Unglückliche Torwart-Debüts in der Bundesliga

Erste Spiel, gleich scheiße!

Kopf hoch, Manuel, du bist nicht allein! Einst streichelte Jean-Marie Pfaff bei seinem Bayern-Debüt den Ball ins eigene Tor, Mladen Pralija bekam bei seinem ersten HSV-Spiel sechs Stück und sogar Olli Kahns Premiere misslang. Wir blicken zurück. Unglückliche Torwart-Debüts in der Bundesligaimago

Mladen Pralija
FC Bayern - Hamburger SV 6:0 (8. August 1987)

Mladen Pralija kam mit einer Empfehlung des neuen Trainers Josip Skoblar von Hadjuk Split zum HSV. Der Jugoslawe, so hieß es, sei der neue Star am europäischen Torwarthimmel. Doch schon bei seinem ersten Spiel verdunkelte sich das Firmament von Minute zu Minute ein wenig mehr. Beim FC Bayern ging der HSV mit 0:6 unter. Pralija hielt in der zweiten Halbzeit keinen einzigen Ball fest. Der »Kicker« wusste: »Dem neuen Mann im Tor flatterten bei seinem Bundesliga-Debüt gewaltig die Nerven.« Auch die kommenden Spiele liefen für Pralija nicht besser. Zwei Wochen darauf verlor der HSV zu Hause gegen Karlsruhe mit 0:4. Ende September setzte es eine 2:8-Klatsche in Mönchengladbach. Trainer Skoblar musste noch vor der Winterpause seinen Stuhl räumen – für ihn kam Willi Reimann, der seinen jugoslawischen Fliegenfänger prompt durch Richard Golz ersetzte. Pralija hatte später übrigens eine schlüssige Erklärung für seine Zeit beim HSV: »Vom ersten Tag an war für mich die Situation völlig konfus. Ich war allein in Hamburg. Keiner vom Verein half mir. Ich verstand die Sprache nicht.« 

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Jean-Marie Pfaff
SV Werder Bremen - FC Bayern 1:0 (21. August 1986)

Für Jean-Marie Pfaff lief das Debüt beim FC Bayern zwar weniger gegentorreich, dafür aber ähnlich unangenehm. Der Torwart hatte eine gute WM in Spanien gespielt, zwei Jahre zuvor war er mit der Nationalelf ins EM-Finale vorgedrungen. Nun also der große Herausforderung in der Fremde: der FC Bayern. In seinem ersten Spiel ging es nach Bremen, 44 Minuten lang herrschte gähnende Langeweile. Dann nahm Uwe Reinders Anlauf. Der lange Hüne war bekannt für seine katapultartigen Einwürfe, Jean-Marie Pfaff wusste indes noch nichts davon. Der Ball wurde lang, länger... zu lang. Pfaff stürzte unbehend aus seinem Tor, wollte endlich zeigen, was er kann. Doch er berührte den Ball nur mit den Fingerspitzen und lenkte ihn so ins eigene Tor. Eine ungewollte Streicheleinheit. Werder gewann 1:0 und die Medien stürzten sich auf den angeblichen Superkeeper. Pfaff sah die ganze Sache später positiv: »Das Tor war gut für mich. Ich war sofort überall bekannt, vom Fernsehen wurde es zehnmal wiederholt.« Der Torwart machte danach 155 weitere Spiele für Bayern, wurde dreimal deutscher Meister und zweimal Pokalsieger. 1987 stand er im Finale um den Europapokal der Landesmeister. Das Spiel endete 2:1 für Porto – durch eine gewollte Hackeneinheit Rabah Madjers.
 
Sascha Burchert
Hertha BSC - SC Freiburg 0:4 (20. September 2009)

Zwei Ballberührungen gleich in der Anfangsphase – das schafft Selbstvertrauen für einen Torwart. Dumm nur, dass Sascha Burchert am 20. Setpember 2009 beide Male ins eigene Netz greifen musste, um den Ball zu berühren. Freiburgs Banovic und Makiadi hatten in der 5. und 11. Minute zur 2:0-Führung bei Hertha BSC getroffen. Idrissou und noch einmal Banovic legten nach der Pause nach. Am Ende stand es 0:4. Eine Schmach zum Debüt. Konnte man Burchert bei den Gegentreffern allerdings keinen Vorwurf machen, so amüsierte sich manch ein Fan zwei Spieltage später, als Burchert gegen den HSV zweimal ein Tor nach unbeholfenen Liberoversuchen kassierte. Innerhalb von drei Minuten klärte er vor seinem Strafraum zweimal per Kopf – und zweimal landete der Ball direkt in den Füßen eines Hamburgers, der den Torwart in bester Michael-Chang-Manier überlobbte. Bis heute hat Burchert nur ein weiteres Bundesligaspiel bestritten.

Oliver Kahn
1. FC  Köln - Karlsruher SC 4:0 (27. November 1987)

Stefan Wimmer, in den achtziger Jahren Olli Kahns Kontrahent um den Posten im KSC-Tor, sagte einmal: »Alles, was Handschuhe trug, war Ollis Feind.« Alexander Famulla, damals Nummer Eins beim KSC, soll deshalb seinen Trainer Winnie Schäfer vor einem Trainingslager gebeten haben, ihn nicht mit dem ehrgeizigen Ersatzmann in ein Zimmer zu quartieren – er sorgte sich, dass Kahn ihm das Kopfkissen ins Gesicht drücken würde. Am 18. Spieltag der Saison 1987/88 durfte Kahn erstmals für den gesperrten Famulla ran. Doch nun interessierten ihn die Männer mit Handschuhen nicht mehr, es waren vor allem die Stürmer des 1. FC  Köln, die ihn zur Raserei brachten. In der 89. Minute markierte Littbarski per Strafstoß den 4:0-Endstand für Köln. Kahn, dem trotz der Niederlage eine ordentliche Leistung attestiert wurde, polterte in die Mikrofone: »Frechheit, das war niemals ein Elfmeter! Ich habe Geilenkirchen nicht berührt!« Die anwesenden Mtispieler nickten. Die Ahnung, dass der KSC das Spiel andernfalls noch gedreht hätte, hatte Kahn allerdings exklusiv. 

Andreas Köpke
SV Werder Bremen - 1. FC Nürnberg 5:3 (9. August 1986)

Das muss man erst einmal schaffen: Fünf Dinger kassieren und dafür die Note 2;5 im Kicker erhalten. Andreas Köpke gelang das im Sommer 1986. Er war vom Zweiligisten Hertha BSC zum 1. FC Nürnberg gewechselt und debütierte für den Club am 9. August gegen Werder Bremen machte. Die Gäste führten zwar schnell 2:0, doch dann drehte der 36-jährige Sturmopa Manni Burgsmüller mit seinen drei Toren das Spiel. Am Ende traf Frank Ordenewitz weitere zwei Mal. Fünf Gegentore im ersten Spiel. Erstmals zu Null machte der Torwart übrigens erst vier Monate später. Dass große Karrieren trotz katastrophalen Debüts gelingen, zeigt Köpkes Karriere eindrucksvoll. Er avancierte zum Stammkeeper des Clubs, wurde 1990 Weltmeister, 1996 Europameister und im selben Jahr Welttorhüter.

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