Union Solingen steigt endlich wieder auf!

Denn sie kommen aus Ohligs

Einst spielte Union Solingen in der 2. Bundesliga und war fester Bestandteil im deutschen Spitzenfußball. Diese Tage sind lange vorbei. Jetzt hat der Klub endlich mal wieder einen Aufstieg zu feiern gehabt. Da mussten wir dabei sein.

Tim Röhn

Die Uhr zeigte 16.51 Uhr, die Sonne brannte, der Wind war still, und Hunderte Menschen hielten den Atem an, als der Schiedsrichter in seine Pfeife pustete und dieses Spiel, die ganze Saison, beendete. Man kann diesen Augenblick ruhig etwas genauer beschreiben, denn er war historischer Natur. Zwölf Jahre lang wartete Union Solingen auf einen Aufstieg, exakt 4396 Tage lang. An diesem Sonntag war es soweit: Mit einem 1:0 bei der SSVg Haan hat der ehemalige Zweitligist den Sprung von der Kreisliga A in die Bezirksliga geschafft. In Liga Nummer sieben.
 
Das Stadion am Hermann-Löns-Weg soll abgerissen werden

Mit diesem Triumph endete eine qualvolle Durststrecke, die exemplarisch ist für den Niedergang von zahlreichen Traditionsvereinen. 14 Jahre spielte die Union in der 2. Bundesliga, 1989 stieg sie ab. Am 12. Mai 2002 schaffte der Klub den Sprung in die damals viertklassige Oberliga Nordrhein, das war der letzte große Erfolg. Fünf Jahre hielt sich die Union damals in der Liga, Fortuna Düsseldorf hieß vier mal der Gegner, dann drehte sich die Abwärtsspirale immer schneller. Der Tiefpunkt: Im Jahr 2012 wurde der 1. FC Union Solingen aus dem Vereinsregister gelöscht, die Namensrechte gingen an den A-Kreisligisten BSC Aufderhöhe über. Der hieß dadurch plötzlich BSC Union Solingen, räumte seinen Sportplatz im Stadtteil Aufderhöhe und spielt jetzt dort, wo die Union seit jeher zuhause ist: in Ohligs. Allerdings auf einem einfachen Sportplatz und nicht im Stadion am Hermann-Löns-Weg, diesem mystischen Rund, das die Stadt verkauft hat. Es soll abgerissen werden, Einfamilienhäuser sollen entstehen. Jeden Fußballfan, der hier zu Besuch war, schmerzt dieser Gedanke.
 
Es gibt Menschen, die im Zuge dieser Entwicklungen mit dem Solinger Fußball abgeschlossen haben. Sie sagen: Die Union kann nicht aufgestiegen sein, sie ist tot. Fußball-Romantiker sehen das anders. Sie sehen blau-gelbe Trikots und plötzlich wieder die gleichen Gesichter wie früher, sie hören die gleichen Lieder, sie brüllen immer noch: »Denn wir kommen aus Ohligs, super Ohligs, keiner mag uns, scheißegal.« 500 von ihnen machten sich an diesem Sonntag auf zum Spiel in die benachbarte Kleinstadt Haan, so viele Fans kamen seit fünf Jahren nicht mehr zu einem Spiel der Union. In der Winterpause dachte noch niemand an den Aufstieg, erst Ende März war die Truppe zum ersten Mal Spitzenreiter. Von da an lebte der Traum und stiegen die Zuschauerzahlen. Es ging ein Ruck durch Ohligs, vielleicht lässt sich das Sonntagsritual aus Fußball, Bratwurst und Bier doch wiederbeleben.

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