Unterwegs mit einem Real-Madrid-Fanklub aus München

Verbrüderung in Straßenbahn 302

Real Madrid gewinnt 6:1 auf Schalke. Demütigend für Schalke-Fans – wohltuend für die Madridistas. Etwa 3000 Real-Fans waren im Stadion. Wie haben sie den Tag erlebt? Unterwegs mit einem Fanklub aus München.

Stephan Knieps & Imago

Acht Stunden und 57 Minuten bevor Cristiano Ronaldo per Hacke Karim Benzema das erste Tor auflegt, steigt Enrique Viturro am Gelsenkirchener Hauptbahnhof aus der S-Bahn und denkt: Wo ist das Champions-League-Gefühl? Es ist Punkt 12 Uhr, und Enrique Viturro, 36 Jahre alt, weißes Trikot über grauem Kapuzenpullover, ist »schlecht überrascht«. Viturro ist Vorstandsmitglied des Fanklubs »I Pena Madridista de Munich«.

Für das Champions-League-Achtelfinalhinspiel ist er mit Münchner Madrid-Fans nach Schalke gekommen. Sie sind über sechs Stunden unterwegs mit der Bahn, mit Umstiegen in Kassel-Wilhelmshöhe und Dortmund, und jetzt legt sich ihnen die Gelsenkirchener Fußgängerzone zur Mittagszeit in ihrer ganzen Pracht dar: keine Fans, keine Gesänge, alles grau. Sie sind etwas ernüchtert und spazieren erst einmal die Hauptstraße entlang.
 
Auf der Homepage von Real Madrid sind für »Alemania« drei offizielle Real-Madrid-Fanklubs registriert: einer in Stuttgart, einer in Stolberg bei Aachen und jener in München. Der Münchner »Pena« (spanisch für: Fanklub) wurde 2009 gegründet. Eigentlich erstaunlich, wie lange Fußballfan Viturro brauchte, um ihn überhaupt zu entdecken. Viturro ist gebürtiger Galizier, aber aufgewachsen ist er in Spaniens Hauptstadt. Damals, so sagt es Viturro, musste man sich entscheiden: entweder FC Barcelona oder Real Madrid. In seiner Jugend, Ende der achtziger Jahre, feierte Real Madrid eine sehr erfolgreiche Zeit, wurde fünfmal in Folge spanischer Meister. Viturro wurde ein Madridista.

Zwei Erzfeinde: Bayern und Barcelona

Er studierte Biochemie, machte seinen Doktor. 2005 kam er nach Deutschland und fand einen Job an der TU München als Forscher für Milchwissenschaft. Aber als Madridista ausgerechnet in der Stadt des deutschen Rekordmeisters? »Wir haben zwei Erzfeinde«, sagt Viturro: »in Spanien ist es Barca, in Europa ist es Bayern München, la bestia negra.« Viturro, so viel stand fest, brauchte hier Unterstützung.
 
Hilfe kam in Form der spanischen Ausgabe der TV-Sendung »Die Auswanderer«: Ein Fernsehsender begleitete einen Spanier, der nach München ausgewandert war. Während der Sendung sah man ihn auch Fußball gucken, mit anderen Madridistas, mitten in München. Viturro zögerte nicht, fand den Klub und wurde sofort Mitglied. »Ich bin eigentlich ein Quereinsteiger in unserem Verein«, sagt er, »aber als ich dann erst mal drin war, war ich auch sofort im Vorstand«.

»Sie fanden uns wohl exotisch«
 
Sechs Stunden bevor Cristiano Ronaldo per Hacke Karim Benzema das erste Tor auflegt, singen und tanzen die Real-Fans auf dem Gelsenkirchener Neumarkt. Die Münchner haben einen Real-Fanklub aus Weißrussland gefunden. Zusammen hängen sie ihre weißen Fahnen über das Grau, trinken Bier und skandieren: »Madrid! Madrid!« Inzwischen sind auch andere Mitglieder der Münchner »Pena« eingetroffen. Manche sind mit dem Auto gekommen, andere sogar mit dem Flugzeug. Ihr Rückflug geht um 6 Uhr morgens. Über 30 Klub-Mitglieder sind aus Bayern angereist. Viele Gelsenkirchener, so erzählt es Viturro, bleiben nun stehen und fotografieren die Fans. »Sie fanden uns wohl exotisch«, sagt er. Langsam kommt das Champions-League-Gefühl.

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