17.06.2012

Unterwegs mit Anhängern des Fanclubs Nationalmannschaft

Unter Deutschen

Der Fanclub Nationalmannschaft wird heute zehn Jahre alt. Wir gratulieren! Und blicken zurück auf einen Trip durch die Ukraine zur EM 2012: Von Kiew nach Charkiw und zurück.

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Andreas Bock

Rico Jakob hat Urlaub. 18 Tage. Mehr geht nicht, hat sein Arbeitgeber gesagt. Bei der WM in Südafrika war das ein großes Problem, Rico musste noch vor dem Halbfinale nach Hause fliegen. Doch die EM ist nicht so lang, da reichen diese 18 Tage aus. Heute geht es nach Charkiw, moderner Doppeldeckerbus, Sitzgruppen mit Tisch, Toilette im Gang, kleine Küche, Klimaanlage. Es ist fünf Uhr morgens und Rico tut das, was man im Urlaub für gewöhnlich nicht tut: Er arbeitet. Rico Jakob ist Betreuer des Fanklubs »Sektion Mitteldeutschland«.

Viele der Mitfahrer haben durchgemacht, durchgefeiert, was auch immer. Sie waren in der Disko oder der Karaoke-Bar, es gab Wodka, Bier, laute Musik. Doch Ruhe ist jetzt immer noch nicht. Denn Michael, der hinter Rico sitzt, redet unaufhörlich. Er kommt aus Rügen. Aus einer Sitzreihe tönt es: »Ich habe noch nie 'nen Fischkopf getroffen, der so viel sabbelt wie du!« Aus einer anderen: »Sach mal, was ist denn jetzt mit deiner Prinzessin von gestern Abend?«

Rico würde jetzt auch gerne schlafen. Oder wenigstens sabbeln, so wie Michael, und darüber irgendwann einschlafen. Doch er muss noch ein paar Dinge klären. Vor ihm liegen Mappen und Zettel, Reiserouten, Hotelunterkünfte, Stadtpläne. In Kiew hat die Gruppe in einem Studentenhostel übernachtet. Rico regt sich über die Berichterstattung im Vorfeld auf. Einige Zeitungen hatten geschrieben, dass die ukrainischen Studenten aus ihren Wohnheimen vertrieben würden, damit die ausländischen Fans billig unterkommen könnten. »Das war doch Quatsch«, sagt Michael. Und Rico sagt: »Die Studenten haben eh Semesterferien, die sind freiwillig zu ihren Eltern zurück.«

Rico ist 32 Jahre, trägt Kurzhaarfrisur, T-Shirt, Turnschuhe, ein sachlicher Typ, Fan vom FSV Zwickau. Sein Sprichwort lautet: »Neues begegnet nicht dem, der herumsitzt, sondern dem, der reist!« Er war in Wien, Tashkent, Baku, Astana, Bukarest, Johannesburg, Rio de Janeiro. Er ist überall dort, wo die DFB-Elf spielt.

Die »Sektion Mitteldeutschland« ist Teil des »Fan Clubs Nationalmannschaft«. Auf der Homepage wirbt dieser mit dem Slogan »Leidenschaft, Gemeinschaft, Emotionen«. Darüber sind zwei Deutschland-Fans abgebildet, die ihre Gesichter mit schwarz-rot-goldener Schminke angemalt haben. Sie tragen Deutschland-Perücken. Gesponsert wird der »Fan Club Nationalmannschaft« von Coca-Cola. Hier im Bus trinken die Leute ukrainisches Wasser, einige haben Deutschland-Trikots an, eine Perücke trägt niemand.

 
 
 
 
 
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