Unterlassungsklage stattgegeben

Schlappe für Hartplatzhelden

Der 8. Mai 2008 könnte als schwarzer Tag in die Geschichte des Amateurfußballs eingehen. Das Landgericht Stuttgart gab einer Unterlassungsklage gegen die Internet-Plattform »Hartplatzhelden« statt. Doch die Betreiber wollen kämpfen. Unterlassungsklage stattgegebenImago Das Internetportal hartplatzhelden.de hat in der ersten Instanz eine Niederlage gegen den Württembergischen Fußballverband (WFV) einstecken müssen. Das Landgericht Stuttgart gab heute der Unterlassungsklage des Verbandes statt, die es dem Portal verbieten soll, Fußballvideos aus dem Bereich des WFV zu veröffentlichen. Der Verband hatte argumentiert, hartplatzhelden.de verletze mit der Veröffentlichung von Bildern aus den unteren Ligen seine exklusiven Vermarktungsrechte.

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Der Mitbegründer der Seite, Oliver Fritsch, kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Bis die Entscheidung rechtskräftig sei, wolle man das Hochladen von Spielszenen zunächst weiter zulassen und werde auch keine Videos entfernen.

Seit November 2006 gibt es die Internet-Plattform. Dort können User ihre Videos aus dem Amateurfußball unterhalb der Oberliga hochladen und einer großen Öffentlichkeit zugänglich machen. Die schönsten Tore und Torwartparaden, die bösesten Fouls und die am kläglichsten vergebenen Chancen werden monatlich von einer hochkarätigen Jury prämiert und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Oliver Fritsch, der zudem noch die Fußballpresseschau »Indirekter Freistoß« und den Blog »Direkter Freistoß« betreibt, wollte damit eine Art »Sportschau für den Amateurfußball« zur Verfügung stellen und auch für einen Imagegewinn der unteren Ligen sorgen: »Wir wollten den Amateurfußball von seiner schönen Seite zeigen und nicht nur in Verbindung mit Gewalt und Rassismus, mit denen er sonst oft in Zusammenhang gebracht wird.«

So stellte man die Idee auch dem DFB vor, der das Projekt zunächst ausdrücklich begrüßte. Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff forderte die Freizeitkicker per Videobotschaft sogar dazu auf, ihre Beiträge einzuschicken und war Teil der Jury. Auch die einzelnen Landesverbände hatte man angeschrieben und gefragt, ob sie denn nicht eine Kooperation mit der Seite eingehen wollten. Feedback gab es nicht. Lediglich der Brandenburger Verband schickte sein Logo.

Doch schon nach kurzer Zeit war es mit der Harmonie vorbei. Offenbar war man beim DFB, und speziell in manchen Landesverbänden, vom Erfolg der Seite überrascht und versuchte nun, sich die fremde Idee zu Eigen zu machen. Plötzlich gab es auch auf fussball.de, jener Homepage, die die Telekom in Kooperation mit dem DFB betreibt, Videos von Spielszenen der unteren Klassen zu bewundern. Vorher hatten dort nur Bilder und schnöde Spielberichte gestanden. Gleichzeitig reichte der Württembergische Verband seine Unterlassungsklage ein.

Dort würde man wohl sagen, es habe »ein Geschmäckle«, wenn nun der WFV argumentiert, das Internetportal diene lediglich dazu, mit dem DFB-Produkt Amateurfußball Gewinne zu erzielen. Die Rechte an den Videos, die dort hochgeladen würden, gehörten dem Verband. Nur um dies klarzustellen: es geht hier nicht um Hochglanzbilder und Superzeitlupen à la Premiere. Es geht um wacklige Aufnahmen mit der Handkamera, auf denen Väter und Mütter die ersten Tore des Nachwuchses festhalten, um sie danach stolz auf hartplatzhelden.de zu veröffentlichen.

Oliver Fritsch kann über den Vorwurf nur den Kopf schütteln. Momentan investiert er mit seinen Mitstreitern mehr Geld in das Projekt, als es abwirft. Vor allem der Ideenklau ist für ihn aber das Ärgerliche: »Wir haben die Idee gehabt und sie umgesetzt, und jetzt kommt jemand und will sie uns wegnehmen. Wir waren aber zuerst da«, so der 36-jährige, der nebenher als Spielertrainer mit C-Lizenz den mittelhessischen A-Ligisten RSV Büblingshausen betreut.

Sollte der WFV mit seiner Klage Erfolg haben, befürchtet er einen Domino-Effekt, andere Landesverbände würden wohl nachziehen.

Keine guten Aussichten für den Amateurfußball in Deutschland.



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