ihm gehört ein Geschäft für Malerbedarf am Schlesischen Tor. Aber er kommt am Mittwochabend gegen Spandau 04, sagen die Männer. Spandau 04? »Wasserball! Wir sind überall, wo Galatasaray spielt.«

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