Unser Typ des Jahres: Peter Neururer

»Pedda, mach kein Scheiß!«

Als Feuerwehrmann bewahrte Peter Neururer den VfL Bochum vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit. In unserer aktuellen Ausgabe #140 erklärt Jurymitglied und Radiolegende Manni Breuckmann, weshalb der Althauer rechtmäßig von der 11FREUNDE-Jury zum »Typen des Jahres« gewählt wurde.

Heft: #
140

Was für eine durchgeknallte Fußballwelt: Im März ist Peter Neururer noch in den Untiefen des »Mobilat-Fantalks« verschollen, im Mai wird er in Bochum als Wunderheiler gefeiert, und im Juli wählt ihn die Jury von 11 FREUNDE zum »Echten Typen«!


Welche Revolutionen haben sich da im östlichen Ruhrgebiet ereignet? Es wurde aus einem desorientierten Abstiegskandidaten innerhalb von Tagen ein selbstbewusster Zweitligist, der sogar gegen das angebliche Kölner Spitzenteam einen Rückstand drehte und das Stadion in die Raserei trieb. Der Regisseur des Spektakels, nach 1257 Tagen in den Profifußball zurückgekehrt, wurde nicht müde, die vermeintliche Hexerei in banale harte Arbeit umzudeuten. Er hatte auf die Struktur des Teams eingewirkt, fünf, sechs Leute als Gerüst etabliert, Paul Freier nach hinten gezogen, ohne Ende Standards trainiert – und mit einer extra Portion Motivation funktionierte die Sache, der VfL Bochum rettete sich vorm Rutsch in die dritte Liga.

In dieser Phase war die andere Facette von »Pedda«, die des Pausenclowns und Sprücheklopfers, kaum wahrnehmbar. Nur am Ende wurde es wieder wie früher, als Neururer sich die Haare vor laufender Kamera blau färben ließ. Und dann gab er einem Internetportal noch ein historisches Interview, in dem er auf ewig Seriosität versprach. Haarefärben, die Tanzerei vor den Fans etc. – »So was wird es mit mir nie wieder geben.«

Mehr als nur Feuerwehrmann

Pedda, mach kein Scheiß, das geht gar nicht! Dann gibt’s nie wieder Jury-Punkte! Aber mal ehrlich: Glaubt irgendeiner an eine fundamentale Veränderung des Peter Neururer? Selbst der Herzinfarkt 2012 dürfte seine Persönlichkeit nicht entscheidend beeinflusst haben. Der Mann ist 58 und repräsentiert auf ewig den Prototypen des Ruhrgebietsmenschen: bodenständiger Kumpel, akribischer Arbeiter und große Schnauze. Unvergessen seine Selbsteinschätzung: »Wenn wir unter den deutschen Trainern ein Quiz machen würden, wer am meisten Ahnung hat von Trainingslehre und Psychologie, und der Trainer mit den besten Ergebnissen kriegt den besten Klub – dann wäre ich bald bei Real Madrid.«

Alle Infos zur Wahl, Jury und zur »11FREUNDE-Meisterfeier« finden sich hier >>>

Wer so daherschwadroniert, kriegt natürlich von allen Seiten auf die Rübe. So einer lässt Pickel bei denen sprießen, die den modernen Fußball eher von der intellektuell-wissenschaftlichen Seite angehen. Auf die Frage, ob er beim VfL jetzt auch als Konzepttrainer wirke, antwortete er spitz, er trainiere hauptsächlich Ecken und Freistöße. Von Neururer wird keiner je Bemerkungen über den »ballfernen Fuß« oder über den Sechser hören, der seine Position wie ein Zehner interpretiere. Solche modischen Verpackungen alter Inhalte sind ihm suspekt. Trotzdem ist er ein respektabler Fußballlehrer, der mehr kann als nur »Feuerwehrmann«. Und weil er sich nicht verbiegen lässt, mit alten Kumpels Harley-Touren macht, zwischen Porsche und Adiletten pendelt und ab und an einen Spruch raushaut, isser vollkommen zurecht der »Echte Typ« geworden. Herzlichen Glückwunsch, Peter Neururer, und vielleicht wird’s in diesem Leben auch noch was mit einem Job auf Schalke!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!