Union Berlin empfängt Hansa Rostock

Wiedervereinigung

Heute Abend kommt es in der Berliner »Alten Försterei« zu einem Wiedersehen nach zwei Jahrzehnten, wenn der FC Hansa Rostock beim 1. FC Union Berlin antritt. Nicht nur die Wege, auch die Trends der Vereine kreuzen sich. Union Berlin empfängt Hansa Rostock Im April 1989 glaubte in Deutschland wohl kaum jemand daran, dass noch im gleichen Jahr die Mauer fallen würde. Ebenso dürften die wenigsten derer, die sich am 18. April 1989 in Berlin-Köpenick das DDR-Oberligaspiel zwischen Union Berlin und Hansa Rostock anschauten, vermutet haben, dass sich die beiden Vereine erst 20 Jahre später wieder in einem Pflichtspiel gegenüber stehen würden. Zur Neuauflage kommt es aber tatsächlich erst am heutigen Abend, zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall, in der zweiten gesamtdeutschen Bundesliga.

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Motor gegen Empor

Im Februar 1967 empfing Union Berlin zum ersten Mal die Gäste von der Ostsee. Wenn man es ganz genau nimmt, fand das erste Duell jedoch bereits im November 1952 statt. Damals lautete die Spielansetzung jedoch noch BSG Motor Oberschöneweide gegen Empor Lauter. Die kleine Betriebssportgemeinschaft aus dem Erzgebirge wurde zwei Jahre später von der DDR-Sportführung nach Rostock delegiert, um dort ein konkurrenzfähiges Team zu bilden. Empor Lauter wurde Teil von Empor Rostock, 1965 wurde Empor Rostock zum FC Hansa.

Die Mannschaft des VEB Transformatorenwerk Karl Liebknecht in Berlin-Köpenick firmierte zunächst unter Motor Oberschöneweide und seit Januar 1966 als 1. FC Union Berlin. Der Verein aus dem Südosten der Stadt etablierte sich in den siebziger und achtziger Jahren in der Hauptstadt der DDR als Gegenentwurf zum »Mielke-Klub« und Serienmeister BFC Dynamo. Im Gegensatz zu den emotional aufgeladenen Spielen zwischen Union und Dynamo gab es zu DDR-Zeiten zwischen Berlinern und Rostockern keine besonders ausgeprägte Rivalität. Daher scheint es verwunderlich, dass die heutige Partie im Vorfeld zum »Risikospiel« erklärt wurde. Doch einige Vorfälle zwischen den Fangruppen haben in den letzten Jahren die Stimmung auf beiden Seiten aufgeheizt. 1.000 Polizisten sind im Einsatz, außerhalb des Gästeblocks sind keine Hansa-Fanutensilien erlaubt, 1.400 Plätze bleiben in der neuen »Alten Försterei« aus Sicherheitsgründen frei. Dennoch wird Union mit gut 17.500 Zuschauern einen neuen Zuschauerrekord aufstellen.

In der DDR-Oberliga spielten die beiden Vereine nur 13 Jahre gemeinsam. In Berlin konnten die Rostocker dabei nur zwei Mal gewinnen, der letzte Sieg (1:0) datiert vom 17. Februar 1979. Im Ostseestadion wurden die Duelle in den achtziger Jahren immer einseitiger, beim letzten Aufeinandertreffen im Oktober 1988 setzte es für die Hauptstädter eine 0:5-Klatsche.

Schnittpunkt der Fieberkurven nach zwanzig Jahren

Die oberste Spielklasse in der DDR wurde von anderen Vereinen wie Dresden, Magdeburg und später dem BFC Dynamo dominiert, Hansa und Union landeten in der Regel im mittleren oder unteren Tabellendrittel. Nach zahlreichen Aufs und Abs auf beiden Seiten gingen die Fieberkurven der beiden Klubs ab Sommer 1989 deutlich auseinander. Union stieg als Tabellenletzter aus der DDR-Oberliga ab. Der FC Hansa blieb erstklassig und wurde 1991 letzter Meister der DDR sowie ebenfalls letzter FDGB-Pokalsieger und qualifizierte sich für die folgende gesamtdeutsche Bundesligasaison.

Während sich Rostock dauerhaft im bezahlten Fußball und ab 1995 sogar für zehn Jahre in der Bundesliga etablierte, stürzten die Köpenicker rasch bis in die Oberliga Nordost ab, spielten zeitweise in der gleichen Liga mit der zweiten Mannschaft von Hansa. Erst in den letzten vier Jahren arbeiteten sich die Rotweißen von der Viert- in die Zweitklassigkeit vor. Mit sechs Punkten aus den ersten beiden Spielen legten die »Eisernen« einen optimalen Saisonstart hin. Im Frühjahr sah es noch so aus, als würden sich die Wege der beiden Klubs kreuzen, ohne dass es zu einem Aufeinandertreffen kommt. Während Union die dritte Liga dominierte, spielte Hansa die schlechteste Saison seit der Wende und geriet trotz des höchsten Pflichtspielsiegs seit der Wiedervereinigung (9:0 gegen Koblenz) in der Rückrunde in akute Abstiegsgefahr.

Sollte Union heute Abend auch das dritte Spiel in Folge gewinnen, würde sich die Trendwende bestätigen. Hansa-Coach Zachhuber gab im Sommer einen Platz im Mittelfeld als Saisonziel aus. Die Berliner scheinen noch vom Durchmarsch durch die dritte Liga euphorisiert zu sein - und setzen ihre Erfolgsserie auch eine Liga höher fort. Es müsste aber schon eine äußerst kuriose Saison werden, wenn das nächste Wiedersehen der alten Bekannten nicht bereits im nächsten Jahr stattfinden sollte...

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